Im Herzen von Augsburg-Hochzoll feiert eine besondere Institution ihr 50-jähriges Bestehen: die Evangelische Bücherei. Leiterin Margit Schmidt und ihrer Vorgängerin Gisela Dierolf über die Geschichte, die Merkmale und die Unverzichtbarkeit dieser ehrenamtlich geführten Einrichtung.

In der Bücherei kümmert sich ein Team von 13 Mitgliedern um die Aufgaben. Ein prägendes Merkmal der Bücherei ist ihre völlige Kostenfreiheit für die Nutzer. 95 Prozent der Romane und Krimis werden gespendet.

Ein Großteil der neuen Bücher wird aus dem Erlös des jährlichen Bücherflohmarkts finanziert. Der letzte Flohmarkt erbrachte knapp 700 Euro. Die Bücher für den Flohmarkt werden in einer Garage der Pfarrgemeinde gelagert, deren Organisation Gisela Dierolfs Mann übernommen hat, der sich hierbei als "Fachlagerist" bewährt hat.

Die Evangelische Bücherei Hochzoll ist vor allem eines: eine Bücherei für Kinder. Stolze 77 Prozent der Kundschaft sind Kinder und Jugendliche. "Die Bibliothek ist ein Segen für Familien, da Kinderbücher, besonders Bilderbücher, teuer sind und oft nur kurz angeschaut werden", sagt Dierolf. Die Möglichkeit, Bücher auszuleihen und immer wieder neue zu entdecken, sei daher für viele Familien entscheidend.

Die Bücherei pflegt eine enge Zusammenarbeit mit dem Kindergarten der Auferstehungskirche, der sogar einen eigenen Öffnungstag in der Bücherei hat. Für die Erwachsenen sind es oft jüngere Leser, die Romane und Krimis ausleihen, darunter viele Eltern, die mit ihren Kindern kommen.

Von Belletristik bis Tonie-Figuren

Das Medienangebot ist breit gefächert und umfasst Belletristik, eine große Auswahl an Kinder- büchern sowie religiöse Literatur.
Der Gesamtbestand umfasste Ende letzten Jahres 4152 Medien. Neben Büchern bietet die Bücherei auch Hörbücher (CDs), DVDs und Spiele an, wobei Brettspiele eine neue Ergänzung sind. Seit einigen Monaten sind auch Mangas und Comics im Angebot. Aktuell wird ein Testlauf mit Tonie-Figuren durchgeführt, die als nahezu "unkaputtbar" gelten und somit einen Vorteil gegenüber CDs oder Kassetten bieten, die früher ausgeliehen wurden.

Ursprünglich war die Bücherei auf der gegenüberliegenden Straßenseite angesiedelt – im Keller des Kindergartens der Auferstehungskirche. Die Bücherei musste 2017 aus diesen Räumen der Kirchengemeinde ausziehen, damit beim Kindergartenumbau Zuschüsse bewilligt wurden. Der damalige Pfarrer setzte sich dafür ein, dass die Bücherei in das leer stehende Gebäude der ehemaligen Sozialstation umziehen konnte, das früher Gruppenräume für Therapien und Ähnliches beherbergte.

Das heutige Gebäude gehört der Diakonie, ist aber in Erbpacht an einen evangelischen Verein gegeben, der es wiederum an die Kirchengemeinde vermietet. Die Miete für die Bücherei übernimmt die Pfarrgemeinde. Der Mietzins ist relativ günstig und bis 2036 festgelegt.

Im Stadtteil Hochzoll gibt es weitere Büchereien, darunter katholische Einrichtungen (Apostelkirche, Heilig Geist) und eine evangelische Bücherei von St. Matthäus, sowie den städtischen Bücherbus. Obwohl es eine hohe Dichte an konfessionell geprägten Büchereien gibt, sehen sich die Verantwortlichen der Evangelischen Bücherei nicht als Konkurrenz, insbesondere nicht für Familien mit kleinen Kindern.

Die Evangelische Bücherei Hochzoll ist ein gelungenes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement und einer kostenlosen Bildungseinrichtung in der Gemeinde. "Gäbe es uns nicht, würde vor allem den Kindern im Stadtteil etwas fehlen", meint Margit Schmidt.

Einladend: die Bücherei von außen.
Einladend: die Bücherei von außen.