Einen Film gab es an diesem Abend nicht im Hofer Kino, trotzdem sind rund 80 Menschen ins Central-Kino Hof gekommen, um über eines der meist emotional diskutierten Themen unserer Zeit zu sprechen: Migration, Integration und die Frage, wie Zusammenleben im Hofer Land gelingt.
Unter dem Titel "Überfremdung oder Bereicherung – wie ist die Lage im Hofer Land?" hatte die Diakonie Hochfranken zum Sozialpolitischen Treff SPOT eingeladen.
Nach der Begrüßung durch Geschäftsführerin Manuela Bierbaum führte Jürgen Schöberlein, Bereichsleiter der Diakonie Hochfranken, als Moderator durch die 90-minütige Runde. Auf dem Podium: Politik, Religion, Zivilgesellschaft – und damit viele verschiedene Perspektiven.
Integration – notwendig, aber nicht konfliktfrei
Harald Fichtner, Bezirksrat und ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Hof, machte gleich zu Beginn deutlich, dass Integration unverzichtbar sei, aber nicht automatisch gelinge. Wer nach Deutschland komme, müsse den Willen zur Integration mitbringen. Dieses Bemühen erkenne er nicht in allen Fällen.
Klar benannte er problematische Entwicklungen: Parallelgesellschaften dürften nicht einfach hingenommen werden, und subjektive Ängste in Teilen der Bevölkerung müssten ernst genommen werden. Eine offene Gesellschaft brauche Debattenräume, in denen Sorgen ausgesprochen werden können, ohne dass sofort verhärtete Fronten entstehen.
Wer Integration fördert, bekommt Teilhabe zurück
Eine andere Akzentsetzung kam von Fazli Kücüköztürk von der Türkisch-Islamischen Gemeinde Hof. Für ihn ist der Begriff "Überfremdung" der falsche Zugang – nicht ohne Grund wurde das Wort bereits 1993 zum "Unwort des Jahres" erklärt. Stattdessen warb er für einen positiven Blick auf Zuwanderung.
Seine Überzeugung: "Wer Integration maximal fördert – in Schule, Familie und Beruf –, bekommt maximale Teilhabe zurück." Integration sei kein einseitiger Prozess, sondern ein Wechselspiel aus Förderung, Offenheit und eigener Initiative. Wenn Menschen sich willkommen fühlen, entstehe Identifikation – mit der Region, mit der Stadt, mit den Menschen vor Ort.
Nicht alles Fremde ist Überfremdung
Memet Ali Girgin, Jura- und Politikstudent sowie Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der CHP Jugend, war als Vertreter der Alawitischen Gemeinde auf dem Podium. Er lenkte den Blick auf das Miteinander im Alltag.
Seine zentrale Botschaft: "Nicht alles, was uns fremd erscheint, ist gleich Überfremdung." Er warb dafür, die Begriffe sorgfältig zu wählen und Unterschiede auszuhalten, ohne sie sofort als Bedrohung zu stempeln. Sein Plädoyer: "Miteinander statt nebeneinander" – Begegnung statt Rückzug in abgeschlossene Gruppen.
Praktische Beispiele aus Selbitz: Kontakt verändert den Blick
Aus der Perspektive einer geistlichen Gemeinschaft berichtete Schwester Edith Schmidt von der Christusbruderschaft Selbitz. In Selbitz gebe es gute Erfahrungen mit dezentraler Wohnintegration und gewachsener Nachbarschaftshilfe. Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte leben nicht am Rand, sondern mitten im Ort.
Ihr Fazit: "Kontakt schafft Sympathie." Wo man einander kennt, miteinander ins Gespräch kommt, entstehen Vertrauen und Verständnis. Vorurteile verlieren an Gewicht, wenn Gesichter und Geschichten sichtbar werden.
Kontroverse – aber respektvolle Debatte
Die Gäste im Saal nutzten die Gelegenheit für Fragen und eigene Beiträge. Immer wieder wurden Erfahrungen aus der Praxis, Unsicherheiten im Umgang mit Fremdheit, aber auch positive Beispiele gelungener Integration angesprochen. Trotz teils unterschiedlicher Positionen blieb der Ton sachlich und respektvoll.
Moderator Jürgen Schöberlein zeigte sich im Rückblick zufrieden:
"Wir haben viele Facetten beleuchtet – positive wie negative. Die Runde war kontrovers, aber konstruktiv." Der Abend habe gezeigt, dass die Diskussion um Migration und Integration anspruchsvoll bleibe, selbst wenn ohne persönliche Angriffe und ideologische Schlagworte diskutiert wird.
Nach der Veranstaltung setzten viele Besucherinnen und Besucher das Gespräch im Foyer fort – im kleineren Rahmen, persönlicher, näher an den eigenen Lebensgeschichten. Genau darum ging es an diesem Abend, reden, zuhören, nachdenken – und weiter im Gespräch bleiben.