Abdel-Hakim Ourghi ist in Algerien geboren und aufgewachsen. Mit 23 Jahren, seinen Studienabschluss in Philosophie in der Tasche, kam Abdel-Hakim Ourghi nach Deutschland – "als indoktrinierter Antisemit", wie er selbst sagt: "Ich hasste Juden und den Staat Israel. Nur ein Grundsatz galt für mich: Die Juden sind die Täter, und die Muslime sind die Opfer. Schuld an der Misere der Muslime in der ganzen Welt, so dachte ich, tragen die Juden." Warum er das glaubte, und was sich seither verändert hat, berichtet er in dieser Ausgabe des Podcasts MitMensch.

Säkular-liberaler Islam

Seit 2011 leitet Abdel-Hakim Ourghi den Fachbereich Islamische Theologie / Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Er gehört zu den Erstunterzeichnern der Freiburger Deklaration säkularer Muslime aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, er ist Mitbegründer der säkular-liberalen Ibn-Ruschd-Goethe-Moschee in Berlin, die sich um eine zeitgemäße und geschlechtergerechte Auslegung der kanonischen Quellen des Islam, also von Koran und der Prophetentradition bemüht.

Scharfe Kritik an Verbänden

Abdel-Hakim Ourghi ist ein scharfer Kritiker der islamischen Dachverbände in Deutschland: Er fordert die Kontrolle der ausländischen Finanzierung von Moscheevereinen und Stiftungen sowie den Stopp des Imports von Imamen aus dem Ausland. Er fordert eine historisch-kritische Lesart des Korans, die Unterscheidung zwischen den friedlichen Suren, die in Mekka entstanden, und dem politischen Islam von Medina. Gerade diese ab 622 entstandenen Koransuren dienen heute zur Legitimation von Mord und Totschlag im Namen des Islam.

Aufklärung und Islam

Ourghi hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. 2017 hat der Islamwissenschaftler mit dem Buch "Reform des Islam: 40 Thesen" für Aufsehen gesorgt, als er seine Thesen für eine muslimische Aufklärung an die Tür einer konservativen Berliner Moschee mit Verbindungen zur Muslimbruderschaft anschlug. 2018 erschien "Ihr müsst kein Kopftuch tragen!: Aufklären statt Verschleiern" und 2023 das, wie wir finden, überaus informative und lesenswerte Buch "Die Juden im Koran – Ein Zerrbild mit fatalen Folgen." Dann kam der 7. Oktober – und nun hat Abdel-Hakim Ourghi das vielleicht erste deutschsprachige, von einem Muslim verfasste Buch über das Massaker und seine Folgen geschrieben.

Woher kommt der muslimische Judenhass?

Die Hamas-Terroristen vergewaltigten am 7. Oktober 2023 Frauen, nahmen Babys und Greise als Geiseln, sie folterten und mordeten – es war ein Angriff, dessen Grausamkeit sprachlos macht. Und die Terroristen der Hisbollah planten, Ähnliches im Norden Israels zu wiederholen. Woher kommt die offen gezeigte Lust am Leid des Feindes? Was sind die Wurzeln und die Wirkungen des muslimischen Juden- und Israelhasses? Darüber und mehr spricht Abdel-Hakim Ourghi im Podcasts MitMensch mit Markus Springer.