Regensburg (epd). Die finanzielle Lage ist bei vielen Sozialunternehmen angespannt - auch beim Werkhof in Regensburg. Seit 2002 bezahlt der Inklusionsbetrieb seine Mitarbeitenden nach einer Haustarifvereinbarung. Die Gewerkschaft Verdi hat dies jetzt in einem Schreiben kritisiert. Vom Träger und den Gesellschaftern des "Werkhof Regensburg" fordert sie eine Rückkehr zu "verlässlichen kirchlich-diakonischen Arbeitsbedingungen" und warnt vor einer Tarifflucht, heißt in dem kürzlich veröffentlichten Schreiben. Träger und Gesellschafter des Werkhofs, ein gemeinnütziges Unternehmen von Diakonie und evangelischer Kirche in Regensburg, weisen die Vorwürfe zurück.

110 Mitarbeitende arbeiten derzeit in dem Integrationsbetrieb. Menschen mit körperlichen oder seelischen Einschränkungen, die lange Zeit arbeitslos waren, lernen dort, wieder einer Beschäftigung nachzugehen. Verdi wies darauf hin, dass sich die damalige Vertretung der Mitarbeitenden bereits vor eineinhalb Jahren an die Geschäftsführung gewandt habe. Bemängelt wurden demnach "Verunsicherung durch Kündigungen, intransparente Eingruppierungen, ungleiche Behandlung vergleichbarer Tätigkeiten sowie die fehlende oder unzureichende Umsetzung diakonischer Schutz- und Präventionsstandards".

Gewerkschaft kritisiert falschen Weg bei Tarifpolitik

Mittlerweile gibt es einen neuen Geschäftsführer. Verdi räumte zwar ein, dass durch diesen Wechsel "einzelne Missstände angegangen und Verbesserungen erreicht wurden". Bei der Tarifpolitik werde dennoch der falsche Weg eingeschlagen, sagte Verdi-Fachsekretär Heinz Neff: "Ein unrechtmäßiges Vergütungssystem existiert weiterhin." Der Werkhof habe sich von den gültigen Tarifrichtlinien des Diakonischen Werks in Bayern verabschiedet. Neff warnte vor dem Versuch, "einen Niedrigtarifvertrag oder einen Tarifvertrag ohne betriebliche Verankerung als Ersatz für die Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie (AVR) zu konstruieren".

Der Werkhof leiste wichtige Arbeit. Deshalb sei es nicht hinnehmbar, wenn in einem Unternehmen in Trägerschaft von Kirche und Diakonie der Eindruck entstehe, Beschäftigungsrechte oder tarifliche Verlässlichkeit würden "vor allem als Kostenproblem" behandelt, erläuterte Neff. So würden Gehälter ohne Zusatz- und Sonderleistungen gezahlt, was etwa bei Sozialpädagogen bis zu einem Drittel weniger Gehalt ausmache. Sollte die neue Geschäftsführung finanzielle Schwierigkeiten geltend machen, "erwarten wir einen transparenten, überprüfbaren Stufenplan - nicht den Ausstieg aus der Verantwortung", sagte Neff.

Bereits seit Anfang 2025 Gespräche zur Vergütung

In einem offenen Schreiben haben Träger und Gesellschafter die Vorwürfe jetzt zurückgewiesen. In der Tat habe es Anfang 2025 Gespräche zur hausinternen Vergütungsstruktur gegeben. Weil die damalige Geschäftsführerin aber kurz vor dem Ruhestand stand, habe es keine Entscheidungen mehr gegeben. Die Mitarbeitendenvertretung (MAV) habe die bestehende Haustarifvereinbarung deswegen zum 30. Juni 2026 gekündigt. Zum Sachstand wollte sich die neue MAV-Vorsitzende Elisabeth Richter nicht äußern. "Ich verweise auf die Stellungnahme vom Werkhof", sagte sie.

Seit diesen ersten Gesprächen zur Vergütungsstruktur habe es zunächst einen Interimsgeschäftsführer und seit Anfang des Jahres einen neuen Geschäftsführer gegeben, heißt es im Schreiben des Werkhofs. Die angesprochenen Missstände seien danach zeitnah Stück für Stück abgearbeitet und zahlreiche Investitionen getätigt worden, führte Diakonie-Vorstand Michael Reil aus. Reil war zeitweise auch als Interimsgeschäftsführer tätig. Die geschilderten Entwicklungen seien deswegen zum Teil zwei Jahre alt, überholt und bezögen sich auf einen alten Sachstand. "Das Vorgehen von Verdi ist nicht zielführend und der Versuch, Öl in Feuer zu gießen, das nicht brennt", sagte Reil.

Vollmitgliedschaft gekündigt - Rückkehr zum Tarifsystem AVR geplant

Der neue Werkhof-Geschäftsführer Peter Astashenko bestätigte unterdessen, dass die Einrichtung ihre Vollmitgliedschaft im Diakonischen Werk (DW) Bayern vorerst aufgibt und dort ab 1. Januar 2027 Gastmitglied sein werde. Andernfalls müsste sie den Tarifvertrag "AVR-Diakonie Bayern" voll umsetzen, sieht sich dazu in wirtschaftlicher Hinsicht aber nicht in der Lage, erklärte Astashenko.

"Bei aktuell über 110 Mitarbeitenden würde eine sofortige Anwendung der Diakonie-AVR eine Mehrbelastung von über 600.000 Euro bedeuten oder einen Sanierungsplan, der zwei Drittel der Stellen kosten würde", sagte der Geschäftsführer. Die Forderung der Gewerkschaft hätte ihm zufolge entweder die Insolvenz oder die Entlassung von mehr als 60 Mitarbeitenden zur Folge.

Durch den Austritt werde nun Zeit gewonnen, "um den Weg hin zum AVR zu gehen". Bis dahin soll ein neuer Haustarifvertrag gelten, der den Mitarbeitern "Sicherheit und gute Bezahlung" gewährleisten soll. Dieser werde derzeit mit einer anderen Gewerkschaft ausgehandelt. Mit einer Rückkehr in das Tarifsystem des Diakonischen Werks Bayern rechnet Astashenko in vier bis sieben Jahren.