Eine neue wissenschaftliche Untersuchung bescheinigt der kirchlichen TelefonSeelsorge in Bayern eine hohe Wirksamkeit und große gesellschaftliche Bedeutung. Die vom Zentrum für angewandte Pastoralforschung (zap) der Ruhr-Universität Bochum durchgeführte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die 17 bayerischen TelefonSeelsorge-Stellen als professionelles, verlässliches und niedrigschwelliges Hilfsangebot wahrgenommen werden – sowohl von Ratsuchenden als auch von Fachstellen und Trägern.
Landesbischof Christian Kopp bezeichnete die TelefonSeelsorge anlässlich der Studienvorstellung am Mittwoch in Nürnberg als "unverzichtbar für unsere Gesellschaft". Sie stehe "für schnelle Zuwendung, Vertrauen und Hoffnung" und zeige, "wie Kirche dort wirksam wird, wo sie den Menschen in seiner Verletzlichkeit ernst nimmt".
Kopp: Ausdruck einer Kirche, die mitten im Leben steht
Besonderes Lob sprach Kopp den zahlreichen Ehrenamtlichen aus, die in der TelefonSeelsorge tätig sind. Ihr Engagement sei "gelebte Nächstenliebe" und Ausdruck einer Kirche, "die mitten im Leben steht – zugewandt, offen und glaubwürdig". Viele der Mitarbeitenden erlebten ihre Tätigkeit als sinnstiftend und notwendig.
Mit Blick auf die Zukunft warnte der Landesbischof jedoch vor finanziellen Engpässen. Sinkende Kirchensteuereinnahmen und wachsende Belastungen für Haupt- und Ehrenamtliche gefährdeten die Qualität der Arbeit. "Die TelefonSeelsorge gehört für mich zum Kern kirchlicher Arbeit in einer Gesellschaft, die mehr denn je Kontakt, Orientierung und Mitmenschlichkeit braucht", betonte Kopp.
Ökumenische Zusammenarbeit gelobt
Hervorgehoben wurde zudem die enge ökumenische Zusammenarbeit zwischen evangelischer und katholischer Kirche. Diese Partnerschaft sei ein Beispiel gelebter Ökumene, "von der es in Zukunft mehr brauche", so Kopp.
Die Studienergebnisse wurden im Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg vorgestellt. Im Anschluss diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und psychosozialer Praxis über die Perspektiven der TelefonSeelsorge in Bayern, darunter Dr. Matthias Belafi (Katholisches Büro Bayern), Daniel Renné (Bayerisches Gesundheitsministerium), Simona Kralik (Krisennetzwerk Unterfranken), Tanja Maier (TelefonSeelsorge Mühldorf am Inn) und Rut Belzner (Ökumenische TelefonSeelsorge Würzburg/Main-Rhön).
Bei der Telefonseelsorge registriert die Telekom jährlich etwa 19 Millionen Anwahlversuche. Die bayerischen Telefonseelsorgen führten im Jahr 2024 rund 180.000 Gespräche, fast 10.000 E-Mail-Konversationen und schrieben Ratsuchende in 4.400 Chats. Die Nachfrage nach Beratung sei höher als das Angebot an freien Leitungen, teilt die TelefonSeelsorge mit.