"Den Geist aufgeben" – wenn wir diese Wendung hören, denken wir zuerst an den kaputten Kühlschrank, die streikende Waschmaschine oder das Auto, das plötzlich den Dienst verweigert. Doch der Ursprung der Redewendung ist alles andere als alltäglich. Er führt uns direkt zur biblischen Sprache und religiösen Vorstellungskraft.
Schon im Alten Testament, in den Klageliedern, wird der Ausdruck verwendet: "Wo ist Brot und Wein?, da sie auf den Gassen in der Stadt verschmachten wie die tödlich Verwundeten und in den Armen ihrer Mütter den Geist aufgeben." (Klagelieder 2,12). Auch im Neuen Testament, in der Apostelgeschichte, taucht die Formulierung auf: "Als Hananias diese Worte hörte, fiel er zu Boden und gab den Geist auf." (Apostelgeschichte 5,5).
Antike und biblische Vorstellungen
Ursprünglich bedeutete "den Geist aufgeben" wortwörtlich sterben – der Lebensatem, die Seele verließ den Körper. In der christlichen Tradition wird damit auch die Sterbeszene Jesu am Kreuz verbunden, dessen "Geistaufgabe" als Vollendung seines irdischen Lebens verstanden wird.
Der Ausdruck knüpft an die antike und biblische Vorstellung, dass der Geist den Menschen lebendig macht. Wenn er den Körper verlässt, endet das Leben. Sprachlich betrachtet ist die Wendung damit ein Zeugnis alter religiöser Ausdrucksweise.
Heute hat sich der Gebrauch stark verändert: In der Alltagssprache meint "den Geist aufgeben" meist etwas, das nicht mehr funktioniert – vom Auto über den Motor bis zur Batterie. Je nach Kontext kann die Wendung humorvoll, ironisch oder locker wirken, während sie in ihrem ursprünglichen Sinn eine ernsthafte, religiös gefärbte Bedeutung trägt.