Am 8. März ist in Bayern Kommunalwahl. Wir sprechen mit Kommunalpolitiker:innen aus Bayern, die mindestens eine Sache gemeinsam haben: Sie fühlen sich dem christlichen Glauben verbunden.
Heute lest ihr das Gespräch mit der Kitzinger Stadträtin Sabrina Stemplowski (CSU) und Prädikant und Kirchenvorstand Michael Langer vom Kitzinger SPD-Kreisverband, der für den Stadtrat kandidiert. Wie prägt der christliche Glaube politische Entscheidungen vor Ort? Und wo entstehen Spannungen zwischen Haushaltszwängen und dem Anspruch, sich besonders für Schwächere einzusetzen?
Wie lassen sich Glaube und Kommunalpolitik vereinbaren?
Sabrina Stemplowski: Für mich widerspricht sich das überhaupt nicht. Durch meinen Glauben bin ich innerlich gefestigter und weiß klarer, was mir wichtig ist. Insofern ergänzt sich das für mich sehr gut.
Michael Langer: Wir Christen folgen Jesus nach. Und er hat sich für Arme, Schwache und Ausgegrenzte eingesetzt – auch für Frauen, die damals kaum etwas galten. Deshalb passt christlicher Glaube sehr gut zu politischem Engagement. Das ergänzt sich absolut.
"Ich wünsche mir generell, dass Christen mutiger ihre Stimme erheben"
Merken Sie im Alltag konkret, wie sich Glaube und Politik vermischen oder Parallelen zeigen?
Sabrina Stemplowski: Ich bin ja bereits Stadträtin. Da merke ich schon, wie schwierig es manchmal ist, gerade bei der angespannten Haushaltslage. Oft wird dann zuerst im sozialen Bereich gekürzt. Das finde ich sehr problematisch. Natürlich muss überall gespart werden, aber ich versuche, mich dafür einzusetzen, dass man zuerst andere Bereiche prüft, bevor man bei sozialen Angeboten spart – zum Beispiel bei der Demenzberatung. Da habe ich schon immer wieder innere Konflikte.
Michael Langer: Ich wünsche mir generell, dass Christen mutiger ihre Stimme erheben – auch gegenüber der eigenen Partei oder dem eigenen Wahlprogramm. Man sollte auch mal sagen können: "Da gehe ich als Christ nicht mit." Egal ob CDU oder SPD – wenn etwas der Botschaft Jesu widerspricht und gegen die Interessen der Schwächsten geht, dann muss man Haltung zeigen.
Sabrina Stemplowski: Und ich glaube ehrlich gesagt, dass wir zwei solche sind, die das auch wirklich versuchen umzusetzen.
Michael Langer: Ja, wir haben uns kennengelernt und sofort gut verstanden. Wir ergänzen uns gut, auch wenn wir aus unterschiedlichen politischen Richtungen kommen.
War es Ihr Glaube, der Sie zum Engagement – politisch wie kirchlich – gebracht hat?
Michael Langer: Kirchlich auf jeden Fall. Ich bin als Prädikant aktiv, und es macht Freude, sich in der Gemeinde einzusetzen. Und politisch ist es ähnlich: Wenn man nah bei den Menschen ist und mit dem Herzen dabei, dann ist auch das Engagement für die politische Gemeinde eine gute und sinnvolle Aufgabe.
Sabrina Stemplowski: Unsere Werte spielen eine große Rolle – zum Beispiel der Dienst am Nächsten. Wenn wir darauf keine Lust hätten, würden wir uns weder für ein kirchliches Amt noch für ein kommunalpolitisches Mandat aufstellen lassen. Wir wollen den Menschen etwas zurückgeben.
Kommunalpolitiker erleben zunehmend Bedrohungen und Beschimpfungen. Haben Sie das schon erlebt, und wie gehen Sie damit um?
Sabrina Stemplowski: Egal welcher Partei jemand angehört – alle engagieren sich ehrenamtlich für andere. Da gehen Bedrohungen oder Angriffe auf die Familie überhaupt nicht. Auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist: So etwas geht gar nicht.
Michael Langer: Ich bin auch Gewerkschafter und habe auf der Baustelle schon Anfeindungen erlebt. Da habe ich klar Stellung bezogen und gesagt: Ich bin Christ – und das hat nichts mit Parteipolitik zu tun. Wir sollten Menschen nicht in Schubladen stecken, sondern besonders denen helfen, die Unterstützung brauchen.
"Meckern kann jeder"
Was raten Sie Menschen, die überlegen, sich kommunalpolitisch zu engagieren?
Sabrina Stemplowski: Viele haben ja schon Ideen im Kopf. Man muss nicht gleich "die große Politik" machen. Man kann im Kleinen anfangen – etwa, wenn es um einen neuen Spielplatz für die eigenen Kinder geht, Unterschriften sammeln oder sich mit anderen zusammenschließen. Einfach anfangen statt nur zu meckern.
Michael Langer: Meckern kann jeder. Sicher läuft nicht alles gut. Aber wenn ich etwas verändern will, muss ich mich einbringen – im Stadtrat oder Gemeinderat. Dort kann man diskutieren und versuchen, Dinge besser zu machen.
Sabrina Stemplowski: Und wir haben auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Wir sind immer dankbar für Rückmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern. Wir sind für sie gewählt, nicht für uns selbst – das vergessen manche leider.
Möchten Sie zum Abschluss noch etwas ergänzen?
Sabrina Stemplowski: Mir ist das Ehrenamt noch wichtig. Ich bin selbst Ehrenamtsreferentin, und dieses Engagement ist ein ganz wichtiger Kitt für unsere Gesellschaft – in der Kirche wie in der Kommunalpolitik. Allen, die sich ehrenamtlich einsetzen, möchte ich ausdrücklich danken.
Michael Langer: Und wir sollten keine Angst vor einem politischen Amt haben. Ja, es gibt Kritik. Aber wie Paulus sagt: "Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit."