Am 8. März ist in Bayern Kommunalwahl. Wir sprechen mit Kommunalpolitiker:innen aus Bayern, die mindestens eine Sache gemeinsam haben: Sie fühlen sich dem christlichen Glauben verbunden.
Heute lest ihr das Gespräch mit Michael Székely (FDP), Stadtrat in Erlangen, und Wolfgang Leyk (SPD), Pfarrer im Ruhestand und Kandidat für den Erlanger Stadtrat. Sie gehören unterschiedlichen Parteien an, aber beide der evangelischen Kirche.
"Glaube sollte nicht als starr dogmatisches System verstanden werden"
Herr Székely, Herr Leyk, inwiefern unterstützt Sie Ihr persönlicher Glaube in Ihrer kommunalpolitischen Arbeit?
Michael Székely: Ich würde das nicht trennen zwischen Glauben und Politik. Für mich ist der Glaube eher ein innerer Kompass: Er lenkt mich, hinterfragt meine Entscheidungen, ohne dass ich dadurch automatisch ein besserer Politiker wäre. Es ist weniger eine Unterstützung, mehr eine Richtungsweisung.
Wolfgang Leyk: Ich sehe das ähnlich. Glaube sollte nicht als starr dogmatisches System verstanden werden, wie man es manchmal in sozialen Medien sieht. Vielmehr kann er helfen, Entscheidungen zu reflektieren, ohne dass man sich ein Label wie "christlich" aufsetzt oder damit Stimmen gewinnen will.
Hat Ihr Glaube denn auch Ihre Entscheidung beeinflusst, sich politisch zu engagieren?
Wolfgang Leyk: Ich engagiere mich, weil ich gerne mit Menschen arbeite und etwas für das Gemeinwesen tun möchte. Das ist keine exklusiv christliche Motivation.
Michael Székely: Ich möchte gestalten, Dinge verbessern, die mir missfallen. Dass das aus Glaubensgründen geschieht, würde ich so nicht sagen – es ist einfach der Antrieb, aktiv zu werden.
"Kommunalpolitik heißt nicht, sofort in den Stadtrat zu wollen"
Welchen Rat würden Sie Menschen geben, die politisch aktiv werden möchten?
Michael Székely: Am Anfang kann man bei einem konkreten Projekt mitmachen oder sich einer Bürgerinitiative anschließen. Wer politisch orientiert ist, kann sich Parteien anschauen und Veranstaltungen besuchen. Wichtig ist, erste Erfahrungen zu sammeln und zu erkennen, dass Politik vor allem Arbeit mit Menschen ist.
Wolfgang Leyk: Kommunalpolitik heißt nicht, sofort in den Stadtrat zu wollen. Man sollte zuerst in Vereinen, Bürgerinitiativen oder im Kirchenvorstand aktiv werden. Wenn es passt, kann man sich dann tiefer einbringen – und irgendwann vielleicht für ein Amt kandidieren.
Welche Rolle spielen Kirchen vor Ort?
Wolfgang Leyk: Kirchen sind für die Zivilgesellschaft extrem wichtig. Sie bieten Räume, unterstützen Gemeinschaften und helfen in Krisen – wie bei Stromausfällen oder in der Hospizarbeit. Leider sind sie oft voll mit Selbsterhalt beschäftigt. Dabei könnten sie noch viel stärker Impulse geben.
Michael Székely: Kirchen übernehmen viele Aufgaben, die eigentlich staatlich wären – Kindertagesstätten, Hospize, soziale Dienste. Viele Kommunalpolitiker nehmen das als selbstverständlich hin. Dabei ist ihr Beitrag unverzichtbar für das Funktionieren der Stadt.
Gab es in Ihrer politischen Arbeit Momente, in denen Sie dachten: Jetzt hilft nur noch beten?
Michael Székely: Solche Momente gibt es durchaus – wenn man sieht, dass nichts vorangeht oder die Mittel fehlen. Beten ist für mich eher ein innerliches Reflektieren, ein Selbstgespräch, kein öffentliches Ritual.
Wolfgang Leyk: Ich sehe das ähnlich: Beten ist ein Zwiegespräch – innerlich, um Entscheidungen zu prüfen und den eigenen Kompass zu justieren. Es ersetzt nicht den Diskurs oder die Kritik, sondern ergänzt beides.
"Wir müssen als Politiker darauf achten, dass die Debatte auf Augenhöhe bleibt"
Ein letzter Gedanke: Wie beeinflussen soziale Netzwerke die politische Arbeit?
Michael Székely: Sie können den Diskurs verzerren. Vieles wird zu persönlicher Auseinandersetzung, geht nicht zur Sache. Wir müssen als Politiker darauf achten, dass die Debatte auf Augenhöhe bleibt und das Miteinander nicht verloren geht.
Wolfgang Leyk: In Erlangen kann man die Aktivität in sozialen Netzwerken auf wenige Personen herunterbrechen. Der Rest der Stadt lebt in realen Gemeinschaften – und genau dort liegt die Chance für gute Politik.