Die evangelische Kirche im Dekanat Bamberg steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Das wurde bei der Herbstsynode deutlich. Einen ganzen Tag lang diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinden darüber, wie kirchliches Leben in Zukunft aussehen kann – unter deutlich schwierigeren personellen und finanziellen Bedingungen als bisher.
Regionalbischöfin Berthild Sachs fand für die aktuelle Situation ein starkes Bild: Die Kirche gleiche einer Großbaustelle. "Wir bauen ein Haus um, während wir darin wohnen", sagte sie. "Wände verschieben sich, Räume öffnen sich neu, und trotzdem geht der Alltag weiter."
Der Hintergrund: Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, gleichzeitig rechnet die Landeskirche bis 2035 mit bis zu 40 Prozent weniger Personal und bis zu 40 Prozent geringeren finanziellen Mitteln. Das zwingt auch das Dekanat Bamberg dazu, seine Strukturen grundlegend zu verändern.
Ein wichtiger Schritt: Ab 2027 sollen Dekaninnen und Dekane ausschließlich Leitungsaufgaben übernehmen. Die bisherige Doppelfunktion mit zusätzlichem Dienst in einer Kirchengemeinde entfällt. So soll die Leitungsebene mehr Freiraum für strategische Aufgaben erhalten.
Regionalgemeinden statt Einzelkämpfer
Besonders konkret wurden die Pläne, wenn es um die Arbeit vor Ort geht. Künftig sollen mehrere Kirchengemeinden enger zusammenarbeiten und sogenannte Regionalgemeinden bilden.
Im Dekanat Bamberg ist dieser Weg bereits angelegt: Schon jetzt gibt es nachbarschaftliche Kooperationen in drei großen Regionen – der Stadt, dem Süden und dem Westen. Künftig soll sich diese Zusammenarbeit auch in den Strukturen abbilden.
Geplant ist, dass für jede Regionalgemeinde ein Team aus mindestens fünf Hauptamtlichen zuständig ist. Dieses Team verantwortet gemeinsam Gottesdienste, Bildungsangebote, Seelsorge und das vielfältige Gemeindeleben. Verwaltungsaufgaben sollen stärker von qualifizierten Fachkräften übernommen werden.
"Wir wollen unser pastorales Personal dort einsetzen, wo Menschen uns brauchen, nicht in Papierbergen", betonte Sachs. Ziel ist, mehr Energie in Begegnung, Begleitung und Verkündigung zu investieren statt in Büroarbeit.
58 Gebäude auf dem Prüfstand
Ein weiterer Schwerpunkt der Synode war der Gebäudebestand. Im Dekanat Bamberg gibt es derzeit 58 kirchliche Gebäude, die über Kirchensteuermittel bezuschusst werden. Diese Zahl lässt sich angesichts der zukünftigen Rahmenbedingungen nicht halten.
"Bis 2035 müssen wir unseren Gebäudebestand, der von der Landeskirche gefördert werden kann, etwa halbieren", erklärte Dekanin Sabine Hirschmann. Arbeitsgruppen aus Ehren- und Hauptamtlichen haben dafür bereits umfangreiche Vorarbeiten geleistet, Daten gesammelt und erste Vorschläge erarbeitet.
Im kommenden Jahr soll in enger Abstimmung mit der Landeskirche entschieden werden, welche Gebäude langfristig in Verantwortung der Kirche bleiben, welche sich für andere Nutzungen eignen und welche aufgegeben werden müssen.
Hirschmann sagte dazu offen: "Dieser Prozess wird niemandem leichtfallen. Aber wir müssen verantwortungsvoll handeln – finanziell, ökologisch und mit Blick auf die Menschen in den Kirchengemeinden in der Region."
"Strahlkraft ist keine Frage der Größe"
Trotz aller Einschnitte war die Herbstsynode kein Tag der Resignation, sondern des bewussten Aufbruchs. Regionalbischöfin Sachs formulierte es so: "Strahlkraft ist keine Frage der Größe, sondern des Brennens!"
Die Jahreslosung 2026 "Siehe, ich mache alles neu" passe ideal zur aktuellen Situation, sagte sie. "Wir stehen mitten im Wandel, aber wir gehen ihn bewusst und gemeinsam."
Die Herbstsynode im Dekanat Bamberg machte vor allem eins deutlich: Die Herausforderungen sind groß, die Richtung ist klar. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit daran, wie Kirche in der Region Bamberg in Zukunft lebendig, verlässlich und nahe bei den Menschen bleibt – auch unter deutlich veränderten Bedingungen.