"Wir schaffen das", sagte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 31. August 2015 über den Zuzug zahlreicher Geflüchteter.

"Haben wir es geschafft?", überschreibt nun das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) eine Studie zur Arbeitsmarktintegration der damals Eingetroffenen. Es zeige sich "ein positiver Trend", analysiert das Forschungsteam - zugleich gebe es "weiterhin erhebliche Herausforderungen".

1. Jobs und Verdienste

Das IAB-Forschungsteam blickt insbesondere auf die Beschäftigungsquote. Sie besagt, wie viel Prozent der Menschen zwischen 15 Jahren und dem Renteneintrittsalter einer abhängigen Beschäftigung nachgehen. 2024 taten dies der Studie zufolge 64 Prozent der 2015 eingetroffenen Menschen. "Das ist ziemlich gut", sagte Ko-Autorin Yuliya Kosyakova dem Evangelischen Pressedienst (epd). In der Gesamtbevölkerung lag die Quote bei 70 Prozent.

Zugleich sind die Geflüchteten laut IAB "häufig in Engpassberufen und systemrelevanten Berufen tätig", etwa im Gesundheitsbereich oder in der Logistik. Als systemrelevant werden Tätigkeiten eingestuft, die "für die Aufrechterhaltung zentraler Infrastrukturaufgaben" wichtig sind. In Engpassberufen ist es besonders schwierig, neues Personal zu finden.

Allerdings klafft die Einkommenssituation von Geflüchteten und Gesamtbevölkerung auseinander. Hier betrachtete das Forschungsteam die Median-Verdienste, also das mittlere Einkommen. Der Median ist der Wert, bei dem genau die Hälfte der Beschäftigten mehr und die andere Hälfte weniger verdient. Bei den Geflüchteten stieg der Median-Verdienst von Vollzeitbeschäftigten laut IAB von 1.398 Euro monatlich im Jahr 2016 auf 2.675 Euro im Jahr 2023.

Das waren aber immer noch nur 71 Prozent des Wertes für die Gesamtbevölkerung. Dies trägt dazu bei, dass laut IAB etwa ein Drittel der Geflüchteten im erwerbsfähigen Alter in Haushalten lebte, die Bürgergeld bekamen.

2. Herausforderungen für Frauen

Beim Blick auf die Geschlechter offenbaren sich große Unterschiede: Für die geflüchteten Männer errechnete das IAB eine Beschäftigungsquote von 76 Prozent, bei den Frauen waren es nur 35 Prozent. In der Gesamtbevölkerung lagen die Beschäftigungsquoten demnach bei 72 Prozent für Männer und 69 Prozent für Frauen.

"Eine zentrale Hürde bleibt der teils unzureichende Zugang zu Kinderbetreuung", schreibt das IAB-Team zur Erklärung. Es gebe aber noch viele weitere Gründe. Unter anderem seien geflüchtete Frauen im Vergleich zu den Männern stärker belastet durch geringere Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse, eine schlechtere gesundheitliche Verfassung und eine eher späte Teilnahme an Integrationskursen und anderen Maßnahmen.

3. Was hilft und was nicht

"Sprachförderung ist zentral", sagte Kosyakova - "sowohl allgemeine als auch berufsbezogene Sprachkurse wirken sich nachweislich positiv auf die Arbeitsaufnahme aus". Dasselbe gelte für Berufsberatung und gezielte Qualifizierungsangebote. Wichtig seien aber auch Faktoren wie die physische und psychische Gesundheit.

Kosyakova kritisierte in diesem Zusammenhang die teils eingeschränkte Gesundheitsversorgung im Asylverfahren. Ein weiterer Punkt: "Unsere Forschung zeigt, dass Menschen, die sich willkommen fühlen, schneller Arbeit finden."

Gefragt nach Faktoren, die eine Arbeitsaufnahme hemmen, sagte Kosyakova: "Lange Asylverfahren, der lange Aufenthalt in Gemeinschaftsunterkünften, Sachleistungen und Bezahlkarten, Wohnsitzauflagen. Auch die Aussetzung des Familiennachzugs gehört dazu."

4. Empfehlungen

Das IAB-Team spricht sich dafür aus, bei Qualifizierungsmaßnahmen, der Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen und der beruflichen Weiterbildung dranzubleiben.

Mit Blick auf die geringere Teilhabe geflüchteter Frauen am Arbeitsleben konstatiert das Forschungsteam einen "Bedarf an gezielten geschlechterspezifischen Integrationsmaßnahmen". Außerdem könne es sinnvoll sein, bei der Verteilung Geflüchteter auf Bundesländer und Regionen die Jobaussichten zu berücksichtigen.