20.10.2017
Bildung & Kirche

Unterschriftenaktion für den Erhalt der Tagungsstätte Wildbad Rothenburg

Ein Bündnis aus mehreren Rothenburger Gruppen und Vereinen hat eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Wildbades in kirchlicher Trägerschaft gestartet. Listen für die Unterschriftenaktion lägen in den Kirchen des Dekanats bis zum 8. November aus.
Wildbad Rothenburg Luftbild Tagungshaus Evangelisch
Wildbad Rothenburg Luftbild Tagungshaus Evangelisch

Ein Bündnis aus mehreren Rothenburger Gruppen und Vereinen hat  eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Wildbades in kirchlicher Trägerschaft gestartet. Listen für die Unterschriftenaktion lägen in den Kirchen des Dekanats bis zum 8. November aus, heißt es in einem auf Facebook veröffentlichten Brief an die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski und Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. In dem Brief steht etwa: »Weite Teile der Bevölkerung und Gruppierungen in der Stadt sind sprachlos und entsetzt über solche Planungen.« Gemeint ist damit ein möglicher Verkauf des Wildbades.

Vor knapp drei Wochen war bekanntgeworden, dass der Landeskirche als Eigentümerin der Tagungsstätte das Kaufangebot eines Hoteliers vorliegt. Nun prüft die Kirche drei Optionen: einen möglichen Verkauf, eine Kooperation mit dem Hotelier oder auch die Beibehaltung des Ist-Zustandes. Entschieden ist nach Angaben der Kirchenleitung noch gar nichts, man habe die Mitarbeitenden und Öffentlichkeit vielmehr über das Kaufinteresse informiert, um den Prozess so transparent wie nur möglich zu gestalten. Die Mitarbeitervertretung des Wildbades hatte sich vor einigen Tagen deutlich gegen die Verkaufspläne gewandt.

Unterschriftenaktion für den Erhalt von Bildungsstätte in Wildbad Rothenburg

Der über das soziale Netzwerk Facebook die Runde machende offene Brief liegt nach Informationen des Evangelischen Pressedienstes (epd) bisher weder im Büro der Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin noch im Landeskirchenamt vor - ist aber in seiner digitalen Variante bekannt. Bornowski sagte dem epd auf Anfrage, die Unterschriftenaktion und der Zuspruch seitens der Bevölkerung seien für sie nachvollziehbar. »Das zeigt, dass das Wildbad und die Arbeit seiner Mitarbeiter in der Region sehr geschätzt werden.« Dass die Unterschriftenlisten in den Kirchen auslägen, zeige, wie sehr die Arbeit bis in die Gemeinden hineinwirkt.

Die Schreiber des Briefes sind unter anderem die Mitglieder des Vereins Alt Rothenburg, die Bürgerinitiative Rothenburg, der Verein Kultur in der Scheune und andere. Sie sind der Auffassung, die heutige Gesellschaft »braucht dringend Einrichtungen wie das Wildbad«: »Ein Forum für ein offenes kulturelles Angebot und Möglichkeiten zu einem integrativen und Werte vermittelnden Austausch sind dringend nötig.« Hier könne und müsse die Kirche ihren wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Das Haus sei nicht nur bei kirchlichen Gruppen sehr beliebt. Eine Kooperation mit dem Hotelier als Alternative zum Verkauf sei nicht erstrebenswert.

Landeskirche informierte über zwei Optionen zum Umgang mit Immobilie

Die Landeskirche hatte am 6. Oktober die rund 50 Mitarbeitenden des Wildbades über die drei Zukunftsoptionen informiert. Bevor konkrete Gespräche über die Immobilie geführt werden, müssten Bauexperten sie zunächst genau begutachten, sagte der landeskirchliche Finanzchef Erich Theodor Barzen. Derzeit wendet die Landeskirche jährlich etwa 500.000 Euro für den baulichen Erhalt des Rothenburger Wildbades auf. Nicht enthalten seien Kosten für Großmaßnahmen. Mit weiteren rund 500.000 Euro bezuschusse man den laufenden Betrieb der Tagungsstätte.

Der Text des Aufrufes im Wortlaut:

Unterschriftenaktion zum Erhalt des Wildbads unter kirchlicher Trägerschaft - Wir brauchen Sie!

