Während in vielen deutschen Wohnzimmern der Christbaum längst abgeschmückt ist, beginnt für Millionen orthodoxer Christ:innen erst jetzt die Weihnachtszeit. In Ländern wie Russland, Serbien oder Georgien – und auch für rund drei Millionen orthodoxe Gläubige in Deutschland – fällt das Weihnachtsfest meist auf den 6. und 7. Januar.

Der Grund dafür liegt nicht in einer anderen Theologie, sondern im Kalender.

Zwei Kalender, zwei Termine

Viele orthodoxe Kirchen richten sich bei der Berechnung kirchlicher Feiertage noch immer nach dem julianischen Kalender. Dieser wurde bereits im Jahr 45 vor Christus von Julius Cäsar eingeführt. Der heute weltweit gebräuchliche gregorianische Kalender entstand erst 1582, als Papst Gregor XIII. eine Reform beschloss, um Ungenauigkeiten des julianischen Systems zu korrigieren.

Seitdem liegen beide Kalender auseinander – derzeit um genau 13 Tage. Das bedeutet: Der 25. Dezember nach julianischer Rechnung fällt im gregorianischen Kalender auf den 7. Januar. Orthodoxe Kirchen, die an der traditionellen julianischen Zeitrechnung festhalten, feiern Weihnachten deshalb erst im Januar.

Andere orthodoxe Kirchen – etwa viele griechisch-orthodoxe, rumänische oder bulgarische Gemeinden – haben den gregorianischen oder einen sogenannten revidierten julianischen Kalender übernommen. Sie feiern Weihnachten am 24. und 25. Dezember, zeitgleich mit katholischen und evangelischen Christ:innen.

Wer feiert wann?

  • Am 6. und 7. Januar feiern unter anderem die Russische Orthodoxe Kirche, die Serbisch-Orthodoxe Kirche und die Georgisch-Orthodoxe Kirche Weihnachten.
  • Am 24. und 25. Dezember feiern dagegen die meisten griechisch-orthodoxen Gemeinden sowie viele orthodoxe Kirchen in Südosteuropa.
  • Ein Sonderfall ist die Armenisch-Apostolische Kirche, die Weihnachten traditionell am 6. Januar begeht.

Weihnachten nach Jahrzehnten des Verbots

In Russland hat das orthodoxe Weihnachtsfest eine besondere Geschichte. Nach der Oktoberrevolution von 1917 verboten die Bolschewisten religiöse Feiern. Weihnachten verschwand aus dem öffentlichen Leben, ebenso christliche Bräuche wie der Weihnachtsbaum. Stattdessen wurde der Jahreswechsel zum zentralen Familienfest erklärt. Viele Weihnachtstraditionen wanderten ins Silvesterprogramm – inklusive Geschenken, die nun "Väterchen Frost" brachte.

Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion durfte Weihnachten wieder offiziell gefeiert werden. Die Russische Orthodoxe Kirche blieb jedoch bewusst beim julianischen Kalender – auch als Zeichen der Abgrenzung von der als "gottlos" empfundenen Kalenderreform. Bis heute feiern viele Familien sowohl Silvester als auch das orthodoxe Weihnachtsfest im Januar.

Fasten, Liturgie und lange Nächte

Der orthodoxen Weihnachtsfreude geht eine lange Vorbereitungszeit voraus. In Russland dauert die Fastenzeit vor Weihnachten 40 Tage. Fleisch, Milchprodukte und Eier sind tabu, an bestimmten Tagen wird erst nach dem abendlichen Gottesdienst gegessen. Der Heilige Abend, der "Sochelnik", ist besonders streng: Erst wenn der erste Stern am Himmel erscheint, wird das Fasten gebrochen.

Traditionell beginnt das Fest mit einem langen nächtlichen Gottesdienst, der mehrere Stunden dauern kann und oft in einer Lichterprozession endet. Erst danach folgt das Festessen – häufig mit Kutja, einem süßen Brei aus Getreide, Honig, Mohn und Nüssen. In manchen Familien gehören zwölf Gerichte auf den Tisch, angelehnt an die zwölf Apostel.

Ein anderes Datum – dieselbe Botschaft

Ob am 25. Dezember oder am 7. Januar: Inhaltlich unterscheidet sich das orthodoxe Weihnachtsfest kaum von dem westlicher Kirchen. Gefeiert wird die Geburt Jesu Christi, die Menschwerdung Gottes – mit Gebet, Liturgie, Gemeinschaft und Hoffnung.