Am 8. März ist in Bayern Kommunalwahl. Wir sprechen aus diesem Anlass mit Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern aus Bayern, die mindestens eine Sache gemeinsam haben: Sie fühlen sich dem christlichen Glauben verbunden – und reflektieren, welche Rolle er in ihrem politischen Engagement spielt.

Heute lest ihr das Gespräch mit Hermann Seiferth, SPD-Stadtrat in Münchberg und Mitglied des Kirchenvorstands der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, sowie mit Dr. Klaus Herrbach, ebenfalls Stadtrat in Münchberg, evangelisch, früher Zahnarzt und heute Hausmann.

"Es geht darum, aufeinander zuzugehen, auch einmal Fünfe gerade sein zu lassen"

Inwieweit hilft Ihnen Ihr Glaube bei Ihrem kommunalpolitischen Engagement?

Hermann Seiferth: Christliche Werte wie Toleranz, Nachsicht und Vergebung sind für mich zentral. Wenn diese Haltungen im politischen Diskurs stärker gepflegt würden, wäre Politik für alle Beteiligten deutlich angenehmer. Es geht darum, aufeinander zuzugehen, auch einmal Fünfe gerade sein zu lassen und Dinge nicht unnötig nachzutragen.

Klaus Herrbach: Für mich ist der Einsatz für die Gesellschaft, besonders für die Schwächeren, eng mit meinem christlichen Verständnis verbunden. Daraus schöpfe ich Motivation und Kraft. Der Glaube gibt mir eine innere Haltung, die ich in mein politisches Engagement einbringe.

Hat Ihr Glaube eine Rolle gespielt, als Sie sich entschieden haben, sich kommunalpolitisch zu engagieren?

Hermann Seiferth: Die eigentliche Initialzündung kam nicht direkt aus dem Glauben. Aber ich bin überzeugt: Als Christ sollte man sich in die Gesellschaft einbringen. Glaube darf nicht nur im Inneren stattfinden. Wenn er wirklich in der Seele verankert ist, wird er auch nach außen sichtbar – auch in politischen Gremien.

Diese Haltung prägt das Miteinander: Toleranz, aufeinander zugehen, auch einmal etwas vergessen können. Vielleicht ist "Vergebung" ein großes Wort, aber zumindest sollte man nicht alles dauerhaft mit sich herumtragen.

Klaus Herrbach: Für mich ist das durchaus miteinander verbunden. Der Einsatz für die Gesellschaft, gerade für die Schwächsten, ist für mich auch christlich motiviert. Daraus erwächst Verantwortung – und auch der Wunsch, aktiv mitzugestalten.

"Man kann mit kleinen Schritten anfangen – Aufgaben gibt es genug"

Was würden Sie jemandem raten, der sich kommunalpolitisch engagieren möchte, aber noch nicht weiß, wo und wie er anfangen soll?

Hermann Seiferth: Die Parteien und Wählervereinigungen bieten unterschiedliche Konzepte, aber im Kern geht es überall darum, Menschen zu finden, die in der Stadt oder Gemeinde präsent und bekannt sind. Wer sich engagieren will, sollte zunächst Veranstaltungen besuchen, Diskussionen führen und ein Gefühl dafür entwickeln, was die Menschen vor Ort bewegt.

Wichtig ist es, zuzuhören und die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger ernst zu nehmen. Daraus lassen sich auch Impulse für Programme und Projekte entwickeln, die man dann – zumindest versuchsweise – anstoßen kann.

Klaus Herrbach: Ich würde raten, sich zunächst über die eigenen Überzeugungen klar zu werden. Dann sollte man sich die Partei oder Wählergemeinschaft suchen, die am besten dazu passt. Man kann mit kleinen Schritten anfangen – Aufgaben gibt es genug.

Wichtig ist, sich langsam einzufinden, mitzudiskutieren und Erfahrungen zu sammeln. Ob man später mehr Verantwortung übernehmen möchte, ergibt sich dann oft ganz von selbst.

Welche Rolle spielt die Kirche heute noch in der Kommunalpolitik?

Hermann Seiferth: Das hängt stark davon ab, wie sich Kirchenmitglieder kommunalpolitisch einbringen. In Münchberg arbeiten Kirche und Stadt traditionell eng zusammen – und das halte ich auch für sinnvoll. Es gibt viele Projekte, die nur gemeinsam gut umgesetzt werden können.

Denken wir etwa an soziale Einrichtungen wie Alten- oder Pflegeheime. Hier wäre es wenig klug, wenn die Stadt auf eigene Faust agieren würde, ohne die Erfahrung der Diakonie oder der Caritas einzubeziehen. Auch in der Jugendarbeit oder bei der Nutzung von Räumlichkeiten ergeben sich oft Synergien.

Ein weiteres Beispiel ist der Friedhof: Hier arbeiten Stadt und Kirche seit jeher Hand in Hand, um diese Aufgabe gemeinsam zu bewältigen.

Klaus Herrbach: Ich finde, die Kirche sollte sich nicht unmittelbar in die Politik einmischen. Aber sie spielt eine entscheidende Rolle im sozialen Zusammenleben. Sie übernimmt viele Aufgaben – von der Jugend- bis zur Altenbetreuung –, die der Staat oder die Kommune allein kaum stemmen könnten.

Insofern hat die Kirche eine sehr wichtige Funktion für das Gemeinwesen – auch auf kommunaler Ebene.

"In der großen Weltpolitik wäre es manchmal wünschenswert, wenn Gott stärker eingreifen würde"

Gab es in Ihrer kommunalpolitischen Laufbahn schon einmal einen Moment, in dem Sie gedacht haben: Jetzt hilft nur noch beten?

Hermann Seiferth: Bei den kleineren Problemen, die wir hier in Münchberg haben, möchte ich den lieben Gott ehrlich gesagt nicht bemühen. Wenn ich allerdings auf die Weltpolitik schaue, dann gibt es derzeit viele Themen, bei denen wir dringend auf Gottes Führung hoffen dürfen.

Klaus Herrbach: Das sehe ich ähnlich. In der großen Weltpolitik wäre es manchmal wünschenswert, wenn Gott stärker eingreifen würde – oder zumindest, dass wir darum beten. Gleichzeitig sollten wir auch sehen, dass es uns hier in Deutschland trotz aller Klagen im Grunde gut geht. In unseren Kommunen läuft vieles sehr ordentlich.

Im Alltag des Stadtrats geht es meist darum, sachlich Aufgaben zu erledigen. Aber wenn das Klima im Gremium schwierig wird oder ein Streit zu eskalieren droht, dann schadet ein kurzer Stoßseufzer zum Himmel sicher nicht. Manchmal hilft es, innerlich um Gelassenheit und Frieden zu bitten.