8.05.2018
500 Jahre Reformation

Augsburg feiert auch 2018 ein Lutherjubiläum: Luther 2018

Nach dem Reformationsjahr 2017 steht Luther noch einmal im Mittelpunkt: In diesem Jahr jährt sich der Aufenthalt des Reformators in Augsburg zum 500. Mal. An die Geschehnisse von damals erinnern Stadt und evangelische Kirche mit einem eigenen Programm.
Lutherstatue in St. Anna in Augsburg
Ein "Lutherzwerg" des Künstlers Ottmar Hörl steht in der Kirche St. Anna in Augsburg: Im Jahr 1518 war der Reformator zwei Wochen lang in dem ehemaligen Karmelitenkloster zu Gast.

Wo genau Martin Luther Augsburg heimlich bei Nacht wieder verließ, ist bis heute nicht geklärt – ob es in der Nähe des heutigen Theaters war oder am »Gallusbergle« unweit der Kirche St. Stephan. Auch darüber, wer dem Reformator bei der Flucht geholfen hat, wird lediglich spekuliert. Sicher ist: Im Oktober 1518 weilte Luther in Augsburg, vor 500 Jahren also.

Das nehmen evangelische Kirche und Stadt zum Anlass, nach dem Reformationsjahr 2017 auch 2018 ein Luther-Jubiläumsjahr in Augsburg zu begehen. Mit Musik, Theater, thematischen Stadtführungen und einer Gesprächsreihe erinnern sie an Luthers Aufenthalt in der Reichsstadt: Damals übernachtete der Reformator zwei Wochen lang im Karmelitenkloster St. Anna. Wie es dazu kam: 

Rom wollte dem "Ketzer" Luther den Prozess machen

Luther musste beim Reichstag seine Thesen vor dem päpstlichen Kardinal Cajetan rechtfertigen. Im November 1517 hatte der Mönch seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel veröffentlicht. Von da an galt er für Rom als Ketzer, dem der Prozess gemacht werden sollte.

Im August 1518 schließlich erhielt Luther die Aufforderung, sich in Rom einzufinden. Das Ketzerverfahren gegen ihn war offiziell eingeleitet. Luthers Kurfürst jedoch erreichte, dass der Prozess nicht in Rom begann. Stattdessen sollte der Augustinermönch beim Reichstag in Augsburg vom römischen Kardinal Thomas de Vio – nach seiner Heimatstadt Gaeta »Cajetan« genannt – verhört werden. Luther sollte vor ihm seine Thesen widerrufen. So sollte die Autorität des Papsts gewahrt und der Ablasshandel weiter gesichert werden.

Am Ende schrien sich Luther und Cajetan an

Der Disput zwischen dem päpstlichen Gesandten und Luther dauerte mehrere Tage. Dabei ging es vor allem darum, welche Autorität für den Einzelnen bindend ist: die des Papstes oder die der Heiligen Schrift. Luther berief sich auf die Bibel: Er sei mit seinem Gewissen an sie gebunden.

Luther dürfte von Anfang an gewusst haben, dass ihm bei einer Verweigerung des Widerrufs die Festnahme und schließlich der Ketzertod drohte. Dennoch ließ er sich durch Cajetan nicht einschüchtern. Als der päpstliche Abgesandte am dritten Tag des Verhörs die Geduld verlor, forderte er ohne weitere Diskussion Luthers Widerruf. Die beiden Männer schrien sich daraufhin an, Luther belehrte Cajetan sogar in lateinischer Grammatik. »Geh und kehre nicht mehr zurück zu mir, außer dass du widerrufen willst«, rief ihm daraufhin der Kardinal zu. Um einer Festnahme zu entgehen, floh Luther in der Nacht vom 20. Oktober aus der Stadt.     

Nacherleben kann man die Ereignisse von damals im Museum Lutherstiege in der Kirche St. Anna. Dort gibt es auch auch eine Audioinstallation zum Verhör Luthers durch Cajetan.

250 Sänger gesucht

Höhepunkt von "Luther2018" in Augsburg soll die Aufführung des Pop-Oratoriums »Luther« am 1. November in der Augsburger Kongresshalle werden. Das Werk stammt aus der Feder von Komponist Dieter Falk und Texter Michael Kunze. Es erzählt im Musical-Sound die Lebensgeschichte des Reformators. Anlass für die Komposition war das 500. Reformationsfest 2017. Die größte Aufführung fand am Reformationstag in Berlin statt – mit über 4000 Sängern und 11.000 Zuschauern. Zur Aufführung an Allerheiligen in Augsburg können bis zu 1000 Besucher kommen. »Sie wird eher Theater-Charakter haben«, sagt Komponist Dieter Falk. Mit dabei sind die Original-Solisten und die Band, die auch die großen Aufführungen gestalteten. Für die Aufführung in Augsburg werden noch 250 Sänger gesucht. Anmelden kann man sich hier

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