26.03.2019
Landessynode

Kirche als "Friedenskirche": Thementag bei der Frühjahrssynode in Lindau 2019

Die Synode hat das Schwerpunktthema Frieden aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.
Oberstleutnant Mathias Meierhuber
Oberstleutnant Mathias Meierhuber spricht über Krieg und Frieden auf der Synode in Lindau 2019.

Ein Polizist, ein Bundeswehroffizier, ein Journalist und eine Friedensexpertin – aus verschiedene Perspektiven hat die in Lindau tagende Landessynode am Dienstag ihr Schwerpunktthema "Christus ist unser Friede" beleuchtet. In einem Impulsreferat vor dem Kirchenparlament der 2,4 Millionen bayerischer Protestanten rief die Friedensexpertin Martina Basso (Berlin) die Kirchen auf, sich auf allen Ebenen für den Frieden einzusetzen.

Martina Basso: Friedenskirche

Die Berliner Friedensexpertin Martina Basso hat die Kirchen dazu aufgerufen, sich auf allen Ebenen für den Frieden einzusetzen. Kirche sei dazu berufen "Friedenskirche" zu sein, sagte die Leiterin des Berliner Friedenszentrums. Kirche müsse in der Gesellschaft den Frieden exemplarisch leben, um so "als Zeichen der Hoffnung inmitten von Gewalt zu zeigen, was Gottes Wille ist: der gerechte Frieden", erläuterte Basso. Gerechter Friede bedeute dabei nicht nur die Abwesenheit von Krieg und Gewalt, betonte Basso. Dazu gehöre auch, Gerechtigkeit in der Gesellschaft durchzusetzen. Damit sei soziale Gerechtigkeit ebenso gemeint wie Rechststaatlichkeit oder die Achtung der Menschenrechte.

Aufgabe der Kirche sei es überdies, "als Gemeinschaft Frieden und Gewaltfreiheit auf allen Ebenen durchzubuchstabieren", sagte die mennonitische Pastorin. Die Friedensarbeit der Kirche müsse daher das friedliche Miteinander der Menschen ebenso im Blick haben wie die Bewahrung der Schöpfung, ein gerechtes Wirtschaften und den Frieden zwischen den Völkern.

Basso rief die Synodalen dazu auf, beim Thema Frieden "den prophetischen Auftrag der Kirche" nicht zu vergessen. Kirche müsse sich als "ethische Gemeinschaft" verstehen, die Gewaltfreiheit "zeugnis- und zeichenhaft" lebe. Dabei sollte sie auch ihre eigenen Strukturen auf Gewaltfreiheit prüfen und sich im Zweifel fragen: "Müssen wir die Kirche umbauen, wenn wir den Weg des gerechten Friedens gehen wollen?"

Polizeioberrat Bernd Bürger

Die große Bedeutung von kleinen Gesten in der Polizeiarbeit hob Polizeioberrat Bernd Bürger hervor. Ein Lächeln der Polizisten oder ein Gespräch könnten bei Demonstrationen zu Entspannung und Deeskalation führen. Außerdem versuchten die Polizisten bei Demonstrationen, schnelle Bewegungen oder Laufschritt zu vermeiden, weil das zu Verunsicherung bei den Demonstranten führen könne.

Bei den Demonstrationsteilnehmern warb der Polizeioberrat um Vertrauen und Verständnis für die Arbeit der Beamten, um so zu einem friedlichen Verlauf beizutragen. Mit großem Beifall nahm das Kirchenparlament den Appell des Synodalen Werner Reuß auf, den Dienst der Polizistinnen und Polizisten wertzuschätzen, den "sie Tag und Nacht und rund um die Uhr tun, damit wir alle sicher leben". 

Oberstleutnant Matthias Meierhuber

Oberstleutnant Matthias Meierhuber erklärte, dass ein militärischer Einsatz gerechtfertigt sei, wenn dadurch ein Völkermord oder die Vertreibung von Menschen verhindert werden könne. Es gebe Situationen, in denen eine Gewaltspirale gestoppt werden müsse. Militärisches Handeln dürfe jedoch immer nur die letzte Möglichkeit sein. Nach Kampfeinsätzen im Ausland sei es für die Soldaten oft schwierig in ein Land zurückzukehren, das in völligem Frieden lebe, sagte der Oberstleutnant, der selbst in Afghanistan und im Kosovo im Einsatz war.

Pastorin Martina Basso, Leiterin des Berliner Friedenszentrums der Mennoniten
Pastorin Martina Basso, Leiterin des Berliner Friedenszentrums der Mennoniten.

Journalist Jan Fleischhauer

Der Journalist Jan Fleischhauer wandte sich dagegen, medial auf Menschen einzutreten, die bereits am Boden liegen. Im Journalismus komme es immer häufiger zu einer "Rudelbildung", beklagte der "Spiegel"-Kolumnist. Dabei sei es gerade die Aufgabe des Journalismus, Positionen Gehör zu verschaffen, die medial unterrepräsentiert sind. Auch Parteien, die als ganzes abgelehnt werden, könnten Positionen haben, die Beachtung verdienten.

Das Schwerpunktthema schloss die Synode mit einem Friedensgebet ab. Die Tagung war überschattet von dem plötzlichen Tod des Synodalen Johannes Taig. Der Hofer Pfarrer war am Montag gestorben.

Journalist Jan Fleischhauer
Journalist Jan Fleischhauer spricht auf der Landessynode 2019 in Lindau.
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