Neumarkt (epd). Gegen den im Dekanat Neumarkt suspendierten evangelischen Pfarrer liegt jetzt eine Strafanzeige wegen des Verdachts eines sexuellen Übergriffs vor. Gegen den Theologen werde inzwischen ermittelt, sagte eine Oberstaatsanwältin auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Ob eine Straftat vorliegt, ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch offen.
Laut Staatsanwaltschaft soll der Pfarrer sexuelle Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person vorgenommen haben. Zu den konkreten Vorwürfen und den Hintergründen der Anzeige machte die Behörde zunächst keine weiteren Angaben. Bis zum Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.
Landeskirche hatte Pfarrer suspendiert
Die bayerische Landeskirche hatte den Pfarrer Mitte Juli vorläufig des Dienstes enthoben. Das Disziplinarverfahren sei durch eine Anzeige "von außerhalb der Kirche" angestoßen worden, teilte die Landeskirche mit. Damit wies sie Vorwürfe zurück, die Kirchenleitung selbst habe das Verfahren gegen den Pfarrer eingeleitet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lag zum damaligen Zeitpunkt kein aktuelles Verfahren gegen den Pfarrer vor.
Die Suspendierung hatte in der Kirchengemeinde für erhebliche Kritik gesorgt. Dabei ging es unter anderem um die Verhältnismäßigkeit der vorläufigen Dienstenthebung sowie um die Persönlichkeitsrechte des Pfarrers.
Kritik an Nennung des Namens
Besonders umstritten war, dass die Kirchenleitung den Klarnamen des Pfarrers genannt hatte. Kirchenmitglieder kritisierten, dies könne einer Vorverurteilung gleichkommen. Bei einem öffentlichen Gespräch stellte sich die Kirchenleitung der Kritik.
Ob die Nennung des Klarnamens gegen datenschutzrechtliche Vorgaben verstieß, wird derzeit von der Datenschutzstelle der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geprüft.