17. Januar 2021
Dampfpflüge

England-Import revolutionierte den Ackerbau: Dampfpflüge aus dem 19. Jahrhundert finden bis heute Bewunderung

Die Geschichte der Dampfpflüge hat der Historiker Theodor Häußler zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Die Acker-Ungetüme aus dem 19. Jahrhundert faszinieren Menschen bis heute.
Kirche Acker Bayern Schwaben Landwirtschaft Traktor
Symbolbild

Ungetüme auf dem Acker und nur für Großbetriebe geeignet: Das waren Dampfpflüge, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Landwirtschaft mechanisiert haben. Nicht in Württemberg, wo kleinbäuerliche Landwirtschaft vorherrschte, aber in Bayern, in Schlesien, auf der Magdeburger Börde oder in osteuropäischen Schwarzerde-Gebieten.

Einer der letzten erhaltenen Dampfpflüge Deutschlands ist im Deutschen Landwirtschaftsmuseum (DLM) der Universität Hohenheim in Stuttgart zu sehen. Theodor Häußler, Historiker und ehemaliger Landwirtschaftsdirektor des DLM, hat jetzt die Geschichte dieser seltenen Landmaschine aufgeschrieben im Buch "Die Bayerische Dampfpflug-Genossenschaft Regensburg e.G.m.b.H. 1901-1966".

Die Geschichte der Dampfpflüge

Er widmet sich in dem Werk nicht nur dem Hohenheimer Dampfpflugsatz, sondern auch dessen ersten Betreibern, nämlich der "Regensburger Dampfpflug-Genossenschaft". Der Maschinensatz, der heute im Ausstellungsraum des DLM in der Stuttgarter Filderhauptstraße 179 steht, ist eine der bundesweit noch drei betriebsfähigen Dampfpflug-Garnituren. Ab und zu ist sie im Schau-Einsatz und zieht dann Tausende Besucher an, berichtet Frank Emmerich, wissenschaftlicher Mitarbeiter im DLM.

Die Garnitur besteht aus zwei Heucke-Dampfpflug-Lokomobilen und einem Kipppflug. "Etwa sechs Maschinisten sind bei den Abläufen mit Maschinen und Pflug beschäftigt", erklärt Emmerich. Bevor der Dampfpflug einsatzbereit ist, braucht der Dampfkessel etwa zwei Stunden zum Vorheizen.

Auch danach benötigt die Maschine pro Stunde 700 Liter Wasser und mindestens 150 Kilogramm Kohle. Ein Dampfpflug ist bis zu acht Meter lang, 2,70 Meter breit, mit Kamin etwa vier Meter hoch, 20 Tonnen schwer und hat die Leistung einer Lokomotive, bis zu 500 PS.

Einsatz auf dem Acker

Beim Einsatz auf dem Acker stehen sich zwei Dampflokomobile am Feldrand gegenüber, erläutert Emmerich. Ein bis zu 600 Meter langes Drahtseil verbindet den Pflug mit den Lokomobilen. Mit einer Arbeitsbreite von über zwei Metern und einer Pflugtiefe von über 40 Zentimetern war die Leistung des Dampfpfluges einmalig.

Pro Stunde konnte mehr als ein Hektar gepflügt werden. Der gelockerte Boden brachte deutlich höhere Erträge, vor allem im Zuckerrübenanbau. Leisten konnten sich die Maschinen jedoch nur finanzstarke Betriebe. Die Regensburger Dampfgenossenschaft nahm pro Saison 1.800 Hektar Acker unter den Pflug.

Häußler erzählt die Geschichte des Dampfpflugs von Anfang an. Er beginnt bei dem Ingenieur, Schriftsteller und Zeichner May Eyth, Sohn eines Professors für Griechisch und Geschichte am damaligen Evangelisch-Theologischen Seminar Schöntal (Hohenlohekreis), der die Landmaschine aus England in den 1860ern in Deutschland einführte. Er hat später auch nach englischem Vorbild die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft gegründet.

Museumssammlung in Stuttgart

Das Buch schildert weiter, wie sich Dampfpflüge vor allem auf bayerischen Gutsbetrieben etablierten, bis hin zur Gründung der Regensburger Dampfpflug-Genossenschaft im Jahr 1901. Das war eine Gemeinschaft von Großbauern, die die Maschinen über 60 Jahre lang aufwendig betrieben hat. Die beiden Heucke-Lokomobile, die heute sorgfältig restauriert im Zentrum der Traktorenhalle des DLM stehen, gehörten bis 1965 der Regensburger Dampfpflug Gesellschaft.

Keine Landmaschine habe den Menschen so fasziniert wie der Dampfpflug, heißt es im Museum. Neben der Dampfpfluggarnitur zeigt es in vielen weiteren Bereichen die rasante technische Entwicklung der Landwirtschaft: Zu sehen sind rund 100 Traktoren, etwa 250 Pflüge, 15 Dreschmaschinen und weitere Hunderte Geräte und Maschinen für Hof und Feld sowie Fuhrwerke. Alle werden funktionsfähig gehalten. Themen des Museums, das jährlich etwa 15.000 Besucher hat, sind vor allem die Geschichte der Bodenbearbeitung, der Mechanisierung und der Getreideernte.

Die Museumssammlung umfasst auch etwa 1.000 historische Modelle von landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen, die vor allem aus der Hohenheimer Ackergerätefabrik stammen und zwischen 1819 und 1904 hergestellt wurden. Die Ackerfabrik war die älteste Landmaschinenfabrik Deutschlands.

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