Die Frauenunion hat die Wehrpflicht für sich entdeckt. Ausgerechnet sie inszeniert plötzlich den großen Gleichstellungsakt. Ein Antrag der Frauenunion für den CDU-Bundesparteitag am 20. und 21. Februar in Stuttgart fordert, dass künftig auch Frauen dazu verpflichtet werden, den Wehrdienstfragebogen auszufüllen – mit Aussicht auf eine allgemeine Pflicht, wahlweise beim Militär oder im sozialen Dienst.

Jahrzehntelang kämpfen Frauen für gleiche Bezahlung, gleiche Karrierechancen, paritätische Besetzung von Vorständen, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und gegen unsichtbare Arbeit im Haushalt. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen und kaum ein Haken würde gesetzt. 

Gleichberechtigung per Fragebogen: Ein Fortschritt mit Haken

Seit dem 1. Januar erhalten alle Männer und Frauen ab Jahrgang 2008 einen Fragebogen zur Tauglichkeitsprüfung. Der feine Unterschied: Männer müssen, Frauen dürfen – ein Umstand, den die Frauenunion für überholt hält. Ihr Antrag, dem das "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (RND) vorliegt, verlangt: Das gerade erst beschlossene Modell müsse "umgehend weiterentwickelt" werden.

Das Überraschende: Die Forderung tritt im Gewand feministischer Gerechtigkeit auf – doch der Eindruck täuscht. Der Vorstoß findet Rückhalt in der Gesamt-CDU und der Jungen Union. 

Die Frauenunion liefert nun die feministische Legitimation für etwas nach, das ohnehin längst auf der Agenda steht. 

Schon als stellvertretender CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender kritisierte Außenminister Johann Wadephul die ungleiche Behandlung im Wehrdienstmodell. 

Dass der vermeintliche Kampf für Gleichberechtigung hier im Wolfspelz daherkommt, wird schnell deutlich.

Es scheint eher die zynische Zuspitzung einer altbekannten Drohung zu sein: Wer Gleichstellung fordert, soll die Konsequenzen der Forderung spüren und gefälligst auch die "Drecksarbeit" übernehmen.

Gleiche Pflichten, ungleiche Realität

Formal stimmt die Logik: Gleichberechtigung kann nicht nur aus angenehmen Pflichten bestehen. Aber vielleicht sollte man bei den Grundlagen beginnen.

Bei der Verteilung von Care-Arbeit etwa – wer kauft die Geburtstagsgeschenke, wer plant die Woche, wer denkt an Arzttermine? Seit sechs Jahren stagniert der Gender Pay Gap bei über 18 Prozent. Frauen sind häufiger prekär beschäftigt, übernehmen mehr Minijobs, arbeiten oft nur in Teilzeit.

Anstatt eine Lifestyle-Teilzeit-Debatte zu führen, als hätten Frauen freiwillig die 30-Stunden-Woche gewählt, könnte die CDU Hürden abbauen: Reform des Ehegattensplittings, bessere Kinderbetreuung, vielleicht gleich das Patriarchat.

Womit wir beim Militär wären: Kaum eine Institution symbolisiert patriarchale Strukturen so mustergültig wie die Bundeswehr. Anstelle hier auf Gleichberechtigung zu setzen, wäre ein wichtiger Schritt, dort das Bild des tapferen, mutigen, kämpferischen Soldaten zu überdenken – jenes Ideal, das Männlichkeit seit Jahrhunderten über Stärke, Härte und Gewaltbereitschaft definiert.

Wehrdienst, Gleichstellung und toxische Männlichkeit

Echte Gleichberechtigung im Militär würde toxische Männlichkeitsbilder aufbrechen, Hierarchien hinterfragen und Führungsstrukturen verändern. Sie würde bedeuten, anzuerkennen, dass Wehrhaftigkeit nicht nur aus Muskelkraft und Kampfgeist besteht, sondern auch aus Umsicht, Kommunikation, Fürsorge.

Stattdessen sollen Frauen in eine Institution eingegliedert werden, die sich strukturell kaum verändert hat – und dort die Rolle spielen, die Männer seit jeher  spielen.

Das ist keine Emanzipation. Das ist Assimilation. Frauen werden nicht gleichberechtigt – sie werden gleichgemacht.

Wehrdienst & Wehrpflicht

Ein umfangreiches Dossier zum Thema Wehrdienst und Wehrplicht findet ihr auf Sonntags unter diesem Link.

Mehr Infos zu den Beratungsangeboten der bayerischen Landeskirche unter kirche-an-deiner-Seite.de