Die Baguette-Semmel ist frisch gebacken – hach, wir sind in Frankreich. Das Plastiktablett, auf dem sie liegt, ist dafür nicht ganz so klischeemäßig Französisch. Ich stehe in der Schlange, um Frühstück zu bekommen. Die Mitarbeiterin legt zwei längliche Rechtecke Zartbitterschokolade dazu. Etwas Butter. Dazu bekomme ich in einem roten Plastiknapf Kaffee.
In der Schlange hinter mir sind unzählige andere – gerade noch haben wir gemeinsam Morgengebet in der Kirche gefeiert, die Lieder klingen in mir weiter. Wer schon ein Tablett hat, sucht sich einen Platz in der morgendlichen Sonne. Auf Bänken, auf dem Boden, überdacht oder im Schatten von Bäumen. Überall summen die Gespräche in vielen Sprachen.
Frühstück. Seit Jahrzehnten jeden Morgen gleich hier in Taizé.
Eine Ordensgemeinschaft in Frankreich. Manche der Mönche sind katholisch, andere aus den vielfältigen evangelischen Konfessionen. Dass so was möglich ist – ein Miteinander, leider viel zu selten.
Seit Jahrzehnten kommen vom Frühjahr bis in den Herbst jede Woche einige tausend Menschen hier zusammen. Jugendliche und junge Erwachsene vor allem. Mittlerweile auch ältere Erwachsene, weil der Ort zum Wiederkommen einlädt.
Eine Woche lang teilt man Mahlzeiten. Betet zusammen. Hört Bibelauslegungen, tauscht sich aus. Dann kehrt man wieder in die Heimatländer auf allen Kontinenten zurück - verändert, auf irgendeine Weise. Viele tragen dann einen Emaille-Anhänger an einem Lederband um den Hals. Ein Anhänger, der gleichzeitig wie ein Kreuz und wie eine Taube aussieht.
Taizé ist ein Erneuerungsort, wo viele kirchliche Krusten aufgebrochen sind. Es geht kaum um Dogmen, oder was man glauben muss. Sondern: Wie lebt man Vertrauen auf Gott im Alltag, wie gehen wir den Weg des Vertrauens untereinander? Gottesdienstformen, die selbsterklärend sind. Typisch sind dabei die Lieder. Meistens schlichte Zweizeiler, die man in vielen Sprachen singen kann. Wie "Laudate omnes gentes" – Lobt Gott, Menschen aller Völker!
Neben mir balanciert ein Kollege sein Frühstückstablett auf den Knien. Ich weiß nicht genau, wie ich ihn nennen soll, Freund ist zu viel, Bekannter zu wenig. Kennen Sie so Leute, denen Sie vertrauen und zu denen Sie ein kleines bisschen aufschauen? Aber gleichzeitig ist da keine Distanz, kein Oben-Unten? So einer ist das.
Ich habe mich so gefreut, ihn hier zu treffen – völlig zufällig!
Jetzt sitzen wir da, zwei Pfarrer in Taizé. Ich mit einer Gruppe von Studierenden hier, mein erster Besuch. Er hingegen war schon unzählbar oft da. Seit kurzem ist er pensioniert. Er nutzt die Woche, um zurückzuschauen und sich zu sortieren.
Wir säbeln unsere Brötchen auf, verstreichen Butter und legen die Schokolade hinein. Wir erzählen, bringen einander auf den Stand, was so war und ist, immerhin haben wir uns ein paar Jahre nicht gesehen.
Und dann sagt er auf einmal: "Tobias, wir waren so viele. Wir waren die ersten der großen Pfarrersjahrgänge, die Boomer, endlich auch Pfarrerinnen. Die Kirche hatte Geld, wir konnten so viel gestalten. Und ich hatte das ganze Berufsleben die Möglichkeit mit zu entscheiden, habe Leitung übernommen. War das, was wir gemacht haben, sinnvoll? Warum ist die Kirche so klein geworden, warum haben wir die Menschen nicht erreicht? Wir wollten die Kirche erneuern … Hätten wir es anders machen müssen?"
