Ulm (epd). Der Kölner Dom kann touristisch nur noch gegen zwölf Euro Eintritt besucht werden, auch die Sagrada Família in Barcelona, die Westminster Abbey und die St Paul’s Cathedral in London kosten Eintritt. In einem Debattenbeitrag für die Website der Evangelischen Landeskirche in Württemberg spricht sich der Ulmer Münsterpfarrer Peter Schaal-Ahlers klar dagegen aus, für Kirchen Eintritt zu verlangen.
"Kirchen waren nie als exklusive Räume gedacht", schreibt Schaal-Ahlers. "Sie waren Zufluchtsorte, Orte des Gebets, der Begegnung und der Hoffnung. Ihre Türen standen offen für Reiche und Arme, Einheimische und Fremde, Glaubende und Zweifelnde. Wer kam, durfte eintreten." Dieses Verständnis habe die christliche Kultur Europas über Jahrhunderte geprägt. Die offene Tür gehöre zum Wesen einer Kirche.
Trennung zwischen "Touristen" und "Betenden" fragwürdig
Eine Trennung zwischen "Touristen" und "Betenden" sei inhaltlich fragwürdig oder willkürlich und manchmal auch peinlich. "Nicht wenige Besucher kommen als Touristen und verlassen die Kirche als Nachdenkliche. Mancher betritt sie aus Neugier und findet einen Moment des Gebets." Eintrittsgebühren veränderten die Atmosphäre. "Aus einer offenen Kirche ist ein kontrollierter Raum geworden. Die Schwelle zwischen Sakralraum und Sehenswürdigkeit hat sich ungut verschoben."
Zugangsbeschränkungen, so Schaal-Ahlers weiter, müssten nicht zwangsläufig über Kassenhäuschen erfolgen. Im Petersdom in Rom würden große Menschenmengen durch Sicherheitskontrollen, Besucherlenkung und klare Wegeführung organisiert - ohne Eintritt. "Familien mit mehreren Kindern, Schulklassen, Menschen mit geringem Einkommen oder Reisende mit knappem Budget überlegen sich zweimal, ob sie einen solchen Betrag bezahlen."
Besser freiwillige Spenden
Kirchen erinnern für Schaal-Ahlers daran, "dass das Wesentliche im Leben nicht gekauft werden kann: Liebe, Hoffnung, Vertrauen, Trost, Vergebung und Glauben." Ein Sakralraum verweise auf die Gegenwart Gottes. Weil Gott unverfügbar ist, schreibt er, solle auch der Zugang zu diesem Raum nicht von einer finanziellen Gegenleistung abhängen. "Eine Kirche ist kein Produkt und Besucher sind keine Kunden." Eine gute Alternative seien freiwillige Spenden: "Sie ermöglichen Solidarität, ohne Zugangshürden zu schaffen."