10.06.2016
Interreligiöse Jugendbildungsstätten

Der langjährige Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR), Gerhard Engel, hält die Zeit reif für eine Jugendbildungsstätte in islamischer Trägerschaft. Eine solche Einrichtung könne ein wichtiger Beitrag zur Integration junger Migranten in die demokratische Gesellschaft sein. Jugendbildungsstätten seien bürokratiefreie Lernorte.

Auch die zahlreichen jungen Muslime in Deutschland müssten die Möglichkeit haben, sich im gesellschaftlichen Spektrum gleichberechtigt zu betätigen. »Das ist eine zentrale Aufgabe unserer Gesellschaft und der Organisationen, die sie tragen.« Eine neue islamische Jugendbildungsstätte wäre laut Engel eine Chance, die in dieser Religion nicht selten zu beobachtenden »autoritären Vorstellungen« von Familie, Erziehung und Pädagogik in Richtung eines offenen, toleranten und partnerschaftlichen Erziehungs- und Bildungsverständnisses weiter zu entwickeln. Als möglichen Träger kann sich der Experte einen Verein vorstellen, in dem die bislang vier islamischen Jugendorganisationen vertreten sind, die sich bereits dem BJR angeschlossen haben.

Als Festredner bei der 40-Jahr-Feier der evangelischen Jugendbildungsstätte Neukirchen in Lautertal (Landkreis Coburg) hatte Engel kürzlich auch die Idee einer »interreligiösen Jugendbildungsstätte« ins Gespräch gebracht. Dies wäre ein »Kristallisationspunkt« , wo junge Christen, Juden und Muslime einen offenen Dialog führen könnten, um als religiös geprägte Menschen ihre Werte in die Gesellschaft und in die Demokratie einzubringen, erläuterte er im epd-Gespräch. Die Trägerschaft müssten die Glaubensgemeinschaften auch gemeinsam übernehmen.

Schließlich regte Engel eine zweite, ebenfalls neu zu schaffende evangelische Jugendbildungsstätte an. Dafür müsse freilich auch die Landeskirche »Geld in die Hand nehmen«. Mit dem 1976 eröffneten Haus in Neukirchen als bisher einzige Einrichtung dieser Art in Bayern seien die Protestanten im Verbund der gegenwärtig zwölf öffentlich geförderten Jugendbildungsstätten derzeit deutlich »unterrepräsentiert«, sagte Engel. Träger dieser Häuser sind die Kirchen, Bezirks- und Landesjugendringe, sowie andere Organisationen wie etwa der Deutsche Alpenverein oder Gewerkschaften.

Gerhard Engel war von 1989 bis 2001 Präsident des Bayerischen Jugendrings, zuvor hatte er zehn Jahre lang die Landesjugendkammer der Evangelischen Jugend in Bayern als Vorsitzender geleitet. Heute lebt und arbeitet er als freiberuflicher Verbandscoach und Bildungsreferent im Landkreis Aschaffenburg.

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