Evangelische Kirche
Vor 500 Jahren war Beratzhausen ein Hotspot der Reformation. 1521, noch vor Regensburg, führte das Rittergeschlecht der Staufer zu Ehrenfels dort das Luthertum ein und installierte eine der ersten evangelischen Gemeinden im Deutschen Reich. Vor allem eine Frau wurde berühmt für ihren Kampf für religiöse Toleranz.
Die Kirche in Beratzhausen, umgeben von Häusern
Die Kirche in Beratzhausen

Die Anfänge des Luthertums in der Oberpfalz konzentrieren sich auf Beratzhausen: Bereits Anfang der 1520er-Jahre pilgerten Städter aus Regensburg in den ländlichen Ort. Ein Prediger namens Johannes las dort die evangelischen Schriften und teilte das Abendmahl in Brot und Wein aus, wie der Prediger Sigmund Donauer in seiner Chronik berichtete. Angestellt war er vom Reichsfreiherrn Bernhardin von Stauf, der damals schon evangelisch war und zu den frühesten Anhängern Luthers in der Oberpfalz gehörte. Das war erst wenige Jahre nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg (1517). Die Reichsstadt Regensburg bekannte sich erst 1542 offiziell zum Luthertum.

Zwar gab es damals noch keine Trennlinie zwischen Protestanten und Katholiken, es existierte ja keine evangelische Kirche. "Es gab nur hie und da Priester, die Luthers Schriften in seinem Sinn lasen und predigten. Bemerkenswert sind die frühzeitigen Anfänge in der Oberpfalz dennoch", sagt Archivarin Christine Gottfriedsen.

Wegbereiter der Entwicklung war das Rittergeschlecht der Staufer zu Ehrenfels. Mitglieder der Familie unterstützten in den folgenden Jahrzehnten die Verbreitung der neuen Lehre. Vor allem die Staufertochter Argula von Grumbach wurde berühmt in ihrem Kampf für religiöse Toleranz.

Wer war Argula von Grumbach?

Argula wurde 1492 in Beratzhausen als Tochter des Reichsfreiherrn Bernhardin von Stauf auf der Burg Ehrenfels geboren. Mit zehn Jahren rühmte sie sich, eine deutsche Ausgabe der Bibel gelesen zu haben. Nach einer Tätigkeit als Hofdame am Herzogshof in München und dem frühen Tod ihrer Eltern durch die Pest heiratete sie Friedrich von Grumbach. Dieser hatte in Dietfurt eine Stelle als Landpfleger vom Herzog erhalten. Argula korrespondierte mit vielen Reformatoren, darunter Spalatin, Osiander - und auch Martin Luther.

Historiker zeichnen von ihr das Bild einer bemerkenswerten, mutigen jungen Frau: Als ein Gelehrter in Ingolstadt, Arsacius Seehofer, zum Widerruf der neuen protestantischen Lehre gezwungen wurde, schrieb sie 1523 Briefe an die Universität Ingolstadt und an den Herzog. Sie bot an, mit den Professoren zu diskutieren - ungewöhnlich selbstbewusst für eine Frau der damaligen Zeit. Diese Schriften wurden später als Flugschriften in hoher Auflage verbreitet. Argula wurde eine der ersten Autorinnen des Protestantismus. Und der Stauferhof in Beratzhausen entwickelte sich bald zur Keimzelle des evangelischen Glaubens.

Pilgerreise nach Beratzhausen

Dass die Bürger aus der Stadt nach Beratzhausen pilgerten, wird beim Chronisten Donauer zum ersten Mal für 1523 überliefert. 1526 sollen schon "viele Männer und Frauen" hinausgefahren und gegangen sein, um "daselbst das Sacrament unter zweierlei Gestalt" zu empfangen.

Eine Strecke von 30 Kilometern musste dafür zu Fuß zurückgelegt werden, sagt Pfarrerin Sibylle Thürmel. Heuer am 15. Oktober erinnern die Kirchengemeinden Nittendorf-Hemau und Regensburg gemeinsam an das 500. Reformationsjahr. Auftakt ist in der Dreieinigkeitskirche in Regensburg. Dabei soll es auch einen Reisesegen geben; denn tags darauf (16. Oktober) geht es auf den Spuren der frühen Reformationsanhänger nach Beratzhausen. Zunächst mit dem Zug vom Hauptbahnhof nach Laaber, von dort weiter zu Fuß durch das Labertal. Bei gutem Wetter wird das Abendmahl an der Burg Ehrenfels gefeiert, bei schlechtem in der Erlöserkirche Beratzhausen, die heuer ihr 50-jähriges Bestehen begeht, erläutert Thürmel. Der Festgottesdienst ist am 3. Oktober.

Längst hatten die Römischgesinnten den Priester, der vor 500 Jahren in Beratzhausen Luthers Schriften predigte, verhaftet. Die Staufer setzten wieder Priester auf ihrem Territorium ein. Einer der Nachfolger war dann auch dabei, als in Regensburg am 15. Oktober 1542 in der Neupfarrkirche zum ersten Mal das Abendmahl in beiderlei Gestalt ausgegeben wurde.

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