Die evangelische Theologin Margot Käßmann will sich auf der Autobahn künftig an die Tempo-100-Empfehlung ihrer Kirche halten.

"Ich bin dabei. Für das Klima. Um Verkehrstote zu reduzieren. Um der größeren Entspannung beim Fahren willen",

schrieb die frühere hannoversche Landesbischöfin in ihrer Kolumne für "Bild am Sonntag".

Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatte bei Ihrer Tagung Anfang November ein freiwilliges Tempolimit als Beitrag zum Klimaschutz beschlossen. Demnach sollen Kirchenmitarbeiter auf Autobahnen künftig nicht schneller als 100 und auf Landstraßen nicht schneller als 80 Stundenkilometer fahren.

Margot Käßmann bezieht Stellung

Die Entscheidung sei gut, denn die Kirche solle beim Klimaschutz vorangehen, erklärte Käßmann. Gleichzeitig machte sie klar, dass sie sich anfänglich Fragen zur Außenwirkung gestellt hat: "Aber wie kommt es wohl an, wenn ich jetzt mit 80 über die Landstraßen von Niedersachsen fahre? Vielleicht sollte ich so einen Fisch an meinem Auto anbringen. Dann sagen die Leute: Ach, die tuckert so langsam, weil sie von der Christenfraktion ist."

Es gehe aber um ein Signal an die Politik, betonte die Theologin: "Wir machen das einfach." 1973 habe sie selbst während der Ölkrise die autofreien Sonntage und Tempo 80 auf Landstraßen erlebt, schilderte die frühere EKD-Ratsvorsitzende.

"Das war ein Gefühl von: Lasst es uns wuppen!"

Schon damals habe es Widerstand von der Autolobby gegeben, die freie Fahrt für freie Bürger gefordert habe. "Aber Bürger haben auch die Freiheit, eigenständig das Tempo zu drosseln", unterstrich die frühere Bischöfin.

Beschluss der Synode zum Tempolimit

Nach kontroverser Debatte hatte die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Anfang November die Entschließung veröffentlicht, wonach sie politische Bemühungen um ein allgemeines Tempolimit auf deutschen Straßen unterstützt. Dieses solle höchstens 120 Kilometer pro Stunde betragen, hieß es. Auch das freiwillige Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen bei Fahrten im kirchlichen Kontext war in diesem Zuge beschlossen worden.

Der Entscheidung war eine rege Debatte gefolgt.