Ein Bündnis aus Rothenburger Gruppen setzt sich mit einem offenen Brief für den Erhalt des Wildbads Rothenburg unter kirchlicher Trägerschaft ein. Wir brauchen Ihre Unterschrift! Listen liegen in den Kirchen des Dekanats aus. Die Aktion läuft bis zum 8. November:

Rothenburg o.T., 17.10.2017
Sehr geehrter Herr Landesbischof Bedford-Strohm,
sehr geehrte Frau Regionalbischöfin Bornowski,
mit großer Sorge haben wir von den wohl vorliegenden Plänen der Landeskirche gehört, das Wildbad in Rothenburg zu verkaufen. Weite Teile der Bevölkerung und Gruppierungen in der Stadt sind sprachlos und entsetzt über solche Planungen: das Wildbad entwickelte sich, dank seiner herrlichen Lage vor den Toren der Altstadt am Hang des romantischen Taubertals gelegen sowie aufgrund seiner baulichen Einzigartigkeit im Laufe der letzten Jahre nicht nur zu einem beliebten Tagungszentrum für Gäste aus aller Welt, sondern bildet zudem ein wichtiges soziales und kulturelles Zentrum für die Stadt Rothenburg und ihre Umgebung als Treffpunkt für ihre Bürger zu den verschiedensten Themenbereichen.
Sehr befremdlich stellt sich für die Bevölkerung auch das Vorgehen dar, anscheinend Verhandlungen mit eventuellen Kaufinteressenten aus der Hotelerie zu führen, ohne vorher maßgebliche Personenkreise in der Stadt darüber in Kenntnis gesetzt zu haben.
Die heutige Gesellschaft braucht dringend Einrichtungen wie das Wildbad, um auf die Herausforderungen der heutigen Zeit mit der Gefahr des Verlustes an Orientierung und eines Auseinanderdriftens von Bevölkerungsgruppierungen zu reagieren. Ein Forum für ein offenes kulturelles Angebot und Möglichkeiten zu einem integrativen und Werte vermittelnden Austausch sind dringend nötig! Und hier kann und muss die Kirche ihren wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten! Dies geschah in den letzten Jahren durch das bemerkenswerte Engagement der Mitarbeiter des Wildbades und bedeutete einen wesentlichen und dankenswerten Beitrag für die Gesellschaft!
Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde im Evangelischen Sonntagsblatt (11.07.2017) im Rahmen einer Vorstellung der evangelischen Tagungshäuser auf das besondere Phänomen des Wildbads und seine Beliebtheit bei sehr unterschiedlichen Gruppen hingewiesen:
„…Inzwischen wurde das Haus nicht nur mit 1,7 Millionen Euro (seit 2010) baulich gefestigt und aufgehübscht, sondern man hat ihm auch noch eine gesellschaftspolitische Leuchtturm-Funktion verliehen. In der gediegenen Atmosphäre von Hessings Märchenschloss soll nach dem Willen der Landessynode der lange vernachlässigte Diskurs zwischen Kirche und Arbeitswelt stattfinden… Zum eigenen Bildungsprogramm gehören außerdem Glaubens- seminare oder Angebote für Jakobspilger - immerhin treffen sich in Rothenburg zwei gut frequentierte Jakobswege… Das Haus ist bei Kirchenchören und Kirchen- vorständen, aber auch bei Unternehmerverbänden und Firmen beliebt. Rund 550 Gruppen logieren hier pro Jahr - macht gut 16.000 Übernachtungen…
Gerade jetzt in seinem renovierten Zustand, aus dem sich zunehmend immer mehr Möglichkeiten der Nutzung ergeben, muss es möglich sein, diese einzigartige Einrichtung im bisherigen Sinne weiterzuführen. Der finanzielle Aspekt darf keine ausschlaggebende Rolle spielen, die soziale Verantwortung für die Mitarbeiter und die Nutzniesser der mannigfaltigen Veranstaltungen sollte in unseren Augen unbedingt in den Vordergrund gestellt werden! Auch ein Gotteshaus, Gemeindezentren, Kultureinrichtungen sind niemals rentierlich!
Die angedachte Kooperation zwischen der Verwaltung des Wildbades und den Interessen des sich bewerbenden Hoteliers halten wir ebenfalls für keinesfalls erstrebenswert. Es ist zu befürchten, dass sich schleichend eine Übernahme zu rein kommerziellen Zwecken ergeben wird und dass die " Seele" des Wildbades in Kürze keinen Boden mehr für ein fruchtbares Gedeihen wird vorfinden können.

Wir bitten Sie daher dringend, von solchen Planungen abzusehen und das Wildbad mit seinen Parkanlagen zum Wohle der Menschen, die das Gebäude, seine Einrichtungen und seine Veranstaltungen sehr wertschätzen, im Besitz der Landeskirche zu belassen.

Mit freundlichem Gruß,

Mitglieder des Vereins Alt Rothenburg und Mitglieder des Ausschusses
Energiewendebündnis Rothenburg
Bürgerinitiative Rothenburg
Erd-Charta Gruppe Rothenburg
Kultur in der Scheune e.V.
Mitglieder im Denkmalnetz Bayern

 

(Quelle: Facebook)

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