2,9 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten am Freitagabend "Fastnacht in Franken" im Bayerischen Fernsehen, allein in Bayern durchschnittlich 1,8 Millionen Menschen. Mit einem Marktanteil von 45,4 Prozent erzielte die Sendung erneut einen Spitzenwert. Für alle, die den Alltag für einen Moment vergessen und sich stattdessen in ein Meer aus Lachen und klugen Pointen stürzen wollten, war diese Sendung eine erfrischende Abwechslung. Trotz der ausgelassenen Stimmung sparten die Künstler nicht an bissiger Kritik an der aktuellen Lage der Nation. Sitzungspräsident Christoph Maul führte gewohnt souverän und mit viel Witz durch den Abend, während ein Star nach dem anderen die Bühne in eine Arena der Satire verwandelte.

Ein Höhepunkt und das Herzstück der fränkischen Seele war auch in diesem Jahr wieder Volker Heißmann, der in seiner Paraderolle als "Mariechen" zur Hochform auflief. Gemeinsam mit seinem Partner Martin Rassau als "Waltraud" feierte er ein beeindruckendes Jubiläum: Seit nunmehr 30 Jahren ist das Duo gemeinsam auf den Bühnen unterwegs.

Besonders charmant und herrlich "launig" wurde es, als Mariechen die Ehrengäste begrüßte. In der ersten Reihe hatten diesmal gleich zwei prominente Vertreterinnen der evangelischen Landeskirche Platz genommen: Gisela Bornowski, die Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg, und die Nürnberger Kollegin Elisabeth Hann von Weyhern – beide im rosa Anzug und mit übergroßem "Frauenpower"-Beffchen. "Manchmal sabbern sie vielleicht" kommentierten die Comedians augenzwinkernd. Der Würzburger Bischof Franz Jung gab sich betont cool mit "Amen"-Käppi und wurde von Waltraud und Mariechen prompt auf die Gerüchte angesprochen, sich für den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz zu interessieren.

Bundeskanzler Merz: Ausgezogen, um das Regieren zu lernen?

Peter Kuhn von der "Schwarzen Elf" aus Schweinfurt brillierte in diesem Jahr als Märchenerzähler. Doch seine Geschichten waren alles andere als zum Einschlafen. Er nahm sich Bundeskanzler Friedrich Merz vor, den er als jemanden porträtierte, der "auszog, um das Regieren zu lernen", sich dabei aber oft in der Rolle des bloßen Erzählers verfängt. Auch die Rechtsaußen-Fraktion blieb nicht verschont: AfD-Parteivorsitzende Alice Weidel wurde als böse Zauberin aus Dornröschen verspottet, die ihren Spiegel fragt, wer die "Rechteste" im ganzen Land sei – nur um zu erfahren, dass Björn Höcke ihr diesen Rang ablaufe. Selbst über den großen Teich schwappte der Spott: US-Präsident Donald Trump mutierte in Kuhns Reimen zum "Trumpelstilzchen".

Musikalisch und inhaltlich wurde das Publikum auf eine Achterbahnfahrt geschickt. Das A-cappella-Ensemble Viva Voce aus Ansbach lieferte einen der musikalischen Höhepunkte. Sie widmeten sich dem Thema Fliegen und dem ökologischen Fußabdruck. Aus dem Schlager "Verdammt, ich liebe dich" wurde kurzerhand "Verdammt, ich flieg nicht" – ein amüsanter Seitenhieb auf die aktuelle CO2-Debatte. Auch die bayerische Grünen-Chefin Katharina Schulze bekam ihr Fett weg: Zu den Klängen von "Fly Me to the Moon" wurde ihr nahegelegt, ihren Dauer-Kontrahenten Markus Söder doch am besten gleich auf den Mond zu schießen.

Janina Fuchs bei Fastnacht in Franken 2026.
Janina Fuchs bei Fastnacht in Franken 2026.

