Was soll aus kirchlichen Gebäuden werden, die nicht mehr als solche gebraucht werden? Diese Frage treibt momentan viele evangelische Gemeinden in Bayern um, denn ab 2027 wird die Landeskirche nur noch Baumaßnahmen für etwa die Hälfte des Immobilienbestands bezuschussen. Für alle anderen Gebäude müssen die Gemeinden andere Finanzierungswege und neue Nutzungskonzepte finden. Ein Beispiel dafür, dass in dem Prozess auch architektonische Schmuckstücke zur Disposition stehen, ist die Regensburger St. Oswaldkirche. Doch an der Donau kommt zur komplizierten Suche nach einer sinnvollen Nachnutzung nun noch ein Streit zwischen Amtskirche und Förderverein.

Über 700 Jahre alt ist die direkt am Donauufer gelegene Oswaldkirche: 1290 als Stiftskirche erbaut, 1553 erstmals Stätte für einen evangelischen Gottesdienst, seit 2006 als Teil des Flächendenkmals "Regensburger Altstadt" Unesco-Welterbe. Doch die evangelische Innenstadtgemeinde hat mit der Dreieinigkeits- und der Neupfarrkirche zwei weitere historische Schwergewichte auf engstem Raum am Start - in St. Oswald finden deshalb keine Gottesdienste mehr statt.

Kirche verhandelt mit einem Interessenten

Weil die Kirche denkmalgeschützt ist, muss und soll sie aber trotzdem erhalten werden: Für rund drei Millionen Euro wurden - auch mit Mitteln von Freistaat, Bezirk Oberpfalz, Landeskirche und Stiftung Denkmalschutz - seit 2020 Fundament und Dachstuhl saniert. Doch im Innenraum geht seit 2023 nichts mehr voran: Laut dem Regensburger Dekan Jörg Breu soll erst ein Partner für die Nachnutzung gefunden werden, damit man das Geld für Infrastruktur, Energieversorgung, Schutzverglasung, Bestuhlung und vieles mehr passgenau investieren kann.

Einen Interessenten gibt es dem Vernehmen nach auch schon: Eine große öffentliche Einrichtung will laut Breu die Kirche als eine Art Kultur-, Bildungs- und Begegnungszentrum nutzen, ohne dass das Gotteshaus dafür entwidmet oder verkauft werden muss. Die Verhandlungen darüber ziehen sich - nicht unüblich bei solchen Vorhaben - schon seit Jahren hin. Um das mögliche Projekt nicht zu gefährden, will die Institution so lange nicht genannt werden, bis alles in trockenen Tüchern ist.

Früherer Kunstprofessor: "Barockes Juwel" modert vor sich hin

Dem Vorsitzenden des Fördervereins Dreieinigkeitskirche und St. Oswaldkirche, Hans-Christoph Dittscheid, dauert das alles zu lang. Der emeritierte Kunstprofessor sieht durch die langjährigen Verhandlungen und den damit verbundenen Baustopp eine Gefahr für das Kirchengebäude. Das "barocke Juwel" modere vor sich hin, monierte er in einem Schreiben vom November 2025 an die Mitglieder und Förderer seines Vereins, das dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt.

Es blieb nicht bei dem einen Schreiben: In einem Hin und Her zwischen dem Vereinsvorsitzenden und Kirchenvertretern wurden die Worte und Widerworte zunehmend unversöhnlich. Dittscheid stellte die Kompetenz der Dekanatsleitung infrage. Dekan Breu fühlte sich beleidigt und mit übler Nachrede verfolgt und schaltete "als Privatmann", wie er dem epd auf Nachfrage mitteilte, einen Anwalt ein. Anfang Februar erging eine Unterlassungsforderung an den Förderverein, weil der Vorsitzende Dittscheid in seinen Schreiben dessen Briefkopf genutzt hatte.

Ende April schickte auch die Gemeinde als Eigentümerin ein Anwaltsschreiben, Tenor: Dittscheid erschwere "mit seinen falschen Behauptungen die weitere Planung für die Nutzung der St. Oswaldkirche erheblich". Es handle sich um "massive Eingriffe in die Eigentumsrechte der Kirchengemeinde". In Auftrag gegeben hatte den Anwaltsbrief Thomas Koschnitzke, der als geschäftsführender Pfarrer der Innenstadtgemeinde satzungsgemäß Mitglied im Vorstand des Fördervereins mit seinen 49 Mitgliedern, darunter ehemalige Pfarrpersonen und Ehrenamtliche, ist. Oder besser gesagt war: Weil eine von ihm geforderte Vorstandssitzung nicht stattgefunden habe, sei er von seinem Amt als Vorstandsmitglied zurückgetreten, sagte er dem epd.

Vorstandsmitglied bittet, Klage fallen zu lassen

Zunehmend verzweifelt scheint derweil ein weiteres Vorstandsmitglied des Fördervereins zu versuchen, die Wogen zu glätten: Ulrich Landskron, früher Verwaltungsdirektor der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung Regensburg, hat nach eigenen Angaben Dekan Breu mehrfach schriftlich darum gebeten, die "Verhältnismäßigkeit" zu wahren und die angedrohte Unterlassungsklage gegen den Förderverein doch fallen zu lassen. Es sei "Unfug, dass die Kirche sich selbst bestreitet", sagte Landskron dem epd.

Natürlich sei man rechtlich gesehen ein selbstständiger Förderverein, "aber unsere Gelder sind Kirchengelder. Wir dürfen nichts anderes machen, als die Gelder für die Oswaldkirche und die Dreieinigkeitskirche auszugeben", sagt der Schatzmeister. Laut Satzung soll der Förderverein Mittel für die Durchführung von Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten einwerben. Tausende Euro seien inzwischen in die St. Oswaldkirche geflossen. "Wem nützt dieser Streit?", fragt Landskron. Nach epd-Informationen verfügt der Verein über ein stattliches Vermögen im mittleren bis hohen fünfstelligen Bereich. Die 1.249 Euro Anwaltskosten, die Dekan Breu vom Förderverein fordert, will Landskron davon jedenfalls nicht bezahlen.

Kommt es zur Gerichtsverhandlung?

Das juristische Verfahren der Unterlassungsklage geht unterdessen seinen Gang. Ob es zu einer Gerichtsverhandlung kommt? Und wenn ja: wann? Niemand weiß Genaueres. Was man allerdings weiß ist, dass die Verhandlungen mit dem Interessenten für die Nachnutzung der Oswaldkirche stocken. Und dass die Gemeinde als Eigentümerin die ausstehende Innensanierung mit schätzungsweise gut einer Million Euro alleine nicht stemmen kann. Eigentlich sollte die Oswaldkirche deshalb ins Eigentum der Gesamtkirchengemeinde (GKG) übertragen werden. Doch die winkt ab. Man übernehme St. Oswald nicht, "solange die Geschichte mit dem Förderverein nicht geklärt ist", sagte Dekan Breu dem epd. Er ist qua Satzung GKG-Vorsitzender.

St. Oswald, das barocke Kirchenschmuckstück am Donauufer mit seiner sehr bewegten protestantischen Geschichte, muss wohl auf seine Zukunft noch ein wenig warten.