15.03.2017
Bibelübersetzung in Bayreuther Mundart

Schöpfungsgeschichte auf "Bareiderisch"

Einmal in die Fußstapfen Martin Luthers treten – das können jetzt die Teilnehmer eines speziellen Mitmach-Angebots zum Reformationsjubiläum.
Sie begleiten das Projekt »Bibel auf Bareiderisch«: von links Eberhard Wagner und Pfarrer Hans Peetz (vorn), Horst Mayer von Radio Mainwelle und Pfarrer Hannes Schott (hinten).
Sie begleiten das Projekt »Bibel auf Bareiderisch«: von links Eberhard Wagner und Pfarrer Hans Peetz (vorn), Horst Mayer von Radio Mainwelle und Pfarrer Hannes Schott (hinten).

Unter der Überschrift "Die Leid aufs Maul gschaud" soll in den nächsten Monaten eine Bibelübersetzung in Bayreuther Mundart entstehen. Die geplante Dialektfassung ausgewählter Bibelstellen werde keine Angelegenheit "theologischer Profis" sein: "Wir hoffen auf eine möglichst breite Beteiligung von Leuten aus der Region", sagt der Bayreuther Pfarrer Hannes Schott als einer der Initiatoren. Voraussetzung seien weniger ein profundes Bibelwissen oder gar hebräische oder griechische Sprachkenntnisse. Die intensive Beschäftigung mit den Texten und mit dem heimatlichen Dialekt dürfe durchaus "auch Spaß machen", merkt der Pfarrer an.

Die Bayreuther Übersetzung soll sich möglichst an den Originaltext etwa der Lutherbibel halten. Was nicht ausschließt, dass manche Wörter oder Wendungen auch frei umformuliert werden können. "Jeder Dialekt ist ja eigentlich eine eigene Sprache, und jede Übersetzung ist auch eine Interpretation", weiß Pfarrer Hans Peetz, der mit seinem Amtsbruder Hannes Schott die Aktion begleitet.

Und dabei sind die Teilnehmer ausdrücklich ermutigt, so zu ­schreiben, "wie ihnen der Schnabel gewachsen ist": Darauf setzt auch der versierte Mundartforscher und -autor Eberhard Wagner, langjähriger wissenschaftlicher Bearbeiter des "Ostfränkischen Wörterbuchs" bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er sieht das Projekt auch als einen wertvollen Beitrag, Dialekte lebendig zu erhalten.

Inspirieren ließ sich das Bayreuther Team von dem Buch "Lukas auf Fränkisch", das der Bamberger Pfarrer Hartmut Preß gemeinsam mit 70 Co-Autoren im Jahr 2001 auf den Markt brachte. Preß, der Anfang Februar im Alter von 77 Jahren starb, hatte sich als "Mundartpfarrer" und mit einer Reihe von fränkischen Fassungen von Buchklassikern wie "Der kleine Prinz" oder des Markus-Evangeliums einen Namen gemacht.

Übersetzt werden jetzt in Bayreuth laut der Vorschlagsliste Teile aus dem 1. Buch Mose, darunter der Schöpfungsbericht, die Schilderung der Arche Noah und die Josefsgeschichte. Die Ergebnisse sollen bei einer öffentlichen Veranstaltung Anfang Oktober präsentiert werden.

In Zusammenarbeit mit Radio Mainwelle ist auch die Produktion einer CD geplant. Für den Bayreuther Lokalrundfunksender gehört die Pflege der Mundart schon seit Jahren zum Programm: Dort ist Pfarrer Hannes Schott regelmäßig mit seinen "G’schichten aus der Bibel auf Fränkisch" zu hören.

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