Söder isst und wird durch den Kakao gezogen

Söder selbst war ohnehin das Lieblingsziel vieler Akteure. Ob es um seine Social-Media-Kampagne "Söder isst" ging, die von Bauchredner Sebastian Reich und seinem quirligen Nilpferd Amanda (begleitet vom Ferkel "PigNic") gnadenlos durch den Kakao gezogen wurde, oder um seine Gesangskünste. Ein stimmiger Moment war auch das Lied von Sebastian Reichs Puppen: "Wir könnten doch alle Freunde sein".

Matthias Walz, der diesmal als Alleinunterhalter "Walter" an der Orgel saß, schoss scharf gegen den Ministerpräsidenten, der sich am Neil-Diamond-Klassiker "Sweet Caroline" versucht hatte. Walz garnierte seine Lieder zudem mit Zitaten von Merz bis Aiwanger und verpasste den "Toten Hosen" eine politische Kur: Aus "Zehn kleine Jägermeister" wurden bei ihm "16 kleine Bundesländer", eine Spitze gegen Söders Reformpläne des Länderfinanzausgleichs.

Neben den alten Hasen gab es auch frische Gesichter und beeindruckende sportliche Leistungen. Philipp Weber aus dem Odenwald feierte ein "schlüpfrig lustiges" Debüt und referierte über die Irrungen und Wirrungen der Pharmabranche. Der 12 Jahre junge Leonard Wolf vom FC Waigolshausen (bekannt aus "Fastnacht in Franken – jung und närrisch") stieg in die Bütt´ und bewies sein musikalisches Talent zudem an der Tuba. Von den "Närrischen Siedler", dem Forchheimer Fastnachtverein, stieg Janina Fuchs als "Forchheimer Gaafergoschn" erstmals auf die Veitshöchheimer Bühne.

Für das optische Highlight sorgte die Buchnesia Garde aus Nürnberg. Als zehnfache deutsche Meister im Gardetanz zeigten sie eine Performance, die klarmachte, warum sie zur absoluten Elite gehören.

Ein Moment der Wehmut legte sich über den Saal, als die Altneihauser Feierwehrkapell’n ihren letzten Auftritt bei "Fastnacht in Franken" absolvierte. In einem zehnminütigen Potpourri zogen sie noch einmal alle Register: Es wurde gegen die Franken gestichelt, das harte Leben in der Oberpfalz besungen und natürlich dem typischen Zoigl-Bier gehuldigt. Politisch zeigten sie sich gewohnt misstrauisch und verabschiedeten sich mit einem zünftigen Antifrankenlied.

Letzter großer Lacher des Abends

Den Abschluss bildete Michl Müller, der im Fußballtrikot die kommende Weltmeisterschaft thematisierte. Sein Vergleich zwischen dem Fußballkader und der Politik – wo man anscheinend auch gerne mal mit "Ahnungslosen" spiele – sorgte für den letzten großen Lacher des Abends.

"Fastnacht in Franken 2026" war ein rund vierstündiger Ausflug in eine Welt, in der man über Gender-Debatten, die Work-Life-Balance und die Deutsche Bahn (Stichwort: "Wackelkontakt") gleichermaßen lachen konnte. Es war eine Sendung, die trotz aller Spitzen niemals den Respekt verlor und die Zuschauer mit einem Lächeln entließ.

Die Sendung wird seit 1987 ausgestrahlt und ist im BR Fernsehen seit den 1990er-Jahren die erfolgreichste Sendung überhaupt. Im ersten Jahr kam "Fastnacht in Franken" noch aus dem oberfränkischen Lichtenfels, seit 1988 findet sie in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim statt. Im kommenden Jahr wird die 40. Sendung "Fastnacht in Franken" gefeiert.

Der 12 Jahre junge Leonard Wolf vom FC Waigolshausen mit der Altneihauser Feierwehrkapell’n.
Der 12 Jahre junge Leonard Wolf vom FC Waigolshausen mit der Altneihauser Feierwehrkapell’n.