Guten Morgen. Was haben ein bunter Blumenstrauß, ein fester Händedruck und ein frisch gepflanzter Baum gemeinsam?

Sie alle sind Zeichen!

Bei den Blumen da sehe ich vor mir, wie Menschen stumm in einer Reihe stehen und warten. Eine schier endlos lange Schlange. Fast alle halten Blumen in der Hand/den Händen, Rosen in allen Farben, Nelken und bunte Blumensträuße. Der Blick gesenkt, bloß kein falsches Wort. Hunderte sind zum Grab des russischen Oppositionspolitikers Alexsej Navalny gekommen. Trotz angedrohter Sanktionen und Verhaftungen "Gefühlt war für jeden von uns ein Polizist vor Ort", erzählt mir ein Mann, der dabei war. "Deswegen gab es kein einziges kritisches Wort, denn alle wussten, dass dann sofort eingeschritten würde." Aber Blumen - gegen (die) Blumen kann die Polizei nichts unternehmen, und so werden sie zum strahlenden Zeichen der Trauer und des Widerstandes gegen Unterdrückung und politischen Mord. Keine Worte. Nur Blumen. Jeder dort versteht dieses Zeichen.

Ein Händedruck, genauer, der Händedruck von/zwischen Staatsoberhäuptern: Die Medien beobachten genau, wer wem wann und wie lange die Hand gibt. Legendär: Emmanuel Macron, der 2017 auf dem Natogipfel die Hand von Donald Trump schier nicht mehr loslässt. Trump und Macron in einem fast "kraftvollen Wettbewerb" im Händedrücken – ungewöhnlich lang, sichtbar angespannt, beide mit festem Griff. Macron sagt später, er habe Stärke zeigen wollen. Ganz anders: Angela Merkel bei Donald Trump/beim amerikanischen Präsidenten im gleichen Jahr: Während eines Fototermins fordern Fotografen einen Händedruck. Merkel wendet sich fragend an Trump – dieser reagiert nicht, schaut geradeaus. In so einem Händedruck sehe ich, wie es um die Beziehung zweier Politiker so steht… Wie eine zeichenhafte Handlung.

Und der Baum: Vor etwa acht Jahren feiern über 700 Leute ein Fest. In Bonyhad, in Ungarn. Es ist ein Partnerschaftsfest. Die Gäste kommen aus der evangelischen Kirche in Bayern, die Gastgeber aus Ungarn. Es soll in Richtung Zukunft gehen. Es soll etwas wachsen. Darum pflanzen sie bei diesem Fest einen Baum. Tief in Ungarn steht der nun und ist schon ganz schön groß geworden. Der Baum der bayerisch-ungarischen Kirchenpartnerschaft.

Der Mensch – ein Zeichendeuter

Drei Zeichen und ich kann gar nicht anders: Ich deute (sie), lese (sie) und verstehe sie – vermutlich richtig. Wenn ich genauer nachdenke, dann merke ich: Ich bin eigentlich den ganzen Tag damit beschäftigt, Zeichen zu deuten: Die rote Ampel bedeutet "halt", das kleine Symbol auf dem Handy zeigt die eingegangene Nachricht. In der U-Bahn mir gegenüber sitzt ein Mann, der wippt die ganze Zeit mit dem Knie, und ich denke und deute: Anspannung? Stress? Der rote Abendhimmel verspricht einen sonnigen nächsten Tag.

Ich bin ich eigentlich non-stop damit beschäftigt, all die kleinen und großen Zeichen um mich herum zu deuten.

Schon früh in der Geschichte der Menschheit hing davon das Überleben ab. Ein dunkler Himmel ist für unsere Vorfahren nicht nur Wetter, sondern Warnung. Ein Tier, das sich anders verhält als sonst, kann auf einen nahenden Waldbrand hinweisen. Die Natur schickt Zeichen – und wer aufmerksam ist, bekommt überlebenswichtige Hinweise. Dank solcher Zeichen haben die Menschen ihr Wissen immer mehr erweitert, bis hin zur Entstehung der modernen Wissenschaften. Menschen suchen seit jeher Klarheit für Entscheidungen, eine Richtung zum Weitermachen, eine Bestätigung, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Mit der Natur, im Leben – und auch gegenüber Gott.

Wir Menschen sind also durch und durch Zeichen-Deuter. Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet, Muster zu erkennen und zu interpretieren. Schon Babys reagieren auf Gesichter, auf ein Lächeln oder auf ein Geräusch.

Biblische Zeichen – eine Entscheidungshilfe?

