Am 8. März ist in Bayern Kommunalwahl. Wir sprechen mit Kommunalpolitiker:innen aus Bayern, die mindestens eine Sache gemeinsam haben: Sie fühlen sich dem christlichen Glauben verbunden.

Heute lest ihr das Gespräch mit drei Memminger Stadträten: Christoph Baur (CSU), Christof Heuß (Freie Wähler) und Rolf Spitz (SPD). Sie erzählen, welche Rolle ihr Glaube in ihrem politischen Alltag spielt, wie sie zur Kommunalpolitik gekommen sind – und warum Engagement vor Ort oft persönlicher ist, als man denkt.

"Mir hilft der Glaube vor allem dabei, nicht nur Zahlen zu sehen, sondern die Menschen dahinter"

Beeinflusst Ihr persönlicher Glaube Ihre kommunalpolitische Arbeit?

Christof Heuß: Ich hoffe, dass mein Glaube mich in allen Lebensbereichen unterstützt. Natürlich versuche ich auch im Stadtrat, meine Werte zu leben und so aufzutreten, wie ich bin.

Rolf Spitz: Das ist bei mir ähnlich. Ich bin seit 2002 im Stadtrat und versuche, meinen Glauben so gut wie möglich in meine kommunalpolitische Arbeit einfließen zu lassen.

Christoph Baur: Mir hilft der Glaube vor allem dabei, nicht nur Zahlen zu sehen, sondern die Menschen dahinter. Entscheidungen müssen faktenbasiert sein, aber auch von Demut geprägt. Ein politisches Amt ist immer nur auf Zeit – und man sollte ein Menschenfreund bleiben. Dabei ist der Glaube für mich ein wichtiger Ratgeber.

Hat Ihr Glaube auch Ihre Entscheidung beeinflusst, sich kommunalpolitisch zu engagieren?

Christoph Baur: Ja, auf jeden Fall. Meine Arbeit in der evangelischen Jugend war mitentscheidend. Dort habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Mehrheiten zu organisieren und Demokratie zu leben. Das war gewissermaßen das erste politische Übungsfeld.

Christof Heuß: Bei mir war es ähnlich. Über die evangelische Gemeindejugend bin ich zur Kommunalpolitik gekommen. In der Jugendarbeit lernt man, Verantwortung zu übernehmen, vor Gruppen zu sprechen und soziale Kompetenz zu entwickeln. So bin ich schließlich gefragt worden, ob ich für den Stadtrat kandidieren möchte.

Rolf Spitz: Auch ich bin in der evangelischen Jugendarbeit groß geworden. Mein Vater war dort lange engagiert und auch kommunalpolitisch aktiv. Solche Vorbilder prägen natürlich.

Christof Heuß: Für mich war immer wichtig, kommunal verankert zu sein. Ich gehöre den Freien Wählern in Memmingen an, bewusst ohne landespolitische Anbindung. Aber grundsätzlich ist es völlig in Ordnung, sich parteipolitisch zu engagieren – entscheidend ist das Wertefundament.

"Gerade für junge Menschen ist Kommunalpolitik ein guter Einstieg"

Was raten Sie Menschen, die sich kommunalpolitisch engagieren möchten?

Christoph Baur: Einfach machen. Kommunalpolitik betrifft das eigene Lebensumfeld unmittelbar. Statt nur zu kritisieren, sollte man sich einbringen. Man muss Mehrheiten finden, Überzeugungsarbeit leisten – und sieht am Ende oft ganz konkret, was man bewirken konnte.

Christof Heuß: Kommunalpolitik ist die Politik, die den Menschen am nächsten ist. Entscheidungen wirken sich direkt auf die Nachbarn und das eigene Umfeld aus. Das kann motivieren, selbst aktiv zu werden.

Rolf Spitz: Man sollte allerdings realistische Erwartungen haben. Vieles ist komplexer, als man zunächst denkt. Man entscheidet immer für alle und muss unterschiedliche Interessen abwägen. Den einen großen Durchmarsch gibt es selten.

Christoph Baur: Gerade für junge Menschen ist Kommunalpolitik ein guter Einstieg. Die Wege sind kurz, Stadträte sind ansprechbar. In einer Stadt wie Memmingen kommt man leicht ins Gespräch – auf dem Wochenmarkt oder bei Veranstaltungen. Der direkte Kontakt gehört dazu.

Welche Rolle spielt die Kirche heute noch in der Kommunalpolitik?

Christof Heuß: Die Kirche ist weiterhin präsent. Viele Stadträte engagieren sich kirchlich. Zwar dominieren im Stadtrat Sachthemen wie Bau- oder Verkehrsfragen, aber christliche Werte spielen im Hintergrund durchaus eine Rolle.

Ein Beispiel ist das Kuratorium des Memminger Freiheitspreises, an dem auch kirchliche Vertreter beteiligt sind. Die Preisverleihung in St. Martin zeigt, wie Kirche öffentlich sichtbar wird.

Christoph Baur: Auch der Gottesdienst zum Beginn einer Legislaturperiode ist ein wichtiger Impuls. Themen wie Demut und Verantwortung werden dort noch einmal bewusst. Zudem ist die Kirche mit ihren Einrichtungen – etwa Diakonie oder Jugendarbeit – ein fester Teil der Stadtgesellschaft. Ihre gesellschaftliche Präsenz hat sich verändert, aber sie bleibt ein wichtiger Akteur.

"Solche Fragen berühren Menschen sehr persönlich"

Gab es Momente, in denen Sie dachten: Jetzt hilft nur noch beten?

Rolf Spitz: Ja, bei der Entscheidung zur Umwandlung des Fliegerhorsts in den Flughafen Memmingen. Das war hoch umstritten. Ich habe damals wirklich gebetet, die richtige Entscheidung zu treffen. Rückblickend hat sich das Projekt positiv entwickelt.

Christoph Baur: Ein schwieriger Moment war für mich die Debatte um den Moscheebau mit Minarett. Einerseits ist Religionsfreiheit selbstverständlich, andererseits war der Umgang zwischen Gemeinde, Stadtrat und Öffentlichkeit sehr angespannt. Da habe ich oft gehofft, dass die Situation nicht weiter eskaliert und wieder mehr Gesprächsbereitschaft entsteht. Solche Fragen berühren Menschen sehr persönlich – da wünscht man sich Weisheit und Besonnenheit.