Augsburg (epd). Das bundesweit als Asyl-Vorzeigeprojekt bekannt gewordene Augsburger "Grandhotel Cosmopolis" steckt vor allem wegen des seit Jahren ruhenden Hotelbetriebs in finanziellen Schwierigkeiten. "Wir haben daher einen Spendenaufruf gestartet", sagte Nubia Aileen Reuter vom neuen Grandhotel-Vorstand, der seit Mitte Dezember 2024 im Amt ist, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ein Kassensturz habe ergeben, dass man mit dem vorhandenen Geld auf dem Konto den Betrieb nur noch drei Monate aufrechterhalten könne. Die monatlichen Fixkosten - also vor allem Miete und Personalkosten - liegen bei rund 20.000 Euro, das monatliche Minus betrage zwischen 5.000 und 10.000 Euro, sagte Ralf Lösch, der bereits im alten Vorstand Mitglied war.

Das Spendenziel liege bei 80.000 Euro, eingegangen seien bislang 17.000 Euro. Das Konzept des 2013 gegründeten Grandhotels sieht vor, dass Geflüchtete, Künstler und Hotelgäste unter einem Dach wohnen - eine bis dahin bundesweit einmalige Idee zur Integration von Geflüchteten, für die das Grandhotel, das auch ein Café und Kulturevents anbietet, mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Unterstützt wird das Grandhotel von der Diakonie Augsburg, der das Gebäude gehört. Ein Teil des Gebäudes wird an das Grandhotel vermietet, der andere Teil an die Regierung von Schwaben, die dort Geflüchtete unterbringt. Laut Reuter wohnen dort derzeit knapp 60 Geflüchtete.

Die finanzielle Schieflage sei noch eine Folge der Corona-Pandemie, als Hotels ihren Betrieb einstellen mussten, sagte Reuter. Damit sei auch die wichtigste Einnahmequelle weggefallen. Als Alternative vermiete man derzeit die einstigen Hotelzimmer als Ateliers an Kunstschaffende, was aber deutlich weniger Geld abwerfe. Oberste Priorität sei laut dem Ende Januar mithilfe von externen Experten vorgelegten Sanierungsplan, den Hotelbetrieb wieder aufzunehmen, sagte Reuter. Derzeit gebe es zwölf festangestellte Mitarbeitende, deren Gehälter gezahlt werden müssen. Dazu kämen 19 Ehrenamtliche, unter ihnen die fünf Vorstandsmitglieder, die jeweils für ein Jahr gewählt sind. Gesucht würden noch Ehrenamtliche mit Know-how, wie etwa zu IT, Buchhaltung, Kultur, Handwerk oder Personalwesen.