Zwischen Techno, Lasershows und tanzenden Menschen steht mitten auf dem Open Beatz Festival bei Herzogenaurach eine Kirche. Ja, wirklich – eine echte Kirche. Aus Holz gebaut, mit Lichterketten, Kirchenbänken und offenem Herzen.
Die Open Church ist ein Projekt der Evangelischen Kirche in Bayern in Kooperation mit MUT (Missionarisch unterwegs). Wir haben mit Pfarrer Michael Wolf gesprochen, der sie mitorganisiert – und dabei erfahren, warum Kirche und Festival besser zusammenpassen, als man denkt.
"Wir haben rund um die Uhr offen – auch wenn die Musik längst vorbei ist"
Michael Wolf ist Koordinator, Mitgestalter und Seelsorger der Open Church. Und er liebt diesen besonderen Ort:
"Wenn die Essensstände schon schließen und der letzte Beat längst verklungen ist – unsere Kirche hat immer noch offen."
Sie ist Rückzugsort und Begegnungsraum zugleich: Hier kann man Wasser trinken, sein Handy laden, in der Fotobox Erinnerungen festhalten – oder einfach zur Ruhe kommen.
Wer möchte, kann sich auch segnen lassen, allein oder mit Freund*innen oder Partner*in. "Wir nehmen dafür sogar Ringe aus Panzertape – das kommt super an."
Vom kleinen Zelt zum Herzstück des Festivals
Die Open Church ist in wenigen Jahren sichtbar gewachsen. Was als 4x4-Meter-Zelt am Rand des Festivalgeländes begann, ist heute ein zentrales Gebäude aus Holz mit 6x12 Metern.
"Die Festivalleitung hat uns gefragt, ob wir größer und zentraler werden wollen – wir waren selbst überrascht, wie groß das Interesse ist", erzählt Wolf. Die Eröffnung der neuen Kirche wurde groß gefeiert – und seither ist sie fester Bestandteil des Festivalgeschehens.
Wer vorbeikommt, trifft echte Pfarrerinnen und Seelsorgerinnen – was für viele Festivalbesucher*innen erst mal überraschend ist. "Oft fragen Leute: ‚Ist das wirklich eine Kirche? Oder nur ein Gag?‘", sagt Wolf. "Wenn sie merken, dass es ernst gemeint ist, bleiben viele. Manchmal entsteht einfach ein Gespräch – manchmal tiefergehende Seelsorge."
Kirche & Festival – passt das?
Michael Wolf lacht, wenn man ihn fragt, ob er privat Festivalgänger sei. "Vom Musikgeschmack her würde ich eher auf ein Metalfestival gehen – war ich auch schon", sagt er.
"Aber diese Atmosphäre hier, die Offenheit, das Miteinander – das ist schon was Besonderes."
Mit seinen Kolleg*innen teilt er sich Schichten – insgesamt sind rund 30 Menschen im Einsatz. Übernachtet wird in der Diakonie im Ort oder zuhause, um nach langen Tagen zur Ruhe zu kommen.
Und trotzdem: Es bleibt immer Zeit, auch mal rüber zu den Bühnen zu schauen – zu den Shows, den Menschen, dem Festivalgefühl. "Man muss das schon auch mitnehmen", sagt Wolf – und man merkt ihm die Begeisterung an.
Mitmachen? Sehr gerne!
Die Open Church lebt von Menschen, die mithelfen. Und neue Ehrenamtliche sind jederzeit willkommen. "Wer Lust hat, zwei Schichten pro Festival zu übernehmen und Menschen etwas Gutes tun möchte, ist bei uns richtig", sagt Wolf. "Man sollte Freude daran haben, für andere da zu sein, zuzuhören, zu begleiten. Es gibt Leute, die jedes Jahr dabei sind – und immer wieder neue."
Die Open Church ist ein Ort zum Krafttanken, zum Fragenstellen, zum Feiern und Nachdenken – mitten im bunten Festivalleben. Und: ein Ort, der zeigt, dass Kirche heute ganz anders aussehen kann als viele denken.
"Welcome in der Open Church – für Besuchende und alle, die mitgestalten wollen."