12.07.2018
Interview mit Bestsellerautor Manfred Lütz

Kirchengeschichte: »Man muss genauer hinschauen«

Die Geschichte des Christentums wird oft falsch dargestellt. Das beklagt der Chefarzt und Bestsellerautor Manfred Lütz. In seinem neuen Buch »Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums« stellt er – in Zusammenarbeit mit dem katholischen Kirchenhistoriker Arnold Angenendt – Falschinformationen über Ketzerverfolgungen, Kreuzzüge und Hexenverbrennungen richtig. Betreibt er Schönfärberei? Darüber hat Karsten Huhn mit Manfred Lütz gesprochen.
Die Eroberung Jerusalems durch die christlichen Kreuzritter am 15. Juli 1099 (Émile Signol, 1847).
Die Eroberung Jerusalems durch die christlichen Kreuzritter am 15. Juli 1099 (Émile Signol, 1847).

 

Herr Lütz, Ihr neues Buch hat die Bestsellerliste gestürmt und zugleich Furor bei Theologen, Historikern als auch Philosophen ausgelöst …

Manfred Lütz: … aber auch freudige Zustimmung. Die Reaktionen waren jedenfalls spannend. Wenn Sie den aktuellen Forschungsstand über Bäume oder Bienen populär darstellen, reagieren die Leute nach dem Motto: »Oh, interessant! Das wusste ich ja gar nicht.« Wenn Sie genau dasselbe über das Christentum machen, gibt es oft nicht rationale, sondern emotionale Reaktionen.

 

Der evangelische Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf schrieb in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Ihr Werk: »Für anspruchsvollere Leser ist das Buch gerade wegen dieser Simplizität ungenießbar.«

Lütz: Graf verwendete für seine Rezension frei erfundene Zitate. So etwas ist mir wirklich noch nie passiert. Nachdem die FAZ darauf hingewiesen wurde, hat sie die Rezension im Internet zurückgezogen und eine Richtigstellung veröffentlicht.

 

Toleranz ist eine christliche Erfindung.

 

Graf stieß sich unter anderem daran, dass Sie in Ihren Dankesworten auch Ihren Barbier erwähnen: »Und wie üblich hat es mein Friseur kontrolliert, damit alles allgemeinverständlich, locker und lesbar bleibt.«

Lütz: Ich danke in meinem Buch auch Historikern wie Professor Christoph Markschies und Professor Heinz Schilling, die es gegengelesen haben. Dass Graf die Nennung meines Friseurs kritisiert, zeigt ein Problem von Theologen wie ihm. Sie haben es sich gemütlich im Elfenbeinturm eingerichtet, halten es für intellektuell anspruchsvoll, wenn sie niemand mehr versteht, und verachten jeden, der nicht erfolgloser ist als sie. Natürlich braucht man Fachsprache für Fachdiskussionen, aber was an solchen Diskussionen relevant ist, das muss man auch in normalem Deutsch sagen können.

 

Auch Atheisten kritisierten Ihr Buch: Professor Rolf Dietrich Herzberg von der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung schreibt in einem offenen Brief an Sie: »Ihr Versprechen, ›der Skandalgeschichte des Christentums vorurteilsfrei mit dem Skalpell der Wissenschaft zu Leibe zu rücken‹, das lösen Sie nicht ein. Statt die Arroganz, die geistige Enge und wissenschaftliche Rückständigkeit, die Intoleranz und die Absurdität mancher Glaubenssätze der katholischen Kirche anzuprangern, bieten Sie (…) nichts als Apologie, Beifall und Irreführung.«

