4.03.2021
Sendung mit der Maus

Der "Maus"-Zug bringt Segen

Ann-Sophie Hoepfner und ihr Mann Martin sind Pfarrer, sie wohnen in einem großen Pfarrhaus im Landkreis Nürnberg Land in Offenhausen. Dort planen sie den Geburtstag eines langjährigen Freundes.
Pfarrer Martin Hoepfner bei Video-Aufnahmen mit dem Sonderzug der Maus-Sendung
Pfarrer Martin Hoepfner bei Video-Aufnahmen mit dem Sonderzug der Maus-Sendung, der als Modellbahn durch die Kulisse fahren wird.

Interaktiver Geburtstagsgottesdienst

Den Freund kennt in Deutschland jedes Kind: Es ist die orangefarbene Maus mit den klappernden Augenlidern aus der "Sendung mit der Maus" (WDR). Die wird am 7. März 50 Jahre alt und die Hoepfners haben sich gedacht, sie gestalten dazu mal einen Online-Gottesdienst. Sie wollen das nicht allein tun und laden deshalb möglichst viele Menschen zum Mitmachen ein.

Maus, Elefant und Ente fahren mit

Martin Hoepfner hat in der vorigen Woche für den Gottesdienst gedreht. Er ist zu einem Modelleisenbahnclub gefahren, der eine riesige Anlage mit Bergen, Kirchen, einem Kanal und Tunneln aufgebaut hat. Der Pfarrer hat eine Videokamera auf ein Stativ gestellt und gefilmt wie ein Zug in einen idyllischen kleinen Bahnhof vor einer Bergkulisse einfährt. Winzige Menschen stehen am Gleis und winken dem "Maus"-Zug zu. Der besteht aus der Lok mit dem roten Dach und drei Waggons. Der vorderste ist bemalt mit der Maus, der nächste mit dem Elefanten und der letzte mit der Ente. Dieser Zug soll der roten Faden im Online-Gottesdienst zum Thema Segen sein, verrät Hoepfner. "Er wird von Segensort zu Segensort fahren."

Langjährige Maus-Fans

Der heute 38-Jährige hat selbst als Kind die "Maus"-Sendungen gern gesehen und schaut sie heute noch. Gut erinnern kann er sich an die Sachgeschichte, in der er erfahren hat, warum die Alufolie eine matte und eine glänzende Seite besitzt und "es völlig wurscht ist, wie rum man die Sachen einpackt". Fasziniert ist er davon, dass sich die Kinderserie nicht vor schweren Themen scheut. Er denkt dabei an eine Sendung über das Sterben, in der es um den Tod des imaginären Zwillingsbruders von Armin geht.

"Die Maus stellt sich auch den schwierigen Fragen, das könnten wir alle von ihr lernen", so Hoepfner.

Seine Frau Ann-Sophie hat auch gebannt die Sendungen angesehen. Ihr hat die Maus beigebracht, "dass man Fragen stellen soll und sich Sachen erklären lassen soll". Zu ihren Lieblingsfolgen gehören die mit dem Astronauten Alexander Gerst, als der Publikumsfragen aus dem All beantwortete.

Kirche und Kinderfernsehen

Als sie klein war, erinnert sich die 33-Jährige, ging es immer zuerst zum Kindergottesdienst und anschließend durfte man auf dem Sofa im Wohnzimmer die Maus ansehen. Nachgelesen hat sie, dass die Kirche Anfang der 1970er Jahre die Sendung wegen des Sendetermins am Sonntagvormittag, also zur Gottesdienstzeit, kritisierte. Man fürchtete Konkurrenz für den Gottesdienst.

Video-Gottesdienst für alle

Die Kirche und das Kinderfernsehen sind mittlerweile versöhnt. Man kann die "Maus" in der Mediathek angucken und Gottesdienste finden in Corona-Zeiten oft gar nicht live statt, sondern als Video. So wie der geplante Geburtstagsgottesdienst aus Offenhausen. In dem Video kann jedes Kind, kann jeder Erwachsene vorkommen, der das Lied "Wie schön, dass du geboren bist" singt, "am besten alle drei Strophe", sagt Pfarrer Hoepfner.

Er will die Sängerinnen und Sänger, "egal woher sie sind und egal welcher Religion sie angehören", die ihm bis Ende Februar Dateien schicken, zu dem kompletten Lied zusammenschneiden. Einer hat sein Video schon an die Gemeinde gesandt: der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, freuen sich die Hoepfners.

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