8.02.2015
Playmobil

Martin schlägt alle Rekorde: Der kleine Playmobilmann und Werbebotschafter für das Reformationsjubiläum 2017 ist ausverkauft. Eine Online-Petition an den fränkischen Spielzeughersteller für weiteres Reformations-Zubehör wie die Wartburg lehnte das Unternehmen ab. Dann machte es der Kammersteiner Pfarrer Stefan Merz eben selber.
Pfarrer Stefan Merz ist Playmobil-Liebhaber
Pfarrer Stefan Merz mit seiner Sammlung Playmobil-Figuren

Es gibt die Playmobil-Wartburg: Sie ist drei Meter lang und 1,20 Meter breit. Was eine Facebook-Gruppe jetzt öffentlichkeitswirksam fordert, steht bereits im Keller des Pfarrhauses im fränkischen Kammerstein (Landkreis Roth). Die Burg besteht aus den Zinnen, Zugbrücken und Teilen mehrerer Ritterburgen und anderer Bausätze der bekannten Kinderspielzeugmarke. »Alles ist komplett aus Playmobil-Material«, betont der begeisterte Playmobilianer Stefan Merz. Über den Vorwurf der Facebook-Gruppe, »es könne keine rechte Spielfreude aufkommen, wenn Kindern einzig die Lutherfigur zur Verfügung stehe«, kann der Pfarrer nur müde lächeln.

Am vergangenen Freitag kam die Playmobil-Luther heraus: Er soll Werbebotschafter für das 500. Reformationsjubiläum 2017 und religiös-geschichtlich interessierte Touristen für eine Deutschland-Reise begeistern. Kurz nach der Präsentation hatte sich die Facebook-Initiative »Luther braucht die Wartburg« formiert. Dringend gebraucht werde neben der Wartburg auch Katharina von Bora und das Ergänzungs-Set »Junker Jörg«, monierten die Initiatoren. Inzwischen wird sogar wieder Luther gebraucht, denn die Figur war innerhalb von 72 Stunden ausverkauft.

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Bild: ©Playmobil, geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG, Zirndorf

Orginalgetreuer Nachbau

Stefan Merz hat sich gleich nach der Präsentation den 7,5 Zentimeter kleinen Playmobil-Luther gekauft, der bald in die extra für ihn maßstabsgetreu gefertigte Wartburg einziehen kann. Oder in das Geburtshaus Luthers. Oder in das Schloss zu Wittenberg, in ein Kloster oder in den Reichstag zu Worms. All diese Gebäude und Szenen hat der 44-Jährige Merz in den vergangenen zehn Jahren gebaut. Beim Reichtag hab er sich aber »von Freunden helfen lassen«, räumt er ein. Schließlich hat man als Pfarrer ja auch noch ein bisschen was anderes zu tun, als mit Klebstoff und Feile Spielzeugteile aneinanderzufügen.

In Stefan Merz' Bauten sind die Einzelteile nicht nur gesteckt und eingeklickt. Der handwerklich begabte Theologe sägt sich die Teile so zurecht, dass sie geschichtlich korrekt in den Langbau eingeklebt werden können. »Manchmal muss man da schon zu drastischen Maßnahmen greifen«, erklärt er. Tipps, wie die mittelalterliche Welt möglichst echt wirkt, holt sich Merz auch im Internet bei der Playmobil-Bastlerszene, denn mit seiner Leidenschaft ist er nicht allein.

Merz hat sich vorgenommen, seine Reformationsbauten im Jahr 2016 bei einer kleinen Ausstellung in Kammerstein zu zeigen. Derzeit lagern die Werke noch schlecht zugänglich im Keller und haben eine ansehnliche Staubschicht bekommen. Wenn die Lutherszenen präsentiert werden, setzt Merz auch das passende Personal hinein. Auch dafür hat er an den robusten Playmobilfiguren Eingriffe durchführen müssen, Talare geknetet, ihnen Abendmahlskelche in die Hand gegeben.

Playmobil tut sich schwer mit kirchlichen Figuren

Original-Kirchenleute sind in den Bausätzen der Zirndorfer Firma nämlich selten. Playmobil tut sich schwer mit kirchlichen Figuren«, hat der Pfarrer festgestellt. Einen evangelischen Pfarrer mit Beffchen musste er selbst bemalen und eine Stola mit Knetmasse schaffen. Auch Mönche gibt es nicht zu kaufen. Lediglich eine Nonne war einmal erhältlich, vermutlich als in den 1990er Jahren die Sister-Act-Filme erfolgreich waren.

Die Playmobil-Spielwelt müsse wohl »religiös neutral sein«, hat Merz festgestellt. Eine Hochzeitskirche, die Playmobil vor einigen Jahren auf den Markt brachte, habe nicht einmal ein Kreuz enthalten, schüttelt der Theologe den Kopf. Altar und Eheringe waren in der Schachtel - aber kein Pfarrer.

Umso mehr hat sich Merz jetzt über den neuen Martin Luther gefreut, der sogar das Neue Testament mit sich führt. Die Übersetzung ist zwar erst 17 Jahre nach dem Thesenanschlag von 1517 erschienen, aber darüber sieht Merz gerne hinweg. »Manche finden, dass er mit dem Mantel aussieht wie Harry Potter«, schmunzelt er. Aber dieser Talar sei definitiv neu und extra für den Reformator angefertigt.

Der Playmobil-Kenner Merz hat auch eine Erklärung dafür, warum der zu Lebzeiten gut beleibte Martin Luther so schlank als Reformationsbotschafter durch die Welt gehen wird: entweder Talar oder dick. Denn: »Für dicke Figuren gibt es keine Röcke bei Playmobil.«

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Sonntagsblatt