Puh. Wie ehrlich.
Ich versuch so was wie Trost zu spenden – komme mir aber eher beschwichtigend vor … Ich spreche von der gesellschaftlichen Entwicklung von diesem und jenem … Aber seine Frage lässt mich nicht los, während ich später über das weite, sonnige Gelände schlendere. Hätten die Pfarrer:innen vor mir anders entscheiden müssen? Nein, das ist es nicht, was mich beschäftigt. Nicht "sie" und nicht "damals". Jetzt. Und wir, ich: Welche Erneuerung braucht es heute? Müssten wir irgendwas tun, was ich nicht sehe?
Salz und Licht, haltbar und hell
Jesus predigte:
Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. (Mt 5,13)
Salz seid ihr, vergesst es nicht! Ihr würzt die Welt und macht sie haltbar, wie Lebensmittel durch das Salz länger halten. Ihr macht, dass das Leben weder fad wird noch faulig.
Aber wenn ihr das nicht tut, wenn ihr nicht mehr salzt: Wozu dann noch? Dann braucht es euch nicht.
14Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. 16So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Mt 5, 14)
Wenn ihr euch aber nur selbst bespiegelt, nur mit euch beschäftigt seid, wenn ihr das Licht für euch behaltet – was soll das dann? Leuchtet!
Eindringlich redet Jesus. Worte wie Gitarrenriffs. So, wie dieser Abschnitt im Musical "Godspell" in Musik umgesetzt worden ist. E-Gitarren bei Christen – auch das vor fünf, sechs Jahrzehnten mal ein Ausdruck von Erneuerung …
Zwölf Leute hat Jesus damals zusammengesammelt – und viele andere dazu. Aber zwölf Menschen als "Kern" seiner Erneuerungsbewegung. Symbol für das Volk Israel, das einmal aus zwölf Stämmen bestand.
Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes gilt seinen Leuten, Jüdinnen und Juden. Ganz ähnlich wie bei Johannes dem Täufer, seinem Vorgänger, vielleicht können wir ihn sogar einen Lehrer Jesu nennen?
Und dann entdecken wir bei Jesus, wie seine Botschaft sich weitet. Wenn wir die Evangelien genau lesen, erkennt Jesus, dass das "Reich Gottes" über Israel hinausragt. Es beginnt an den Rändern. Hier eine Frau aus dem Grenzgebiet. Da ein römischer Hauptmann. Dort eine Samariterin – nach damaligem Verständnis nicht so richtig Jüdin … Jesus erlebt bei ihnen Glauben und Heilung. Er bezieht sie ein.
Und ähnlich ging es bei den ersten Christengenerationen weiter. Erst wird es noch heiß diskutiert. Dann wird immer klarer: Nicht nur Jüdinnen und Juden können zu diesem neuen Jesus-Weg gehören. Auch Menschen aus anderen Religionen sind eingeladen, sollen im Besten Sinn infiziert werden vom Reich Gottes.
Das Matthäusevangelium erzählt vom Salz der Erde und vom Licht der Welt. Und Matthäus nutzt die Künste eines Poeten, damit nicht nur die Taten und Worte Jesu sprechen – sondern der ganze Aufbau der Geschichte. Gleich am Anfang lässt er Menschen aus fernen Ländern beim Jesusbaby auftauchen – wir sprechen heute meistens von den "Heiligen drei Königen". Und ganz ans Ende der Geschichte stellt er den Satz Jesu: "Geht zu allen Völkern" (Mt 28,19 NGÜ). Es geht nicht um die Kirche. Es geht um die Welt.
Erneuerung der Kirche? Eigentlich viel zu klein gedacht … und vielleicht ist genau das die Schwierigkeit. Ich bin überzeugt: Es geht nicht um die Erneuerung der Kirche, sondern darum, dass alle Menschen frei werden für die Liebe. Frei von bedrückenden Systemen und inneren Verdrehungen.
