Pünktlich zum Anpfiff um 10:02 Uhr stürmen 20 angehende Pfarrer*innen und Religionslehrkräfte das Feld. An diesem sonst so ruhigen Sonntagmorgen gibt es auf dem Sportplatz des Erlanger Unisports keine Gnade: Die ersten beiden Tore fallen, ein Fuß knickt um, der Erste-Hilfe-Kasten wird geholt und wegen eines Fouls wird es beinahe handgreiflich.

Es ist wieder Theocup, ein Fußballturnier zwischen den evangelisch-theologischen Fakultäten in Bayern, das jährlich im Sommer ausgetragen wird. In diesem Jahr treten an: zwei Teams der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau, zwei Teams der FAU Erlangen sowie ein Team des Theologischen Studienhauses Werner-Elert-Heim, ebenfalls aus Erlangen.

Der dritte bayerische Studienort für Theologiestudierende, die LMU München, ist leider wie schon seit einigen Jahren nicht vertreten. Dafür ist dieses Jahr ein absolutes Novum zu verzeichnen: Ein Team der Universität Heidelberg ist erstmals mit dabei. Die Spieler sind um sechs Uhr früh losgefahren und haben nicht nur Fans, sondern auch Wassereis und Kuchen für alle mitgebracht. Ob das die Schiedsrichter bestechlich macht?

Theocup: 30 Kilo Bananen, 225 Liter Wasser, 20 Kilo Kartoffelsalat

Für Verpflegung und Wasser ist aber gut gesorgt: Das Organisationsteam um Stephan Mikusch – Studienleiter des Theologischen Wohnheims und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Altes Testament II – ist eingespielt. Es wurden 30 Kilo Bananen, 225 Liter Wasser und 20 Kilo Kartoffelsalat eingekauft, um die Spieler*innen und ihre Fans während des Spiels und bei der anschließenden Grillfeier ordentlich zu verköstigen.

Mikusch ist schon seit 2013 beim Theocup dabei, damals allerdings nur am Grill. Als er das Amt des Studienleiters des Theologischen Wohnheims übernahm, rutschte er automatisch in die Organisation hinein, erzählt er, während er die Spielstände notiert und die Anweisungen für das nächste Spiel durchsagt.

Am Spielfeldrand behält unterdessen Griechisch-Dozent Ekkehard Weber alias "Coach Weber“, wie der Schriftzug auf seiner Schirmmütze verlauten lässt, sein Erlanger Team "TSG 1“ fest im Blick. Er ist nicht nur für seine Fußball-Eselsbrücken bekannt, als eingefleischter Greuther-Fürth-Fan bringt er auch die nötige Expertise mit auf den Platz. Für ihn ist das keine Arbeit, sondern Vergnügen. Und das lasse er sich nicht nehmen, auch wenn er inzwischen im Ruhestand sei.

"Die Chancen für einen Sieg stehen gut – nicht sehr gut. Es sind schon Gegner da, bei denen man nicht unbedingt davon ausgeht, dass man gewinnt, aber mit dem Finale kann man rechnen", schätzt der erfahrene Coach die Lage ein.

Früher hat er sogar selbst mitgespielt, als es noch die sogenannte Seniorenquote gab, nach der in jedem Team auch ein*e Dozent*in mitspielen musste. Diese Regelung gibt es nicht mehr, dafür aber die, dass in jedem Team immer mindestens eine Frau auf dem Platz stehen muss. 

  • Menschen auf einem Fußballplatz
    Zum Finale laufen die Teams mit "Einlaufkindern" auf den Rasen
  • Menschen auf einem Fußballplatz
    Voller Einsatz im Finale des Theocups
  • Menschen mit Schildern an einem Fußballplatz
    Erlangen-Fans feuern die Teams mit Schildern an
  • Menschen in einem Fußballtor, in Trikots
    Die Teams "TSG 1" und "Erlangen 2" mit Coach Weber

    Johanna aus dem Wohnheims-Team findet das am Theocup besonders toll: "Dass so unterschiedliche Teams mit unterschiedlichen Stärken spielen und dass es gemischtgeschlechtlich ist, ist ja nicht üblich im Fußball." Mit Blick auf die aktuelle Frauen-Fußball-EM lässt sich nicht abstreiten, dass Frauen in diesem Sport auch im Jahr 2025 gesellschaftlich immer noch wenig präsent sind.

    "Am Anfang war das Tor"

    Davon lässt sich die Stimmung auf dem Platz jedoch nicht trüben. Die Fans unterstützen ihre Mannschaft mit Schildern in deren Farben oder besonders kreativen Sprüchen, frei nach dem Johannesevangelium: "Am Anfang war das Tor, und das Tor war bei Erlangen.” Theologie, Fußball und Humor schließen sich also keinesfalls aus – das bestätigt auch ein Team der Augustana-Hochschule:

    "Die Stimmung ist super, weil wir die Spaßmannschaft sind. Also haben wir ganz viel Spaß – ganz egal, wie der Spielstand ist. Wir haben bisher ein Tor geschossen, das ist schon eins mehr als geplant."

