Am 8. März ist in Bayern Kommunalwahl. Wir sprechen mit Kommunalpolitiker:innen aus Bayern, die mindestens eine Sache gemeinsam haben: Sie fühlen sich dem christlichen Glauben verbunden.
Zum Auftakt lest ihr das Gespräch mit Ruth Müller (SPD), Kadidatin für das Amt der Landrätin im Landkreis Landshut, und Florian Hölzl (CSU), amtierender Bürgermeister in Pfeffenhausen (Landkreis Landshut). Sie gehören nicht nur unterschiedlichen Parteien an, sondern auch zwei verschiedenen Kirchen, Ruth Müller der evanglischen, Florian Hölzl der römisch-katholischen.
Wie wirkt sich Ihr Glaube auf Ihre politische Tätigkeit aus?
Florian Hölzl: Ich glaube, dass der Glaube vor allem lehrt, Menschen unabhängig von ihrer parteipolitischen Zugehörigkeit zunächst als Mitmenschen wahrzunehmen. Vorurteilsfrei, auf Augenhöhe, mit der Grundhaltung, dass alle das Beste wollen. Diese Offenheit prägt das Miteinander in der Kommunalpolitik – mit Kolleginnen, Kollegen und Bürgerinnen und Bürgern.
Ruth Müller: Für mich ist es ähnlich. Es hilft, biblische Werte zu kennen, sei es für ein Grußwort oder einen Eintrag in ein Goldenes Buch. Vor allem geht es aber darum, Menschen als Ganzes zu sehen und sich nicht von Äußerlichkeiten blenden zu lassen. Die Bibel lehrt, jedem zu helfen – egal, woher er kommt, welches Geschlecht oder Aussehen er hat. Das ist meine politische Haltung.
Florian Hölzl: Der Glaube gibt Orientierung, gerade in Zeiten, in denen Rattenfänger am rechten oder linken Rand unterwegs sind. Wir sind in einem christlichen Wertesystem aufgewachsen – das gibt uns eine Richtschnur, um richtig von falsch zu unterscheiden.
Ruth Müller: Meine Familie war stark evangelisch geprägt. Das vermittelte Zuverlässigkeit und protestantische Tugenden. Das begleitet mich bis heute – manchmal fehlt mir dann vielleicht die Lockerheit anderer, aber diese Grundhaltung ist entscheidend.
Hat Ihr Glaube Ihr politisches Engagement beeinflusst?
Ruth Müller: Ja, definitiv. Über kirchliche Jugendarbeit kam ich mit Politik in Berührung und merkte, dass Kirche nicht isoliert wirkt, sondern in Gesellschaft wirken muss – und umgekehrt. Wer sich für Zusammenhalt einsetzen will, muss sich politisch engagieren.
Florian Hölzl: Bei mir ist es ähnlich. Als Christen wurde uns vermittelt, dass Engagement in der Welt wichtig ist. Ich kam über die Sportjugend zur Politik, aber die christliche Grundhaltung, die Welt zu verbessern, prägt mich stark.
Welchen Rat geben Sie Menschen, die kommunalpolitisch aktiv werden möchten?
Ruth Müller: Fangt klein an: Infostände, Gespräche mit Politiker:innen. Das nimmt euch die Scheu, Politik sei etwas, das andere machen. Wer sich nicht engagiert, überlässt die Plätze anderen – und verpasst die Chance, für die eigene Generation und Community einzutreten.
Florian Hölzl: Viele trauen sich den Einstieg nicht zu, merken aber schnell, dass es sie interessiert. Wir sind parteiübergreifend offen für alle, die einsteigen wollen. Kommunalpolitik ist erfüllend, weil man unmittelbar sein Umfeld gestalten kann – trotz aller Herausforderungen.
Ruth Müller: Sie erweitert den Blick auf die Gesellschaft. Man lernt viel über Strukturen, über die eigenen Gemeinden, und erkennt, dass Politik überall wirkt – vom Kinderkrippenangebot bis zum Bestattungswesen.
Welche Rolle spielen die Kirchen vor Ort?
Florian Hölzl: Trotz rückläufiger Kirchenbesuche prägen sie das gesellschaftliche Leben enorm. Kindergarten, Pfarrheim, ambulante Dienste – Kirchen sind Dreh- und Angelpunkte. Sie prägen Landschaft, Identität und das Miteinander der Gemeinde.
Ruth Müller: Kirchen sind Begegnungsräume. Gottesdienste, Firmung oder Konfirmation verbinden Menschen unterschiedlichen Alters, Herkunft und Beruf. Solche Angebote sind für Jugendliche und Senioren gleichermaßen existenziell, um die Gesellschaft zusammenzuhalten.
Florian Hölzl: Kirchliche Rhythmen strukturieren auch das politische Leben. Gerade jungen Menschen fehlt oft Orientierung, wo Kirche große Chancen hätte, Sinnstiftung zu bieten.
Ruth Müller: Pfarrer:innen sind wichtige Bezugspersonen in prägender Lebensphase. Sie begleiten Jugendgruppen, Gottesdienste und Unterricht – geben Halt und Orientierung. Selbst Erwachsene kehren in besonderen Momenten zurück, weil diese Beziehung prägend ist.
Gab es Momente, in denen Sie dachten: Jetzt hilft nur noch beten?
Florian Hölzl: Täglich. (lacht) Das vielleicht nicht, aber es gibt Entscheidungen, bei denen man sich unsicher ist, wie beim Umgang mit Glatteis im Bauamt. Dann hilft ein gewisses Gottvertrauen – keine magische Lösung, sondern eine innere Sicherheit, dass man sein Bestes gibt.
Ruth Müller: Für mich ist Gebet oft ein inneres Reflektieren: Man redet mit sich selbst, und gleichzeitig mit Gott. Auch Politiker:innen tun das häufig – sie wägen ab, ziehen Lehren für künftige Entscheidungen.