27.12.2018
Spiritueller Impuls

Gebet und Meditation waren Dietrich Bonhoeffers Kraftquellen

Glaube, Liebe, Widerstand: Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer lebte diesen Dreiklang, der menschenverachtenden Ideologie der Nationalsozialisten zum Trotz. Am 9. April1945 wurde er deshalb im KZ Flossenbürg ermordet. Was Bonhoeffers Vermächtnis für heute ist, beschreibt Michael Lorenz.
quellentext bonhoeffer

Es gibt in der ganzen Weltgeschichte immer nur eine wirklich bedeutsame Stunde - die Gegenwart. Wer aus der Gegenwart flieht, flieht den Stunden Gottes.

Es ist nicht nötig, dass wir in der Meditation darum bemüht sind, in Worten zu denken und zu beten. Das schweigende Denken und Beten, das nur aus dem Hören kommt, kann oftmals förderlicher sein.

Immer wieder begegne ich Menschen, die dankbar sind, dass es in der Zeit des Nationalsozialismus den aufrechten Christ Dietrich Bonhoeffer gab. Sie nennen ihn "unseren evangelischen Heiligen". Ich teile diese Bewunderung und Faszination. Bei Bonhoeffer kann man spüren, wie Theologie und Leben sich gegenseitig durchdringen und eine Einheit werden. Eine Einheit von Kopf, Herz und Hand, die ich mir für mich auch wünschen würde. Sie ist Ausdruck von Glaubensreife und eines im Leben bewährten Vertrauens auf Gott.

Bonhoeffer stellte sich den Herausforderungen der Zeit

Ein Schlüssel zur Einheit von Glauben und Leben bei Bonhoeffer ist sein Leben in der Gegenwart. Er hatte vor vielen anderen ein klares Gespür dafür, was die Machtübernahme der Nazis bedeutete. Er wusste, dass er sich dieser Herausforderung seiner Gegenwart stellen musste, wenn er nicht vor Gott weglaufen wollte.

Zugleich spürte er, wie allgemein üblich die Flucht aus Gegenwart und Verantwortung in ethische Prinzipien, Ablenkung oder Resignation war. Die Kraft, die von seinen Worten und seinem Leben ausgeht, rührt daher, dass er den Herausforderungen seiner Gegenwart standhielt.

Einübung in die Gegenwart Gottes

Auf den ersten Blick erscheint Meditation als schweigendes Denken und Beten. Wir assoziieren sie eher mit Weltabgeschiedenheit hinter Klostermauern als mit den ethisch-politischen Herausforderungen unserer Gegenwart. Aber das ist für Bonhoeffer ein Missverständnis. Für ihn gehören die bedeutsamen Stunden der Weltgeschichte und das schweigende Beten zusammen, weil beides Einübung in die Gegenwart Gottes ist.

Gott schenkt Geistesgegenwart und er gibt den Glauben und die Liebe, zu tun, was an der Zeit ist.

Beides wäre ein Segen auch für uns heute.

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