Lütz: Wie Graf ist auch Herzberg nicht vom Fach. Fachleute wie Hans Maier haben das Buch sehr wertschätzend rezensiert. Ich war eigentlich gespannt auf substanzielle Kritik, bisher gab es da aber nur ziemlich platte Polemik. Den Vogel hat da die Giordano-Bruno-Stiftung Sektion Mittelrhein-Koblenz abgeschossen, die mir ein Paket mit 100 Kotzschalen schickte. Ich habe der Giordano-Bruno-Stiftung eine argumentative Debatte angeboten und bin mal gespannt, ob die das schaffen. Das Buch ist weder eine Apologie noch eine Kriminalgeschichte des Christentums, die gibt es ja schon. Es schildert die sogenannten Skandale der Christentumsgeschichte auf dem heutigen Stand der Wissenschaft. Und da gab es auch wirkliche Skandale, und die werden klar benannt. Das Problem ist aber heute, dass die Christen selber sich sicherheitshalber für ihre eigene Geschichte schämen – ohne sie zu kennen. Manch ein Professor redete im Studium nach dem Motto: »2000 Jahre ist die Kirche in die Irre gegangen, und dann kam ich, der Professor.« Da kann doch ein gescheiter Atheist nur antworten: »Dann warten wir mal 2000 Jahre ab, ob es jetzt besser wird.« Die Christen glauben an die Menschwerdung, das heißt an die Geschichtewerdung Gottes. Und wenn das alles Mist war, dann ist das Christentum definitiv diskreditiert. Deswegen müssen alle Christen aus meiner Sicht das Buch lesen oder wenigstens das Ursprungswerk von Arnold Angenendt »Toleranz und Gewalt«. Denn jeder Christ muss Rechenschaft von seinem Glauben abgeben können.

 

Hans Baldung Grien - Hexensabbat (Ausschnitt) - kolorierter Holzschnitt, 1510/23
Hexensabbat - eine nackte Frau mit gespreizten Beinen, ein Ziegenbock, Rauchwolken: So sieht eines der bekanntesten und rätselhaftesten Bilder des Malers Hans Baldung Grien aus. Der 1484 oder 1485 in Schwäbisch Gmünd geborene und 1545 in Straßburg gestorbene Künstler war der bedeutendste Schüler Albrecht Dürers. Er hat ein umfangreiches Hexen-Oeuvre hinterlassen. Acht Zeichnungen, zwei Holzschnitte und ein Gemälde Baldungs haben das moderne Hexen-Bild nachhaltig geprägt (Ausschnitt aus einem kolorierten Holzschnitt, 1510). Der Hexenwahn war zwar eine mörderische europäische Katastrophe. Dass er Millionen Opfer forderte, gehört jedoch zu den Fake News, die über das Christentum in Umlauf sind.

 

Der Hexenwahn war eine mörderische europäische Katastrophe. Dass er Millionen Opfer forderte, gehört zu den Fake News, die über das Christentum in Umlauf sind.

 

Warum schämen sich die Christen ihrer Kirchengeschichte?

Lütz: Weil sogar sie glauben, was unter anderem die Hitlers und die Honeckers an Fake News über das Christentum in die Welt gesetzt haben. Fragen Sie mal auf der Straße jemanden, wie viele Frauen in den Hexenprozessen zu Tode gekommen sind.

 

Vermutlich: Hunderttausende.

Lütz: Der Spiegel schrieb im Jahr 2000, es seien »eine Million Teufelsweiber«, die »Opfer der Frauenfeindlichkeit der Kirche« wurden, und auch das Konkurrenzmagazin Focus ging 2002 bei seinen Schätzungen in die Millionen. Die Millionenzahl hatte SS-Reichsführer Heinrich Himmler propagiert. Inzwischen geht die seriöse Hexenforschung von schrecklichen 50 000 grausam getöteten Frauen aus, die Opfer der weltlichen Justiz wurden. Es waren Christen, wie der Jesuit Friedrich Spee (1591-1635), die dazu beitrugen, die Hexenverfolgungen zu beenden. Im christlichen Mittelalter wurden keine Hexen verfolgt, Hexenglaube galt da als germanischer Aberglaube. Erst die Neuzeit hat seit dem 15. Jahrhundert Hexen verfolgt, und die letzte Hexenverbrennung fand im Jahre 1793 im aufgeklärten Preußen, in Posen, statt. Ehrlich gesagt, wusste ich das alles auch nicht, bis ich eben das berühmte Werk »Toleranz und Gewalt – Das Christentum zwischen Bibel und Schwert« von Professor Arnold Angenendt las …

 

… ein Foliant von 800 Seiten, mit über 3000 Fußnoten …

Lütz: Das Buch räumt nüchtern, seriös und wissenschaftlich fundiert mit zahlreichen Fehlurteilen über die Kirchengeschichte auf und gilt als Standardwerk. Ich fand, jeder Christ muss das alles wissen, und deswegen habe ich mehreren Verlagen vorgeschlagen, eine populäre Kurzfassung zu veröffentlichen, bis schließlich der Herder-Verlag mich fragte, warum ich das nicht selber machen wolle. Auf die Idee war ich gar nicht gekommen. Tatsächlich bin ich Theologe, habe mich ausführlich mit Kirchengeschichte befasst und schon ein paar Bücher geschrieben. Und so rief ich Arnold Angenendt an, der sofort begeistert war. Mit ihm zusammen habe ich dann diese ergänzte Kurzfassung geschrieben, dabei auch Texte von ihm übernommen, denn ich wollte ja wortgetreu seine fachhistorischen Bewertungen wiedergeben.