Es ist kein Schaden, dass es die Kirche gibt – sie organisiert uns. Ab einer bestimmten Anzahl von Menschen braucht es das. Und manches kann man besser erreichen in einer großen Organisation. Aber manchmal ist gerade da, wo Kirche ist, Salzmangel und Finsternis.
Taizé ist für mich ein Ort der Erneuerung, ein bisschen "Stadt auf dem Berg". Doch seit 2019 stellen die Mönche fest, dass es auch in ihren Reihen sexualisierte Gewalt gab und gibt. Sie reagieren schnell und transparent. Ein erstes Urteil wird 2024 gesprochen. Ungeschehen macht das nichts.
Sexualisierte Gewalt: Hier wird in unserer Zeit am schmerzlichsten spürbar, wie krass und wie oft Kirche nicht Salz und nicht Licht ist.
Andere Zeiten, andere Beispiele. Ernst dreinschauende Pfarrer, die Waffen segnen. Kinder in kirchlichen Heimen, die fürs Bettnässen geschlagen werden. Missionare, die unter staatlicher Waffengewalt Menschen zum Christentum bringen wollen. Paläste und Kirchen voller Gold für kirchliche Obere und "christliche" Herrscher – das Geld dafür wurde aus der Unterschicht herausgepresst, dabei sind das angeblich alle "Schwestern und Brüder in Christus."
Und dann gibt es die unzähligen "kleinen" Dinge.
Gottesdienstbesucher, die pikiert die Eltern in der Bank vor ihnen zurechtweisen: Ihre Kinder sollten jetzt mal leise sein – im Familiengottesdienst!
Gemeindegruppen, die sich als geschlossene Gesellschaften verstehen – Nee, da können Sie nicht sitzen, da ist immer die Frau Müller.
Oder ich, früher mit meiner engen Theologie … Welche Familie hätte es seelsorglich gebraucht, dass ich den aus der Kirche ausgetretenen Vater beerdige? Aber ich habe das damals grundsätzlich nicht gemacht. Oder wenn ich dran denke, wie ich dieser Tauffamilie gesagt habt, dass sie auf keinen Fall ihren Hund mit in die Kirche bringen können … Von wegen "Salz und Licht"!
Mittagessen in Taizé: Inneres Leben.
Das Mittagsgebet in Taizé ist vorbei – wieder stehen wir in langen Schlangen vor der Essensausgabe. Beim Essen sitze ich heute neben einer Studentin. Lehramt, Reli und noch irgendwas. Wir sind schon eine Zeit vorher immer wieder im Gespräch. Sie ist nach Taizé mitgefahren, weil sie rausbekommen will, wie Glaube gelebt werden könnte – ihr ist Religion wichtig, aber sie hat keine Erfahrung. Sie probiert verschiedene Arten von Gottesdiensten aus. Experimentiert mit dem Beten. Zwischen zwei Löffeln Nudeln schaut sie zu mir rüber: "Ich entdecke gerade Innerlichkeit – es ist gut hier zu sein."
Inneres Leben. Danke! Das Versagen der Kirche und mein Eigenes kann mich manchmal so in Beschlag nehmen, dass ich ganz erstarre … wie komme ich wieder raus?
Danke, dass du mich erinnerst. Christsein ist nicht nur, was ich tue oder nicht tue! Es beginnt im Inneren. Es beginnt damit, das Licht in mich hineinleuchten zu lassen – und das kann ich nicht tun. Sondern mir nur Zeit nehmen um mich dem betend aussetzen. Vielleicht haben Sie schon vom "Jesus-Gebet" gehört. Man legt dabei nur den Namen Jesus Christus auf das Ein- und Ausatmen. Oder das "Gebet der Sammlung", oder "Ruhegebet", so heißt es bei den frühesten Mönchen, den Einsiedlern in den ägyptischen und syrischen Wüsten. Man wählt ein Wort wie zum Beispiel "Gnade", man bleibt bei diesem Wort und das soll helfen, alle Gedanken loszulassen – und Gottes Wirken zu erwarten.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass diese Mönche, die "Wüstenväter" gerade am Übergang vom dritten auf das vierte Jahrhundert auftauchten. Es ist die Zeit, in der "da loszulassen" anerkannt wird, bald wird Kaiser Konstantin es quasi adeln. Und noch etwas später wird es Staatsreligion. Kann eine Staatsreligion Salz und Licht sein?