    Auch Pfarrerin und "Sinnfluencerin" Sabrina Kielon aus Fürth feuert in der Fangemeinde die Spieler*innen ihrer Alma Mater an. Für das Social-Media-Projekt "saeleute” der ELKB teilt sie auf ihrem Instagram-Account heute auch ihre Begeisterung für den Theocup, bei dem sie in ihrer Studienzeit selbst mitgespielt hat. "Ich konnte aber nichts zum Sieg beitragen”, erklärt sie lachend. Für sie geht es beim Theocup in erster Linie um Gemeinschaft.

    "Das ist das Coole – man lernt sich kennen auf eine ungezwungene Weise, mit Menschen, die man später im Beruf auch immer wieder sieht. Und man hat einfach eine geile Zeit zusammen, denn Fußball verbindet."

    Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt sich nicht nur auf dem Platz, sondern auch beim anschließenden Grillfest im Garten der Evangelischen Studierendengemeinde. Beim Anstehen in der Schlange am Buffet kommen alle schnell ins Gespräch. Ein Student aus Neuendettelsau, der sein viertes Semester absolviert, informiert sich über die Studienbedingungen in Heidelberg und Erlangen, da er noch überlegt, an welcher Universität er nach der Zwischenprüfung weiterstudieren möchte. Es werden Erfahrungen aus verschiedenen Praktika ausgetauscht und über die Unterschiede an den Universitäten diskutiert – neben Fußball spielt also auch das Fachliche an diesem Tag eine Rolle. Am wichtigsten ist jedoch der Austausch und die Gemeinschaft, darin sind sich alle einig.

    "Die Gemeinschaft ist immer cool. Es sind einige Leute dabei, die ich einerseits vom letzten Theocup oder schon seit Längerem kenne, und es ist einfach schön, sich wiederzutreffen", sagt eine Studentin der Augustana. So ist übrigens auch Heidelberg zu dem eigentlich bayerischen Theocup gekommen. Tobi und Moritz aus Heidelberg haben letztes Jahr schon für Neuendettelsau gespielt und sich kurzerhand entschlossen, in Heidelberg ein neues Team ins Leben zu rufen. Fußball verbindet also auch über landeskirchliche Grenzen hinweg.

    Der Pokal bleibt in Erlangen

    Und so sind auch die beiden Studenten und Mitorganisatoren Ralph und E mit dem Tag zufrieden. Schon seit drei Monaten waren sie mit den Vorbereitungen beschäftigt. Sie mussten Gelder beantragen, die Verpflegung kalkulieren und einkaufen. Heute Morgen wurden schließlich noch die Linien auf den Fußballplatz aufgesprüht. Eine besondere Herausforderung sei es zudem gewesen, unparteiische Schiedsrichter zu finden, erklärt Ralph. Er hat selbst den Schiedsrichter-Neulingslehrgang absolviert und heute das Finale gepfiffen.

    Mittags geht es auf dem Platz mit ordentlichem Verzug im Zeitplan, aber nicht minder guter Stimmung ins Finale. Es wird ein Heimspiel, denn für den Pokal qualifiziert haben sich zwei Erlanger Teams: TSG 1 spielt gegen Erlangen 2.

    Mit "Einlaufkindern", also Fans und ausgeschiedenen Spieler*innen an der Hand, marschieren die Mannschaften aufs Feld. Eine Idee, die gut ankommt: "Weil das einfach gute Stimmung gemacht hat und alle Leute beteiligt waren”, findet Tobias aus dem Team Erlangen 2.

    Und so endet das Spiel – inklusive Eigentor und Elfmeter – schließlich mit 4:1 für TSG 1. E, Kapitän des Teams, und Coach Weber sind zufrieden. Der Pokal bleibt in Erlangen!

    Es ist schon früher Abend, als Stephan Mikusch seine grüne Grillschürze mit der Aufschrift "Mikusch am Grill” ablegt und alle Gäste gesättigt sind. Die 20 Kilo Kartoffelsalat sind restlos aufgegessen, das letzte Grillgut wird verdrückt. Noch immer werden Schiedsrichter-Entscheidungen diskutiert. Über den Gesprächen wäre die Siegerehrung beinahe in Vergessenheit geraten.

    Jetzt aber versammeln sich noch einmal alle und applaudieren den sechs Mannschaften. Feierlich wird der goldene Pokal an die TSG 1 übergeben. Auf seinem Sockel sind die Siegerteams der vergangenen Jahre eingraviert. Er wird wieder im Schaukasten im theologischen Seminargebäude ausgestellt werden. Stolz posiert das Team noch für Fotos, dann werden nach diesem Tag voller Fußball und Vernetzung langsam die Bänke zusammengeräumt.