17.04.2020
Beschränkungen wegen Coronavirus

Kirchen setzen beim Gottesdienst-Verbot auf Gespräch mit Ministerium

Die Kirchen in Deutschland fordern eine Lockerung der Corona-Beschränkungen auch für Gottesdienste. Sie erhoffen sich ein Entgegenkommen der Bundesregierung in den am Freitag (17. April) stattfindenden Gesprächen mit christlichen, jüdischen und muslimischen Religionsgemeinschaften.
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Bei den Aufnahmen zum Abendmahlslied für Gründonnerstag: In der Kammersteiner Auferstehungskapelle wurde mit weit geöffneten Türen gedreht, sodass alle voneinander weg singen.

Der Kirchenrechtler Hans Michael Heinig sagte dem Sonntagsblatt, er sei skeptisch, ob angesichts der Öffnung beispielsweise von Modeboutiquen ein fortgeltendes pauschales Verbot religiöser Versammlungen den Anforderungen des Grundgesetzes genüge.

Die beiden großen Kirchen in Bayern sind zuversichtlich, im Gespräch mit dem Bundesinnenministerium eine gute Lösung für eine Lockerung des aktuellen Gottesdienst-Verbotes zu erreichen. Ein Sprecher des Erzbistums München sagte am Donnerstag, man sei sich als Kirche der Verantwortung für die Gesundheit der Menschen angesichts der Corona-Pandemie bewusst. Zugleich wünsche man sich natürlich, bald wieder öffentliche Gottesdienste feiern zu können. Mehr könne man mit Blick auf die Gespräche am Freitag aber nicht sagen.

Heinrich Bedford-Strohm seigt sich zuversichtlich

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hatte sich bereits am Mittwochabend in seiner Funktion als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geäußert: Er zeigte sich zuversichtlich, in den Gesprächen mit der Bundesregierung eine Lockerung des Gottesdienst-Verbotes zu erreichen.

"Welche Formen es gibt, wieder Gottesdienste in den Kirchen zu feiern, ohne neue Ansteckungsrisiken zu verursachen, werden wir in den nächsten Tagen mit der Bundesregierung besprechen", schrieb Bedford-Strohm am Mittwochabend auf seiner Facebook-Seite.

Das Erzbistum Bamberg verwies auf eine Äußerung von Erzbischof Ludwig Schick vom Mittwochabend. Auf Facebook schrieb der Theologe: Wenn das Versammlungsverbot gelockert wird, freuen wir uns und wollen daran teilhaben. Gemeinsames Beten, Singen, Hören und Schweigen tue den Menschen gut und sei somit auch systemrelevant.

Zugleich schrieb er: "Wir müssen alles tun, um die Pandemie einzudämmen." Dazu verpflichte die Nächstenliebe. Aus dem Bistum Würzburg hieß es, man begrüße es sehr, dass Ministerpräsident Markus Söder (CSU) öffentliche Gottesdienste ab Mai wieder für möglich halte.

Kritik von Georg Bätzing

Der ernannte Augsburger Bischof Bertram Meier verwies auf die Stellungnahme des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Dieser hatte das Festhalten von Bund und Ländern am Gottesdienst-Verbot zur Eindämmung der Corona-Pandemie angesichts erster Lockerungen in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens kritisiert. Meier sagte, man teile die Enttäuschung vieler und hoffe, das bei den Gesprächen am Freitag eine für alle Seiten einvernehmliche Lösung erzielt werden kann.

Bund und Länder hatten sich am Mittwochabend darauf geeinigt, die Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie größtenteils bis zum 3. Mai verlängern. Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen und Synagogen sowie religiöse Feierlichkeiten und Veranstaltungen sollen demnach weiter nicht stattfinden. Am Freitag will das Innenministerium mit Vertretern von Religionsgemeinschaften über die Einschränkungen im religiösen Leben sprechen. Merkel betonte, dass Bund und Länder das Gespräch mit den Kirchen suchten und wüssten, dass wir gemeinsame Lösungen finden müssen.

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