Das Alte Testament erzählt viele Geschichten, in denen Menschen auf Zeichen hoffen. Eines davon ist heute zum Friedenssymbol geworden - weltweit – die weiße Taube mit dem/einem Zweig im Schnabel: In der Geschichte von der Arche Noah fliegt sie aus und kehrt mit einem frischen Ölzweig zurück. Hoffnung nach der Katastrophe. Land in Sicht, neues Leben. Aber bei diesem an sich so klaren Zeichen schwingt ein Zögern mit: Noah wartet ab, er schickt die Taube erneut hinaus, und erst als sie dann nicht mehr wiederkommt, ist er endgültig sicher: Die Sintflut hat ein Ende. Jetzt ist es Zeit, neu zu beginnen.

Und dann ist da Gideon, nicht so bekannt wie Noah. Gideon ist eine wichtige Person im Alten Testament: Als Richter in Israel ist er quasi ein führender Politiker und Feldherr, und er muss die entscheidende Frage klären: Soll er losziehen und sein Volk gegen die Feinde verteidigen? Ja oder nein? Eine klassische "Should I stay or should I go"-Situation, gehen oder bleiben, oft genug selbst erlebt. Soll ich zur Feier gehen, oder absagen? Soll ich eine Beziehung beenden, oder um sie kämpfen? Soll ich den medizinischen Eingriff machen, oder nicht? Ja oder nein?

Gideon will ein Zeichen von Gott, und er überlegt sich dafür einen spannenden Versuchsaufbau: Auf dem sandigen Boden legt er ein Vlies, also ein Schaffell, aus. Dann bittet er Gott, dass das Fell am nächsten Morgen nass vom Tau sein solle, die Umgebung darum aber trocken. Am nächsten Morgen findet er das Vlies nass und den Boden drumherum trocken vor, also, klare Bestätigung seiner Mission. Aber um ganz sicherzugehen, bittet Gideon Gott um eine weitere Bestätigung, dieses Mal andersrum: Fell trocken, Umgebung nass. Und so ist es am nächsten Morgen. Genug Zeichen. Jetzt ist Gideon überzeugt.

Ich verstehe Noah und Gideon so gut! Ich habe auch schon oft nach einem Zeichen gesucht, um zu wissen, was ich tun soll. Einmal ging es um zwei Arbeitsstellen, die ich zur Auswahl hatte. Zwei Bewerbungsgespräche innerhalb einer Woche: Auf dem Weg zum ersten Termin verläuft alles reibungslos. Der Zug kommt pünktlich, ich finde den Besprechungsraum sofort, ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ganz anders der zweite Termin. Schock beim Blick auf die Bahn-App: Der geplante Zug entfällt, "eingeschränkte Fahrzeugverfügbarkeit". Beim verpassten Anschluss in Nürnberg stehe ich am Gleis und denke mir: Irgendwie soll das alles nicht sein. Die Zeichen scheinen gegen mich zu stehen. Das ist wohl nicht der richtige Job für mich.

Die britische Band U2 hat dieser Suche nach Zeichen ein musikalisches Denkmal gesetzt. Alles hat der Sänger versucht, aber noch nicht gefunden, wonach er gesucht hat. Auf Englisch singt er: "Still haven´t found what I´m looking for"…

Gibt Jesus ein Zeichen?

Manchmal, da brauch ich einfach ein Zeichen, "um zu sehen und zu glauben". Um zu wissen, was gut und richtig ist. Um eine Ahnung zu kriegen, wie es weitergeht.

Eine berühmte Jesus-Geschichte vom Zeichen-Deuten lese ich im Johannesevangelium. Da macht Jesus 5000 Menschen satt - mit fünf Broten und zwei Fischen. Wie auch immer das zugegangen sein mag, wahrscheinlich muss man dabei gewesen sein…

Echt passiert oder ein Zeichen? Und was heißt das nun? Auch die die dabei gewesen sind, wundern sich – klar. Was bedeutet das? Sie fragen nach. Ich stelle mir vor, dass vielleicht ein paar Älteste und besonders erfahrene Menschen vorgeschickt wurden zu Jesus. Nur mit der einen Frage:

"Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht: "Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen." (Joh 6,30-31)

Ich höre hier eine ähnliche Unsicherheit heraus, wie bei Gideon, der gleich zwei Zeichen fordert, oder wie bei Noah, der der Taube erst traut, als sie wirklich nicht mehr zurückkommt. Da sind diese 5000 Menschen. Erleben diese wunderbare Speisung und alle kennen die alte Geschichte, wie Manna vom Himmel regnet. Zur Zeit von Mose in der Wüste. Doch hier bei Jesus ist irgendwie alles anders. Es passt nicht ins gewohnte Schema. Ich glaube, darum fragen die Jünger: "Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben?"

Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. (Joh 6,32-35)

Ich bin das, sagt Jesus, ich bin das Brot des Lebens! Ich bin das selbst. Nicht nur ein Zeichen… ein in Als-ob……. Ich schicke euch keine Zeichen, ich bin selbst das Zeichen! Ihr müsst nichts deuten, euch umständlich erschließen. Nur euren Hunger spüren. Und dann: Kommt einfach.

