Menschen kreieren Vorstellungen, erkennen Probleme und entwickeln Lösungen für alles, was sie bewegt: für die Nahrung, die sie benötigen, für das Schöne, das sie anstreben, und für die Gefahr, vor der sie große Angst haben. Auch die kleinen Dinge des Alltags, die außerhalb unserer Macht liegen, können manche Menschen sehr beschäftigen.

Deshalb können sich Formen des Aberglaubens auf alles beziehen. Salz ist ein naheliegender Gegenstand, da es wichtig sein kann, Speisen haltbar zu machen, und weil Salz umso kostbarer wird, je rarer es ist.

In Büchern und Lexika, die sich mit der Herkunft solcher Formen des Aberglaubens befassen, werden Beispiele für den Aberglauben rund um das Salz ab der Neuzeit genannt. Es lassen sich Beispiele aus vielen Ländern finden.

Bekannt ist beispielsweise, dass versalzenes Essen auf ein Verliebtsein hinweisen soll. Es finden sich zahlreiche weitere Aussagen, darunter auch mancher Hokuspokus gegen böse Geister, denn Salz wird hier und da als Abwehrzauber eingesetzt. Für diesen Artikel wurden vor allem deutschsprachige Werke herangezogen, zudem wichtige Werke aus England und den USA sowie einige aus Frankreich.

Verschütten von Salz: Ärger und Streit?

Sehr weit verbreitet ist die Vorstellung, dass das Verschütten von Salz "Ärger, Verdruß, Zank und Streit nach sich zieht". Da diese Formen des Aberglaubens jedoch letztlich darauf beruhen, wie sich ein Individuum entscheidet, können viele Bestandteile sowohl als Glücks- als auch als Unglückszeichen verstanden werden und somit negativ oder positiv interpretiert werden.

Bisweilen wird in einem antwortenden Ritual eine Geste der Demut vermittelt, wobei das Gegenüber fehlt. Auch in der Traumdeutung wird auf Salz eingegangen.

In Deutschland behandelte bereits 1791 ein Buch solche Vorkommnisse, wobei dies wohl ironisch gemeint war: Wenn jemand bei Tisch das Messer auf die Gabel legte, sodass ein Kreuz entstand, war das demnach ein schlechtes Omen. Da dies Unglück bringen würde, wollte er eine "Messerspitze Salz hinzureichen, um das Unglück abzuwenden”. Dabei "stieß” er "unvorsichtig das Salzfass um”. Man riet ihm:  "Nehmen sie nur das Salz nicht wieder auf; das Unglück würde nur noch größer werden."

Verschüttetes Salz: Ein Glückszeichen?

In England gibt es hingegen Hinweise, die Salz mit Versöhnung und zukünftigem Wohlstand in Verbindung bringen. Für Malteser ist das Verschütten von Salz sogar ein Glückszeichen.

Bekannt sind in England aber anscheinend eher Bewertungen, die eine Furcht gegenüber dem Salz ausdrücken. So finden sich in einem Buch schon negative Beispiele aus den Jahren 1584, 1587, 1594 und 1652 sowie weitere für die Zeit danach. Mitte des 17. Jahrhunderts hieß es: "The falling of salt towards them at the table” sei ein "very unlucky omen”.

In den 1780er Jahren verbreitete sich in England und Deutschland die Einschätzung, dass man, wenn Salz verschüttet wurde, als spezifische Maßnahme Salz über die Schulter werfen sollte, um die eingebildete Gefahr abzuwenden. Unter anderem wurde geraten, Salz über die Schulter ins Feuer zu werfen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab jemand in der "National Encyclopædia” zu solchen Gedanken den kritischen Hinweis: "Very ominous of ill are the spilling of salt upon the dinner table, though it is a little uncertain as to whether the danger threatens the spiller or the person towards whom the condiment falls.” Wenige Jahre zuvor hatte es im "Larousse”, dem "Grand Dictionnaire”, für Frankreich geheißen, dass ein umgestürzter Salzstreuer und das auf dem Tisch verschüttete Salz ein Unglück vorhersagen würden.

Donald Trump liebt Salz

Solche Ängste beherrschen Menschen, auch mächtige Männer, weiterhin. Im jüngsten US-Wahlkampf konnte im deutschen Fernsehen ein Auftritt von Donald Trump als "Arbeiter” in einem Schnellimbiss betrachtet werden, bei dem er Salz verschüttete und sogleich Salz über seine Schulter nach hinten warf, sodass es auf den Boden fiel.

Er selbst kommentierte, dass er abergläubisch sei. Eine amerikanische Nachrichtenagentur zitierte ihn mit den Worten: "I love salt!” Es sei dazu erwähnt, dass auch andere US-Spitzenpolitiker durch abergläubische Ausrufe und spontane minimale Rituale in der Öffentlichkeit sichtbar geworden sind.

Übrigens sind Begründungen meist willkürlich gestaltet, warum es die eine Art von Angst vor einem bestimmten Pech gibt oder die andere, die Glück verheißt. Sie halten einem kritischen Blick auf Sinn und Logik in der Regel in keiner Weise stand. Dass gerade manches Zeichenhafte die Eigenschaft hat, etwas Wichtiges auszudrücken, das in der Zukunft geschehen soll, grenzt an eine fixe Idee. Es fehlt an sachlichen und selbstkritischen Überlegungen dazu, warum zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten andere Vorstellungen und Einschätzungen bevorzugt wurden und werden.

Innerhalb einzelner Werke der Spezialliteratur finden sich immer wieder offenkundige Widersprüche bezüglich der Formen des Aberglaubens und deren Ausprägungen. Berücksichtigt man andere Zusammenstellungen, so kann eine Unzahl an mehr oder weniger entgegengesetzten Annahmen herauskommen.

Das Salz der Erde

Wenn Christen als "Salz der Erde” wieder lebhaft und intensiv wirken, werden Menschen weniger in Versuchung geraten, sich Lebenshilfen dadurch zu verschaffen, dass sie merkwürdigen Zeichen – wie dem Stoff Natriumchlorid – einen Einfluss auf ihre eigene Zukunft zuschreiben.

Letztlich sind es schutzlose Menschen, die den von ihnen geschaffenen Gedanken hinterherlaufen, um sich entweder selbst zu erschrecken oder sich fälschlich in Sicherheit zu wiegen.