21.01.2018
Ökumene

Der katholische Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann hat beim zentralen Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen die Kirchen dazu aufgerufen, ihr Engagement für die Versöhnung der Konfessionen zu verstärken.
Bischof Wiesemann Speyer

»Unsere Vision der Ökumene - sie muss viel größer sein, als nur das friedliche Mit- und Nebeneinander in getrennten Kirchen zu pflegen«, sagte der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann laut Predigttext beim zentralen Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen in Augsburg.

Die Gebetswoche vom 18. bis 25. Januar findet weltweit statt. In Deutschland wird sie von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) organisiert. Als deren Vorsitzender betonte Wiesemann in der Augsburger Kirche St. Anna:

»Damit die Kirchen den Menschen, denen die Veränderungs- und Umwälzungsprozesse Angst machen, Mut und Hoffnung geben können, braucht es die Vision einer weltumspannenden Solidarität.«

Nur so könne man »den großen Krisen der Menschheit wehren, dem Terror, der Korruption und der himmelschreienden Ungerechtigkeit, die immer wieder Millionen von Menschen in Flucht und Elend treiben.«

Wiesemann forderte die Kirchen auch dazu auf, ihre Rolle in einer Welt, in der in vielen Ländern Armut und Unterdrückung herrschten, kritisch zu beleuchten. Sie müssten sich »die Frage zumuten lassen, wo wir durch Unterlassen oder durch unser Mittun dazu beitragen, dass Staaten in wirtschaftlichen Abhängigkeiten gefangen sind, dass unzählige Menschen in Armut leben, Gewalt erleiden oder willkürlicher Justiz ausgeliefert sind«.

Befreiung ist in diesem Jahr Thema der Gebetswoche

Die Texte dafür hat die Konferenz der Kirchen in der Karibik erarbeitet. Das Motto »Deine rechte Hand, Herr, ist herrlich an Stärke« (Ex 15,6) erinnert dabei an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Diese Befreiung aus der Knechtschaft gebe Anlass, darüber nachzudenken, »wo noch mehr ökumenisches Engagement der Christen gegen unterschiedliche Formen der Sklaverei und für die Würde des Menschen erwartet wird«, teilte die ACK mit.

Der evangelisch-methodistische Bischof Harald Rückert sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), das diesjährige Thema der Gebetswoche sei »in unserer gegenwärtigen Weltsituation aktueller denn je«. Das Evangelium sei eine befreiende Botschaft - für einzelne Menschen, aber auch für ganze Völker: »Das zu verkündigen ist ein gemeinsamer Auftrag aller Kirchen«, sagte Rückert.

Bischof Wiesemann betonte: Die von Gott verheißene Freiheit erstrecke sich nicht nur auf den geistlichen Bereich. Sie ziele »ebenso auf die Befreiung von Sklaverei und Unterdrückung - durch Terror und Krieg, durch Armut und Hunger, durch ungerechte politische Systeme und menschenverachtende wirtschaftliche Systeme.«

 

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