So entsteht langsam das Mönchtum – ein Gegenpol. Und zwar einer, der seine Salzkraft aus dem Gebet zieht, aus der Innerlichkeit. Aus der Beschäftigung damit, was da eigentlich in mir los ist, mit meiner Lieblosigkeit – und dem Zulassen der Liebe Gottes. Einfach so, im Dasein.
Wie erneuern wir die Kirche? Indem wir aufhören, irgendeine Kirche erhalten, erneuern, retten zu wollen. "Kirche", das ist in unserer Vorstellung doch immer mit einer bestimmten, historisch gewachsenen Gestalt verknüpft. Und auch "Erneuerung", das klingt doch immer, als wüssten wir, wo es hingeht!
Salz und Licht für die Welt werden. Das scheint mir eher das, was Jesus-artig ist. Der Welt guttun, die Menschen lieben – welche Gestalt Kirche dann haben wird, wird sich zeigen.
Und: Salz und Licht werden, nicht daran verzweifeln, dass wir es noch nicht sind.
Um die Konfirmandenzeit herum hatte ich einen Relilehrer. Ein freundlicher, lustiger, ernsthafter Mann. Er wurde irgendwann katholisch, Priester sogar.
Dieser Mann sagte mal zu unserer Klasse: "Ich würde nicht sagen, dass ich Christ bin. Ich versuche, Christ zu sein."
Kein fishing for compliments. Auch nicht tiefgestapelt. Sondern ein nüchterner Blick darauf, wie wir Menschen so sind.
Versuchen, ja. Nach jeder Enttäuschung über mich, nach jeder kollektiven Enttäuschung über uns als Kirche neu aufstehen, sich schütteln und weitergehen auf dem Weg Richtung "Salz und Licht". Die Formulierung "Ihr seid das Licht, ihr seid das Salz", die überlassen wir Jesus. Seine Zusage sieht unsere göttliche Herkunft und Zukunft. Er hat dieses "Ihr seid es!" damals schon Leuten zugesagt, die es nur versucht haben. Matthäus erzählt davon. Vom Petrus z.B., der in Todesgefahr behauptet, Jesus nicht zu kennen. Oder von zweifelnden Jüngern, als sie den Auferstandenen sehen.
Wenn ich das Gespräch mit dem pensionierten Kollegen-Bekannten-Freund heute noch mal führen würde, dann würde ich ihm gerne ein paar Sätze von Dietrich Bonhoeffer vorlesen., die ich wiederentdeckt habe. Sie stammen aus einer Zeit und einer Generation, die bodenloses Versagen von Kirche erlebt hat. Die sich zum Teil gemein gemacht hat mit dem Hitlerregime und vor allem nichts getan hat zum Schutz der Jüdinnen und Juden. Bonhoeffer steht bestimmt nicht in der Gefahr, unser Tun zu verklären. Aber er hat nicht ohne Hoffnung gelebt, dass es ein neues "Werden" geben könnte. Das Zitat klingt so.
"Wir sind aufgewachsen in der Erfahrung … es gebe ein Lebenswerk, zu dem der Mensch sich zu entschließen und das er dann mit ganzer Kraft auszuführen habe. Es ist aber unsere Erfahrung geworden, dass wir nicht einmal für den kommenden Tag zu planen vermögen, daß das Aufgebaute über Nacht zerstört wird … Unser Christ sein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen. Alles denken, reden und organisieren in den Dingen des Christentums muß neu geboren werden aus diesem Beten und diesem Tun."[1].