Ein entscheidender Unterschied

"Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten."

Nicht die Taube, nicht das Schaffell auf dem Boden oder sonst ein Zeichen - Christus selbst schenkt sich. Er schenkt sich und schenkt mir dadurch Sicherheit im Leben. Er ist nicht der ferne Gott im Himmel, der seinen Jüngern – und mir auch – schwer verständliche Zeichen schickt. Ich erlebe in der biblischen Erzählung: Gott ist mir nahe. Die Menschen treffen Jesus mitten im Leben, sie sind gekommen, um gemeinsam zu feiern. Das Brot vom Himmel ist er selbst. Und dieses Wunder stillt meinen Hunger. Was mich daran so beeindruckt: Hier entsteht eine Beziehung, es wird richtig persönlich. Die Jünger fragen: Was wirkst du?

Jesus wirkt… Das ist seine Antwort. Schaut her, ich bin da! Hier. Mit mir könnt ihr reden, Fragen stellen, diskutieren. Ich mache euch satt.

Es geht um Jesus selbst: Gott als Mensch. Nicht das einzelne Zeichen, sondern der ganze Jesus ist das Zeichen. Der Mensch, der die Menschen trifft. In dem, was er tut oder lässt, was er spricht oder wie er handelt. Das macht für mich den Unterschied: Ich erinnere mich zum Beispiel an Lehrer in der Schule, die einfach ihren Stoff durchgezogen haben. Die haben ihren Job gemacht, sicher nicht schlecht, aber in Erinnerung ist mir wenig geblieben. Und dann erinnere ich mich an Lehrerinnen und Lehrer, die anders waren: Sie haben sich für uns, die Schülerinnen und Schüler, interessiert, waren Vorbilder, Persönlichkeiten. Sie haben mir Dinge beigebracht, die eigentlich gar nicht Teil des Stoffes war: Wie zeige ich, dass mir der andere wichtig ist? Wie löse ich einen Konflikt? Denke ich auch an andere? Ich weiß noch, wie wichtig es einer Lehrerin war, dass am Ende der Stunde immer die Tafel perfekt geputzt war, damit die Kollegin danach das nicht machen musste. Ein anderer hatte diese besondere Gabe, Schüler nicht bloßzustellen, wenn die Antwort nicht kam oder man schlicht und ergreifend keine Ahnung hatte. Irgendwie konnte er unterscheiden zwischen der Tatsache, dass jemand nicht antworten konnte, und dem Schüler als Menschen, der da vor ihm saß. Diese Lehrer haben mir gezeigt: Macht und Autorität können freundlich sein – und der Lernstoff ist nicht immer das Wichtigste, was Schülerinnen und Schüler lernen…

Solche Zeichen-Menschen sind mir in meinem Leben immer wieder begegnet, und das waren gar nicht immer die großen charismatischen Führungspersönlichkeiten. Manchmal heißen Sie einfach nur Claudia. Ich habe vor ein paar Jahren als Pfarrer in einem ärmeren Vorort von Santiago de Chile gelebt. Dort, neben der großen Metropole, wohnten all die Arbeiterinnen und Arbeiter. Dienstags zum Seniorenkreis kam immer eine Dame: Claudia. Sie erzählt, wie sie in Zeiten der Militärdiktatur von Pinochet mit ihren Kindern daheim am Küchentisch "Demokratie" gespielt hat. Sie war durch und durch davon überzeugt, dass die Diktatur nicht das letzte Wort behalten würde und dass endlich die ersehnte Demokratie anbrechen würde. Darauf wollte sie ihre Kinder vorbereiten und ihnen beibringen, wie man Entscheidungen trifft. So haben die Kinder gelernt, zu argumentieren und zu diskutieren. Mitten in einer von der Diktatur geprägten autoritären Gesellschaft steht dieser demokratische Küchentisch von Claudia. Dieser Mut hat sie nie verlassen. Sie hat ihn bei jeder Begegnung ausgestrahlt. Claudia ist für mich ein Zeichen, wie wichtig und wie kostbar Freiheit und Demokratie sind. Ihre Geschichte bleibt aktuell, vor Kurzem mahnend besungen von der chilenisch-mexikanischen Sängerin Mon Laferte. Der Kampf um die Demokratie muss jeden Tag neu ausgefochten werden. Sie singt: "Die von oben holen die Vorteile raus, während es mit der Gerechtigkeit auf und ab geht. Sie haben ihre Schlinge um unseren Hals, ein Leben wie auf Messers Schneide. Könnte mir mal jemand erklären, was passiert ist mit der Demokratie?"

Zeichen geben? Zeichen sein!

