23.05.2018
500. Kirchenjubiläum

Die St. Jakobuskirche in Irmelshausen wird gerade aufwendig saniert

Weil beim Umbau einiges nicht beachtet wurde, wird die 500 Jahre alte St. Jakobuskirche in Irmelshausen seit Jahren in Abschnitten saniert. Das kirchliche Kleinod leidet beispielsweise unter einer zu schweren Turmkuppel. Ein Besuch auf der Baustelle.
St. Jakobuskirche in Irmelshausen
Pfarrerin Beate Hofmann-Landgraf in der St. Jakobuskirche in Irmelshausen

Die Kirche des kleinen Dörfchens Irmelshausen im Grabfeld ist gleich in mehrfacher Hinsicht besonders. Zum einen feiert sie dieses Jahr schon ihr 500-Jähriges, zum anderen beherbergt sie kunsthistorisch mehrere wertvolle Dinge. Etwa die einzige in den Urzustand zurückgebaute und bespielbare Orgel des Kulmbacher Orgelbauers Daniel Felix Streit. Oder mehr als 20 Grabmäler des fränkischen Uradelsgeschlechts der Familie von Bibra. Besonders ist aber auch ihr Äußeres. Denn St. Jakobus hat einen augenscheinlich sehr mächtigen Turm. Und genau dieser bereitet dem Kirchlein im 350-Seelen-Dorf aktuell schwerwiegende Probleme.

Pfarrerin Beate Hofmann-Landgraf ist bereits seit 1995 in Irmelshausen. Und seither eigentlich immer auch Bauherrin im Nebenberuf. Erst wurden die Epitaphien, der Innenraum und das Langhaus der Kirche statisch mit großem Aufwand saniert, 2007 die Orgel von 1712 instandgesetzt, und nun bis mindestens Ende 2018 der Turm bearbeitet - danach steht noch eine Außensanierung an. Die Kosten liegen bei 1,2 Millionen Euro. Geld, das die kleine Gemeinde selbst nie aufbringen könnte. Trotz der "Größe" hat sie sich dazu verpflichtet, 100.000 Euro beizusteuern mit allerhand Spendenaktionen. Über drei Viertel davon sind bereits beisammen.

Sanierung nötig wegen jahrhundertealter "Fehlplanung"

Die aufwendige Sanierung ist das Resultat einer "Fehlplanung" vor rund 300 Jahren. Damals pflanzte man dem Kirchturm eine doppelte welsche Haube auf, eingedeckt mit Schieferplatten. Davor hatte der Kirchturm ein gewöhnliches Satteldach - so wollten die damaligen Patronatsherren von Bibra die Kirche wohl repräsentativer und hübscher gestalten. Die Planer damals allerdings bedachten allerdings gleich mehrere Probleme nicht. Die Kirche samt Turm ist aus Doppelmauern gebaut - dazwischen wurde der Hohlraum aufgefüllt. Die doppelte welsche Haube sitzt aber nur auf dem inneren Mauerring und ist dafür eigentlich viel zu schwer.

Die Folge: Der Turm hat an vielen Stellen dicke Risse im Gemäuer, zudem beult sich das Gemäuer an mehreren Stellen mehr als einen viertel Meter heraus. Das gleiche lässt sich auch am Langhaus beobachten, erläutert Pfarrerin Hofmann-Landgraf und zeigt auf die sichtbaren Verformungen. In einem aufwendigen Verfahren werden nun in den Turm, wie schon am Langhaus, mit hohem Druck stabilisierende Mittel ins Gemäuer gepresst. Die Verformungen also werden bleiben, aber die Wände sind nun wieder stabil. Und der Turm, in den auch immer wieder Regen eingedrungen ist, wird durch die Baumaßnahmen nun schließlich genau davor gesichert.

Der Erhalt des kleinen Kirchleins hat schon einiges Geld gekostet. Aber es hat auch eine bewegte Geschichte. Nicht nur, dass in Irmelshausen schon wenige Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag reformatorisch gepredigt wurde - und zwar mit dem Segen des Patronats. Zur Zeit der deutschen Teilung war sie auch eine Art Leuchtturm. Denn Irmelshausen liegt nur 500 Meter Luftlinie von der Grenze entfernt - die Mutterkirche St. Urban im thüringischen Mendhausen sieht man vom Jakobusturm aus mit bloßem Auge. "An Weihnachten wurde zum Gruß ein beleuchteter Christbaum auf den Turm gesetzt - bis heute", erzählt die Pfarrerin.

Risse im Inneren des Turmes
Pfarrerin Beate Hofmann-Landgraf zeigt auf einen der vielen Risse im Inneren des Turmes der St. Jakobuskirche
St. Jakobskirche in Irmelshausen
Vor rund 300 Jahren wurde der St. Jakobuskirche ein neues, zu schweres Dach aufgesetzt, das dem Gemäuer stark zusetzt.
spätgotische Bildtafel
Kunsthistorisch ist die in diesem Jahr 500 Jahre alte Jakobuskirche in Irmelshausen besonders wertvoll. Auf der Rückseite des Altars findet sich eine spätgotische Bildtafel, die vermutlich aus der Vorgängerkapelle stammt und noch einmal wesentlich älter ist.
Modell der St. Jakobuskirche
Ein Modell zeigt, wie die St. Jakobuskirche in Irmelshausen ohne Gerüst aussieht. Es dient als Spardose für Spenden, die der Sanierung zugutekommen sollen.
Eingerüsteter Turm
Seit vielen Jahren wird die historisch wertvolle St. Jakokubskirche in Irmelshauses saniert, im Moment ist der Turm mit seiner welschen Haube dran.

Außerdem beherbergt die Kirche viel Einmaliges und Historisches. Etwa der einfach gehaltene Altar, der um 1627 entstanden sein soll und auf dessen Rückseite eine spätgotische Bildtafel eingelassen ist. Sie zeigt eine Madonna im Strahlekranz mit den knienden Stiftern und deren zehn Kindern. Vermutlich entstand das Bild um das Jahr 1290 und war bereits in der Vorgängerkapelle der St. Jakobuskirche angebracht. Die barocke, ums Jahr 1680 entstandene Kanzel besteht aus einem Polygonkorpus mit Schalldeckel, der achteckige Taufstein mit "geschrägtem Becken" stammt einem Kirchenführer zufolge etwa aus dem 16. Jahrhundert.

Finanziert wird die ganze Turmsanierung neben den Eigenmitteln der Gemeinde von der bayerischen Landeskirche, der politischen Gemeinde, dem Landkreis, diversen Stiftungen auch durch "Restgelder" aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm VI der Bundesrepublik. "Ohne diese 300.000 Euro hätte die Finanzierung nicht geklappt", betont Pfarrerin Hofmann-Landgraf. Das 500-jährige Bestehen von St. Jakobus am 17. Juni kann also munter gefeiert werden, mit hohem Besuch aus München. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat sein Kommen angekündigt und wird auf der historischen Kanzel predigen.

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