Es ist Abend geworden in Taizé. Langsam bedecken Menschen den Boden der Kirche – Bänke gibt es nicht, Stühle nur für die, die es gesundheitlich brauchen, der ganze Raum ist mit schlichtem Teppich ausgelegt. Wir knien oder sitzen. Geerdet, dem Kreuz und den Kerzen vorne zugewandt, umgeben von warmem Orange und Gelb und Rot der Wände und von himmelserinnerndem Dunkelblau.
Schmale Kerzen werden von Hand zu Hand gereicht. Sie geben das Licht weiter, bis tausende kleine Flammen schimmern. Und wir singen – Lieder in vielen unterschiedlichen Sprachen. Eines auf Tschechisch, übersetzt heißt es:
"Werdet Salz, Salz der Erde / und sucht den Schatz des Glaubens. Seid Licht, das Licht der Welt, das in der Dunkelheit leuchtet."
[1] Dietrich Bonhoeffer in: Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 429 - 435 in Auszügen.
Kommentare
Ein guter Text, der viele…
Ein guter Text, der viele kleine und große Fragen anschneidet. Einen "Kirchenhund" hatten wir eine Zeit lang, das war ungewohnt, aber er war sehr brav (und groß) und gehörte irgendwann dazu. Für Kinder haben wir eine Spielecke und wenn das Gekruschel etwas laut wird kann man die Glastür zumachen und zumindest weiß man, dass das Leben noch nicht zu Ende ist. Es ist auch normal, wenn sie während der Predigt dahin verschwinden und zum Abendmahl wiederkommen. Einen Kindergottesdienst ersetzt das natürlich trotzdem nicht. Was ist vom Aufbruch geblieben? Vielleicht nicht soviel wie erhofft angesichts einer Schrumpfung, die teilweise erschreckt. Aber viele Lieder aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts stehen heute recht prominent neben Paul Gerhard im Kanon. Sie erzählen wie alle Kirchenlieder nicht nur von Gott sondern auch ihrer Zeit. Wir haben zwar keine Band, aber andernorts gibt es sie und neben Taizé, Iona, Kinderabendmahl und Valentinstagssegen sind auch andere offene Formen in den bisweilen sehr starren Ablauf eingeflossen. Geschadet hat es sicher nicht. Man kann die Sache auch anders betrachten: Ist es nach dem unendlichen Leid, den umstürzenden technischen und kosmologischen Erkenntnissen des 20, Jh. nicht eher verblüffend, dass Menschen sich noch regelmäßig versammeln um jahrtausendealten Worten der Vorfahren zuzuhören, jahrhundertealte Lieder zu singen? Und vor allem, dass sie sich zu diesem Zweck Sonntags aus dem Bett quälen? Misst sich christlicher Erfolg wirklich primär in Gottesdienstbesuchszahlen oder nicht eher der Stimmung der Veranstaltung? Ich finde, dass sich das geändert hat. Früher gab es die Spezialgottesdienste mit viel Drive, aber am Standardsonntag ging es oft sehr ernst zu und nachher ging man ernst nach Haus. Heute wird fast immer nach der Kirche noch geredet, und auch wenn auch jetzt nicht jede Predigt sensationell ist, so gibt es fast immer sehr innige Momente und ich glaube die Leute im Raum merken das. Viele kommen wieder und man weiß auch, dass man in dem kleinen Haufen einen Unterschied macht: Wenn man selber fehlt wird der Gesang dünner, es fehlt jemand zum Bücher einsammeln, Geschirr wegräumen, lesen oder zuhören - irgendetwas davon kann jeder leisten. Die kleine Schar befördert die Treue und die Sehnsucht. Keiner weiß wie es in ein paar Jahren sein wird, wenn die Boomer nicht mehr da sind, die Mittel beschränkter, aber da fällt der Text von den Vögeln auf dem Felde ein (Matthäus 6,26). Dass Pfarrer, die ja nicht nur aus Freude sondern Berufung da sind, sich bekümmern, ist verständlich. Wir als "Fußvolk" können Euch leider auch nicht sagen wie es sein wird, aber es ist gut, dass es Euch heute gibt.