Doch zunächst einmal hieß es Abschied nehmen: Abschied von der 1972 erbauten sogenannten "Behelfskirche", die über 50 Jahre zum geistlichen Zentrum der Gemeinde und zu einem Ort des Segens geworden ist. Das taten die Lainecker bereits zwei Tage zuvor in einem Dankgottesdienst mit Pfarrerin Stefanie Lauterbach. Viel gab es zu erzählen: Nachdenkliches und Kurioses, allerlei Wissenswertes und viele schöne Begebenheiten mit der liebgewonnen "Wohnzimmerkirche" in  Laineck. Am Epiphaniastag war nun der eigentliche Tag des Abschieds gekommen.

Abschied von der "Wohnzimmerkirche"

Noch einmal versammelte sich die Gemeinde in ihrer "Wohnzimmerkirche" – mit Wehmut, aber vor allem mit Dankbarkeit über die schöne neue Kirche wenige Meter weiter. Noch einmal wurde gemeinsam gesungen und gebetet, ehe Regionalbischöfin Berthild Sachs den Kirchenbau mit Altar, Ambo und Taufstein entwidmete.

"Das Fundament dieser Gemeinde reicht viel tiefer als der Grundriss dieser Kirche", so die Regionalbischöfin.

"Gott geht mit uns, wenn wir unsere alte Kirche verlassen, und die Gemeinschaft, die uns hält, und der Segen, der uns stärkt, nehmen wir mit." Schweigend und begleitet von den Sternsingern zog die Gemeinde schließlich gemeinsam mit den LiturgInnen hinüber zur neuen Kirche. Nach der feierlichen Schlüsselübergabe gaben die Sternsinger der neuen Kirche ihren Segen mit: "Christus mansionem benedicat" – "Christus segne dieses Haus" und die Gemeinde konnte – begleitet vom Posaunenchor – den Gottesdienst in ihrer neuen, hellen und lichtdurchfluteten Kirche fortsetzen.

"Gott braucht kein Haus, um darin zu wohnen, aber wir brauchen einen Ort, um Gott zu begegnen", betonte Eva-Maria Maurer, hauptamtliche Prädikantin in Laineck, und verwies auf den langen, mühevollen Weg, den die Lainecker gegangen sind.

Der lange Weg zum Kirchenneubau

Die ersten Überlegungen für den Bau einer "richtigen" Kirche gab es schon 2006, doch damals konnte die Gemeinde die nötigen Mittel noch nicht aufbringen. 2011 wurde schließlich unter dem damaligen Gemeindepfarrer Gottfried Lindner ein Kirchbauverein gegründet. Danach folgten unzählige Gespräche mit Behörden und dem Landeskirchenamt, bis endlich 2023 unter Gemeindepfarrerin Susanne Memminger grünes Licht für die Errichtung der neuen Kirche als multifunktionales Gemeindezentrum gegeben wurde.

Ja, der Bau einer Kirche ist in der heutigen Zeit wahrlich etwas ganz Besonderes, müssen doch landauf, landab immer mehr alte Kirchengebäude aufgegeben werden. Umso größer war deshalb die Freude der Lainecker, als die Regionalbischöfin die neue Epiphaniaskirche mit Altar, Ambo und Taufstein ihrer Bestimmung übergeben wurde. In den Mittelpunkt ihrer Predigt stellte Berthild Sachs das Tagesevangelium zum Epiphaniastag: die Erzählung von den drei Weisen aus dem Morgenland. Gott brauche keine Kirchen, um uns nahezukommen, und Christus keine Kathedrale, um zur Welt zu kommen.

Die neue Kirche als Ort von Glaube und Gemeinschaft

Aber wir Menschen brauchen Orte der Gemeinschaft im Glauben, Orte der Andacht, der Verkündigung, der Stille und der Musik. "Schon der Stall von Bethlehem, so könnte man es verstehen, wurde ja zu einer allerersten Kirche, in der sich eine spontane Gemeinde aus Tieren und Hirten um Maria, Josef und das Kind in der Krippe versammelt hat."

So wie einst die Weisen aus dem Morgenland habe auch diese Gemeinde sich aufgemacht, um "ihn anzubeten" und "ihre Schätze aufzutun": Zeit und Leidenschaft, Humor und Resilienz, Glaube und Begeisterung, Engagement und Spendenbereitschaft. "Die Einweihung Ihrer Epiphaniaskirche heute ist nicht nur Zielpunkt eines jahrzehntelangen Ringens und Betens und Arbeitens", sagte Sachs, "sie ist auch Beginn eines neuen Weges, den Gott mit Ihnen als Gemeinde, mit den Menschen hier in Laineck gehen will."

Am Ende standen wohl bei allen BesucherInnen mehr die Dankbarkeit als die Wehmut im Vordergrund, und so konnten die Lainecker an diesem Tag auch noch weiterfeiern: mit einem Empfang, einem Dankgottesdienst am Nachmittag und schließlich am Abend mit einem Konzert der Austropop-Band Ö-Drei.