Dekanat Fürth
Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen - Kirche ist hier ganz nah dran an den Menschen. Elf kurze Videoclips erzählen von solchen besonderen Einschnitten im Leben. Ein Projekt der evangelischen Gemeinden im Dekanat Fürth.
Marlene spricht mit dem Kamerateam

Vier Hochzeiten und ein Todesfall, fünf Taufen und eine Konfirmation - das ergibt zusammen ein Videoprojekt, bestehend aus elf kurzen Filmen. Entstanden sind sie in evangelischen Kirchengemeinden des Dekanats Fürth.

Dekan Jörg Sichelstiel hofft, dass Menschen, die sich im Internet informieren, über sie stolpern. "Dann kommen sie hoffentlich auf unsere Webseite oder die der beteiligten Gemeinden, schauen sich die Filme an und sagen: 'Boah, das will ich auch'".

Rund 15.000 Euro hat die Produktion der Filme gekostet. Zu 80 Prozent wurden die Kosten von der Landeskirche bezuschusst. Entstanden sind sie in Zusammenarbeit mit der Nürnberger Agentur "Imbissfilm" im Sommer 2020, zu einer Zeit, als Corona schon lange auch das kirchliche Leben bestimmt hat.

Eine kirchliche Hochzeit während Corona?

Das erlebten auch Franziska und Adrian Pautz aus Oberasbach, die eigentlich im Mai kirchlich heiraten wollten. Die Corona-Politik machte den beiden einen Strich durch die Rechnung. Wenigstens die standesamtliche Hochzeit konnte im kleinen Rahmen stattfinden, die kirchliche soll im Mai 2021 nachgeholt werden.

Im Video erzählen die beiden, welche Fragen sie in den vergangenen Monaten begleitet haben: Ist Standesamt ausreichend? Wie wäre es mit einer freien Trauung?

Warum sie sich jetzt aber auf die kirchliche Trauung freuen, hat pragmatische und persönliche Gründe. "Eine freie Trauung kostet ein Vermögen, und ein Gastredner, das ist doch ein bisschen zu geschauspielert", sagt Adrian Pautz.

Oberasbach dagegen sei einfach "seine" Kirchengemeinde. Das Paar war zudem überrascht, wie flexibel Pfarrer und Gemeinde sind, wenn es um die individuellen Wünsche gehe.

Lisa und Gwendolyn lassen sich taufen

Spannend ist auch die Geschichte der 15-jährigen Lisa, deren Eltern nicht getauft sind, die aber nach dem Besuch eines katholischen Kindergartens und dem Ethikunterricht in der Schule dort in den evangelischen Religionsunterricht wechselte und fortan sehr gute Erfahrungen machte.

Eine Freundin nahm sie mit in die evangelische Jugendgruppe. Dem immer stärker werdenden Wunsch, selbst getauft zu werden, kam sie dann irgendwann nach. "Ich hatte viele Fragen ans Leben, und die wurden mir vom Glauben beantwortet", bekennt sie.

Auch die 17-jährige Gwendolyn hat sich erst im Teenie-Alter in St. Rochus in Zirndorf taufen lassen. "Es war ein überwältigender Moment, als ich das Wasser über mir spürte. Jetzt wusste ich, ich gehöre nun auch dazu", beschreibt sie das Tauferlebnis.

Beerdigungen und Konfirmationen

Über die Beerdigung seiner 90 Jahre alten Mutter in Rosstal spricht Gerhard Lauchs. "Meine Mutter war keine bigotte Gläubige, sie hat auch offen gesagt, wenn der Pfarrer ihrer Meinung nach mal einen Schmarrn erzählt hat", sagt er. Dass das Gespräch mit dem Pfarrer zur Beerdigung so lange und ausführlich war, schätzt er: "Es war eine würdige Trauerfeier".

Außerdem begleiten die Zuschauer die 14 Jahre alte Marlene, die in der Fürther Kirchengemeinde St. Michael die Vorbereitungszeit zur Konfirmation erlebt hat. Auch ihre Eltern erzählen in dem Film, wie diese Phase ihr Glaubensleben bereichert habe und wie sich neue Perspektiven auf das Leben ergeben hätten.

"Evangelische Kirchenmitglieder entscheiden sich bei Trauungen und Beerdigungen zunehmend für freie Redner. Die Taufzahlen sind rückläufig, Kinder sollen irgendwann mal selber entscheiden, ob sie zur Kirche gehören wollen, Konfirmation ist nicht mehr selbstverständlich", sagt Christiane Lehner, Referentin des Dekanats Fürth.

Darum habe man zeigen wollen, dass es in den Kirchengemeinden Fürth, Stadt und Land, wunderschöne Orte gebe. Zudem würden die Menschen auf flexible und interessierte Pfarrer treffen, stellt sie fest. Denen sei daran gelegen, auf die Bedürfnisse der Menschen bei Beerdigungen, Hochzeiten, Taufen oder Konfirmationen einzugehen.

Der Referent für Gemeindeentwicklung im Landeskirchenamt in München, Michael Wolf, bezeichnet das "Kasualprojekt" der Fürther als einzigartig. Die Finanzierung der Videos sei über das kirchliche Projekt "Stärkung der Kasualarbeit" gelaufen, bei dem 1,45 Millionen Euro an Fördergeldern für Kirchengemeinden und Dekanatsbezirke rund um Taufen, Trauungen, Bestattungen und andere Kasualien zur Verfügung stehen.

"Wir empfehlen den Gemeinden, solche Wege zu gehen. Denn das sind genau die Geschichten, die wir weitererzählen müssen", sagt er.

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