Friedberg, München (epd). Kirche darf nach Ansicht der Synoden-Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, durchaus politisch sein. "Ich habe keine Angst davor, aus meinem Glauben auch konkrete Positionen abzuleiten", sagte sie am Mittwochabend in der Sendung "jetzt red i" des BR-Fernsehens in Friedberg (Kreis Aichach-Friedberg). Der christliche Glaube sei nichts Bequemes, "nichts, wo ich mich einheimeln kann", sondern auch Reflexionsgegenstand und Auftrag.
Darum seien auch "die Sachen, die wir in unseren Diskursen daraus ableiten, nicht immer bequem für alle", sagte Heinrich auf die Frage, ob Kirche zu politisch sein könne, im BR-Fernsehen. Doch genau darin liege der "Schatz des Evangeliums: dass da so viel drin ist, was uns immer wieder an die wichtigen Kernpunkte gerade auch unseres Zusammenlebens bringt und sagt: Das sind die Themen, um die wir ringen müssen".
Heinrich besucht auch das katholische Abendmahl
Sie besuche regelmäßig auch Gottesdienste anderer christlicher Konfessionen, sagte Heinrich: "Ich gehe zu den Methodisten, den Baptisten, auch zu noch freieren Gemeinschaften, um zu lernen." Zudem gehe sie zur katholischen Eucharistie, was jeder tun dürfe, der mit vollem Herzen komme - "auch im Dom zu Regensburg".
Kirche sei kein Selbstzweck, betonte die 29-Jährige, die nach eigener Aussage aus einem nicht-christlichen Elternhaus stammt. Ihr eigener Glaube sei überhaupt erst gewachsen, weil die evangelische Kirche am Ort es sich zur Aufgabe gemacht habe, kirchenferne junge Menschen anzusprechen. Glaube verlange danach, in Gemeinschaft gelebt zu werden, die biblischen Geschichten zu teilen.
In religiöse Bildung von Kindern investieren
Heinrich plädierte dafür, in religiöse Bildung in Schulen und Kindergärten zu investieren, "um erste Berührungspunkte mit dem Glauben überhaupt zu ermöglichen". Zuhause erlebten viele Kinder das nicht mehr, weil die religiöse Sozialisation durch die Familien seit Jahrzehnten abnehme. Um Religionsunterricht weiterzuentwickeln, gelte es zu verstehen, dass viele Kinder heute nicht mehr mit den Grundvoraussetzungen kämen.
Ihr Wort zu Ostern sei: "Ich freue mich darauf, am Ostertag sagen zu können: Er ist wahrhaftig auferstanden", sagte Heinrich. Christus habe es überwunden, habe die Despoten und die Diktatoren überwunden - "er hat gezeigt: Das ganz Schwache kann auch ganz mächtig sein."
Heinrich war gemeinsam mit dem Münchner katholischen Pfarrer Rainer Maria Schießler in der BR-Sendung "jetzt red i" zu Gast. 2021 war sie mit 25 Jahren in eines der höchsten Ämter der EKD gewählt worden. Vor ihr hatten die Politikerinnen Irmgard Schwaetzer und Katrin Göring-Eckardt das Amt der EKD-Präses inne.