Nürnberg (epd). Der Verein Dialog & Bildung in Nürnberg hat für den kommenden Ramadan (18. Februar bis 19. März) das Projekt "Offenes Iftar - Dialog-Tische in ganz Bayern" gestartet. Wie Kadir Demirbolat, einer der Initiatoren, dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte, lädt man alle Interessierten zu einem Fastenbrechen (Iftar) ein. Ziel der Initiative sei es, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Weltanschauung an den Offenen Iftar-Tischen zusammenzubringen. Auf der Homepage www.ramadan.bayern/ steht ein Teilnahme-Formular, mit dem sich Interessierte für einen der angebotenen Tische anmelden können. Auf der Seite können sich auch die Gastgeber registrieren.
"Es ist normal, dass man Freunde, Nachbarn, Familie oder Arbeitskollegen während des Ramadans zum Fastenbrechen einlädt", sagt Demirbolat, der in Erlangen wohnt. Der Kalender für diese Wochen, den seine Frau führe, sei bereits zur Hälfte gefüllt. Nun kommen noch die Abende mit Gästen hinzu, die die Demirbolats bis jetzt nicht kennen, weil sie sich über das Internet anmelden. Er habe keine Bedenken, dass er sich mit diesen Leuten nicht verstehen werde, sagt der Ingenieur. "Ich habe erfahren, der Mensch ist meistens gut", sagt er. Er freue sich, neue Lebensweisheiten und neue Ideen der Menschen kennenzulernen. Er selbst gehe gelegentlich auch in eine Kirche, berichtet er, "denn wir haben viele Gemeinsamkeiten und unser Stamm ist gleich".
Demirbolat weist darauf hin, dass die nicht-muslimischen Gäste nicht fasten müssten. Auch nicht jeder Muslim würde fasten, erklärt er. Die Gründe könnten gesundheitliche sein, aber auch Frauen, die schwanger sind oder Personen, die eine schwere Arbeit verrichten, hielten sich nicht an die Fastenzeit. "Jeder hat da seine eigene Denkweise", sagt der gebürtige Türke.
"Eine menschliche Einladung"
Wer sich bei den Offenen Iftar-Tischen anmeldet, wird gefragt, ob Nürnberg, Fürth, Erlangen, Bamberg oder ein anderer Ort infrage kommt, mit wie vielen Personen er oder sie kommt, an welchem Tag im Ramadan er Zeit hätte. Abgefragt wird für die Zusammenstellung der Tische auch, welche Sprachen man spricht und welche Essensvorlieben man hat. Danach organisiert der Verein eine Gastfamilie in der Region, die sich beim Gast für eine erste Kontaktaufnahme meldet. Im Internet versichert der Verein, das Angebot sei "keine religiöse, sondern eine menschliche Einladung".
Gläubige Muslime fasten nach dem Vorbild des Propheten Mohammed im Ramadan von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Sie verzichten auf Essen und Trinken oder das Rauchen, sollen sich negativer Gedanken enthalten, aber das tägliche Leben gewohnt fortsetzen. Das Iftar-Mahl beendet das tägliche Fasten. Es soll mit Freunden, der Familie oder Bedürftigen eingenommen werden.