München (epd). In der Debatte um die Rückkehr von Syrern hält Migrationsforscher Daniel Thym eine große Rückkehrwelle für unwahrscheinlich. Ein Faktor sei die Dauer des Bürgerkriegs: "Je länger ein Konflikt dauert, desto geringer ist die Rückkehrwahrscheinlichkeit", sagte der Forscher der Universität Konstanz den Zeitungen der Mediengruppe Bayern (Mittwochsausgabe). Zudem hätten Geflüchtete in Deutschland heute bessere Lebensbedingungen als beispielsweise Geflüchtete während der Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren. Auch die räumliche Nähe spiele eine Rolle: Rückkehr gebe es meist nur aus nahegelegenen Ländern, zum Beispiel aus der Türkei nach Syrien.

Thym forderte eine differenzierte Debatte über Rückkehranreize: "Syrer mit deutschem Pass und Arbeitskräfte, die ohne Sozialleistungen vom eigenen Verdienst leben, dürfen bleiben." Aus Flüchtlingen seien in diesen Fällen Einwanderer geworden. Bei allen anderen müsse man unterscheiden zwischen verfolgten Personen, die ihren Schutzstatus behielten, und anderen, die man abschieben könne. Allerdings seien die Verfahren "sehr langwierig und Abschiebungen im großen Stil praktisch illusorisch". Nötig sei stattdessen "ein Gesamtpaket mit Anreizen wie finanzielle Wiederaufbauhilfen, aber auch Sanktionsdrohungen wie die Gefahr der Abschiebung oder ein Verlust des Schutzstatus".

Quote von 80 Prozent längst relativiert

Seit dem Treffen von Bundeskanzler Merz mit dem syrischen Übergangspräsidenten Al-Scharaa vor wenigen Tagen ist eine Diskussion über die Rückkehr syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge entbrannt. Eine Zielmarke von 80 Prozent hatte Merz nach der Pressekonferenz wieder relativiert: Die Zahl habe Al-Scharaa genannt.