Wer auf Social Media unterwegs ist, begegnet dem Begriff "AI Slop" immer häufiger. Gemeint sind minderwertige, massenhaft produzierte KI-Inhalte. Doch hinter der Kritik steckt mehr als die Frage, ob ein Bild gut aussieht. Es geht auch um Austauschbarkeit, Vorurteile, Nachhaltigkeit und die Wertschätzung kreativer Arbeit.

Ein perfekt ausgeleuchtetes Gesicht, eine märchenhafte Landschaft oder ein Video mit erstaunlichen Details: Auf den ersten Blick sehen viele KI-generierte Inhalte sehr realistisch aus. Doch unter solchen Beiträgen finden sich zunehmend Kommentare wie "AI Slop" oder "Bitte hört auf, meinen Feed damit zuzumüllen". 

Das englische Wort "Slop" bedeutet so viel wie Müll, Pampe oder minderwertiger Kram. "AI Slop" bezeichnet entsprechend KI-generierte Inhalte, die in großer Menge und mit wenig Aufwand produziert werden, dabei aber kaum einen eigenen Mehrwert bieten. Dazu gehören Bilder, Videos, Illustrationen und Texte, die vor allem Aufmerksamkeit erzeugen sollen. Der Begriff wurde zum Ausdruck für eine wachsende Genervtheit von einer digitalen Welt, die immer voller wird.

KI hat ihre eigene Handschrift

Früher ließen sich KI-Bilder häufig an offensichtlichen Fehlern erkennen: Hände mit zu vielen Fingern, verzerrte Gesichter oder unleserliche Schrift. Inzwischen sind die KI-Programme deutlich besser geworden. Trotzdem fällt es vielen Menschen, die regelmäßig solche Inhalte sehen, weiterhin auf, wenn ein Bild künstlich erzeugt wurde.

Denn neben technischen Fehlern gibt es eine typische KI-Ästhetik: übermäßig glatte Oberflächen, dramatisches Licht, kräftige Farben und perfekt arrangierte Szenen. Viele Bilder wirken erstaunlich ähnlich, selbst wenn sie unterschiedliche Motive zeigen. Die Technik wird besser, aber ihre Ergebnisse können trotzdem austauschbar wirken. Genau das ist ein Teil der Kritik: Der Feed wird mit immer mehr Inhalten gefüllt, die zwar auf den ersten Blick professionell aussehen, aber wenig Persönlichkeit erkennen lassen. Was technisch möglich ist, ist nicht automatisch kreativ oder sehenswert.

Hinter "AI Slop" steckt auch Kritik daran, wie KI gesellschaftliche Vorurteile reproduziert. Die Systeme lernen aus vorhandenen Daten und übernehmen dabei häufig Stereotype. So können bestimmte Geschlechter, Hautfarben oder Körperbilder immer wieder als vermeintlicher Standard dargestellt werden. Werden solche Bilder massenhaft verbreitet, wiederholen sich auch die darin enthaltenen Klischees. Dazu kommen ökologische und wirtschaftliche Fragen. Die Erzeugung von KI-Bildern und -Videos benötigt Rechenleistung und Energie. Gerade wenn Inhalte ohne erkennbaren Mehrwert in großer Zahl produziert werden, stellt sich die Frage, ob sich dieser Ressourcenaufwand lohnt.

Und schließlich geht es um die Menschen, deren Arbeit durch KI ersetzt werden kann. Illustration, Fotografie und Mediengestaltung sind Handwerke, für die Kreative Erfahrung, Ideen und Fachwissen mitbringen. Wer eine KI ein Bild erzeugen lässt, statt eine:r Illustrator:in oder Fotograf:in zu beauftragen, spart möglicherweise Geld. Gleichzeitig fehlt ein Auftrag für Menschen, die von ihrer kreativen Arbeit leben und auch Wertschätzung solch kreativer, einzigartiger Arbeiten.

Muss wirklich alles mit KI entstehen?

Natürlich ist nicht jedes KI-generierte Bild automatisch schlecht. KI kann kreative Prozesse unterstützen, Arbeit abnehmen und neue Möglichkeiten eröffnen. Entscheidend ist, wofür sie eingesetzt wird und ob das Ergebnis tatsächlich einen Mehrwert bietet. Für viele Social-Media-Beiträge braucht es keine aufwendig generierten Bilder. Eine selbst gestaltete Grafik, ein echtes Foto oder eine einfache Illustration können persönlicher wirken als ein perfekt produziertes KI-Motiv. Mit Programmen wie Canva lassen sich auch ohne professionelle Designausbildung ansprechende Inhalte gestalten. Für größere Kampagnen kann es sich lohnen, gezielt Kreative zu beauftragen.

Gerade Unternehmen, Medien und Organisationen sollten deshalb überlegen, ob ihre Bildsprache zu ihren eigenen Werten passt. Wer für Nachhaltigkeit, Vielfalt oder Kreativität steht, sollte auch bei der Gestaltung darauf achten, wie Inhalte entstehen und welche Botschaften sie vermitteln. "AI Slop" ist damit mehr als ein Schimpfwort für schlechte Bilder. Der Begriff bringt die Müdigkeit gegenüber einer digitalen Dauerproduktion auf den Punkt. Nicht alles, was sich schnell und günstig herstellen lässt, muss auch veröffentlicht werden. Manchmal ist weniger und unperfekter Inhalt besser vor allem dann, wenn dahinter mehr Persönlichkeit, handwerkliches Können und eine eigene Idee stecken.