Liebe Hörerinnen und Hörer, eigentlich geht es doch immer wieder um die eine Frage: Wie wollen wir Menschen miteinander umgehen? Einander begegnen? Die Art der Begegnung macht den entscheidenden Unterschied.

Wussten Sie schon?[1]

Wussten Sie schon,

dass die Nähe eines Menschen

gesund machen,

krank machen,

tot und lebendig machen kann?

Wussten Sie schon,

dass die Nähe eines Menschen

gut machen,

böse machen,

traurig und froh machen kann?

Wussten Sie schon,

dass das Wegbleiben eines Menschen

sterben lassen kann,

dass das Kommen eines Menschen

wieder leben lässt?

Wussten Sie schon,

dass die Stimme eines Menschen

einen anderen Menschen

wieder aufhorchen lässt,

der für alles taub war?

(…)

Wussten Sie schon,

dass das Zeithaben für einen Menschen

mehr ist als Geld,

mehr als Medikamente,

unter Umständen mehr

als eine geniale Operation?

(…)

Wussten Sie schon,

dass Tun mehr ist als Reden?

Wussten Sie das alles schon?

(…)

Vor über 10 Jahren habe ich dieses Gedicht zum ersten Mal gehört. Heute merke ich, wie wahnsinnig aktuell es ist: Es kann doch nicht sein, wie oft in unserer Welt gerade die Begegnung Menschen tötet! In der Ukraine, im nahen Osten, oder bei uns wenig beachtet in Myanmar oder dem Sudan sterben Menschen durch die Hand des anderen. Und unendlich viele hungern oder wachen jeden Morgen mit der Angst auf, von einer Militärpolizei oder einer Drogengang aus dem Haus gezerrt zu werden.

Ja, das alles wussten wir schon, das alles wissen wir: Menschen tun einander Entsetzliches an, und Menschen tun einander gut. Daran erinnert Wilhelm Willms in seinem Gedicht.

Es liegt an uns, an unserer Art der Begegnung.

Jesus zeigt es, macht es vor. Er gibt, was Menschen zum Leben brauchen. Das ist genau das Gegenteil von Tod und Leid. Das ist ein Zeichen gegen Gewalt, Unterdrückung und Machtmissbrauch. Es stillt Hunger und Sehnsucht nach einem guten Leben.

Und ich? Ich höre Jesus auch zu mir sagen: "Ich bin das Brot des Lebens, wer zu mir kommt, der wird nicht mehr hungern noch dürsten". Was für eine Zusage, was für eine Einladung. Jesus ist Brot für mich. Das höre ich inmitten der Wirren dieser Welt und auch inmitten meines eigenen Versagens zu dem Thema – immer wieder. Weil ich nicht konnte oder nicht wollte, weil ich es nicht kapiert habe oder weil andere Sachen wichtiger waren. Die Geschichte erinnert mich an das Wesentliche: Für mich ist schon gesorgt, darum kann ich mich um andere sorgen. Brot kann man brechen und teilen, weitergeben an andere. Und Brot steht hier für alles, was wir Menschen zum Leben brauchen. Wie oft weiß ich, was mein Gegenüber braucht und gebe es nicht. Jesus gibt tausenden Brot in einer Welt, in der noch mehr Tausende hungern. Das ist der Weg, den er hier zeigt, das ist sein Zeichen. Dieses Brot ist ein Geschenk für mich und ein Auftrag, etwas daraus zu machen.

Das ist mehr als der simple Appell zum Teilen. Das hier ist größer. Es ist der Einsatz für eine Welt, in der echte Teilhabe kein Luxus für wenige ist. Wenn der Nachname/Klang des Namens immer noch über die Chancen bei der Jobsuche oder auf dem Wohnungsmarkt mitentscheidet, wenn sich Menschen mit Jüdischem Glauben nicht mehr überall in Deutschland sicher fühlen, dann stimmt da etwas nicht. Darum ist das Jesuswort so wichtig. Es ist ein Protestwort gegen jede Ungerechtigkeit.

Teilen, was wir haben, wie Jesus das Brot teilt. So lange die Welt so ist, wie sie ist, bleibt das ein brennend wichtiger Auftrag. Und dass niemand auf die Idee kommt, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Denn wenn es darum ginge, dann wäre die Geschichte ja damals beim Festmahl der 5000 einfach zu Ende gewesen: Die Anwesenden hätten gespeist, sie wären satt und selbstzufrieden, und wer nicht dazugehört hat, der blieb draußen. So war es nicht. Die Jüngerinnen und Jünger bleiben leidenschaftlich dabei: Teilen, was wir haben. Weitermachen. Im Sinne von Jesus. Zeichen setzen, Zeichen sein. Jeder und jede persönlich auf eigene Weise. Und manchmal zusammen.

 

[1] Wilhelm Willms, Der geerdete Himmel, Butzon& Bercker; Kevelaer 1974.