 

Krankenhäuser, Hilfe für Behinderte - Früchte des Mitleids

 

Angenendt ist katholischer Priester – also in der Sache befangen.

Lütz: Dann müssen Sie ihn mal kennenlernen! Ich habe selten einen so frei denkenden Menschen erlebt. Er zitiert in seinem Werk kaum Theologen oder Kirchenhistoriker, sondern vor allem säkulare Forscher. Warum soll denn ein Christ und gar ein Priester die Christentumsgeschichte fälschen? Er ist doch der Wahrheit verpflichtet, und muss womöglich strenger über Verfehlungen von Christen urteilen als über die Verfehlungen von Atheisten.

 

Was war Ihre überraschendste Erkenntnis?

Lütz: Dass Toleranz zum Beispiel eine christliche Erfindung ist. Eine steile These, gewiss. Und natürlich gibt es auch tolerante Hindus, Muslime und Buddhisten. Aber die Sprachgeschichtler sagen uns, dass der Begriff »tolerantia« im klassischen Latein bedeutete: Lasten tragen. Die Christen haben daraus gemacht: Menschen anderer Meinung ertragen. Darauf könnten Christen eigentlich stolz sein, doch kaum jemand weiß das.

 

Nur in der Praxis hat das nicht immer so gut geklappt.

Lütz: Doch! Es hat erstaunlich gut geklappt. Tausend Jahre lang haben die Christen Glaubensabweichler, also Ketzer, nicht getötet, im Gegensatz zu allen anderen Religionen. Und zwar wegen des Unkraut-Weizen-Gleichnisses (Matthäus 13, 24-30). Da sagt Jesus, man solle das Unkraut mit dem Weizen zusammen wachsen lassen und es nicht ausreißen. Das solle man Gott am Jüngsten Tag überlassen. Dieses Gleichnis hat Tausende von Menschenleben gerettet, immer wieder wurde es zitiert. Nur einmal, im Jahr 385, wurde in Trier der Ketzer Priszillian auf Drängen des Kaisers getötet. Vorher war der heilige Ambrosius von Mailand eigens zu Fuß nach Trier gelaufen, um das zu verhindern, aber es gelang ihm nicht. Daraufhin hat der Papst alle an der Entscheidung beteiligten Bischöfe exkommuniziert. Ein Paukenschlag! Jahrhundertelang, im gesamten ersten christlichen Jahrtausend, wurde nie mehr ein Ketzer getötet. All das wusste ich nicht, habe das erst bei Arnold Angenendt gelesen.

 

Wir brauchen eine Entmythologisierung des Atheismus.

 

Es gab also keine Ketzerverfolgung?

Lütz: Doch, und das war wirklich ein Skandal. Im Jahr 1022 ließ der französische König Robert in Orléans das gesamte Domkapitel als Ketzer hinrichten. Und damit begannen die ganz unchristlichen Ketzertötungen. Denn es widersprach ja einer ausdrücklichen Weisung Jesu. Doch auch die Zahlen, die über die Inquisition in Umlauf sind, halten den Ergebnissen der modernen Forschung nicht stand. All das muss man wissen, wenn man die geistigen Grundlagen unserer Gesellschaft verstehen will.

 

Der Philosophieprofessor Herbert Schnädelbach sieht das ganz anders. Er schreibt, Sie schrieben »wie ein Verschwörungstheoretiker«. Aus »Skandalrhetorik, erborgtem Renommee und fremden Federn der Wissenschaftlichkeit« machten Sie einen Bestseller.

Lütz: Schnädelbach ist ein spezieller Fall. Er hat im Jahr 2000 in der ZEIT einen Aufsatz unter dem Titel »Der Fluch des Christentums« veröffentlicht, der mit dem Ausruf endete: Das Beste, was das Christentum für die Menschheit tun könne, wäre, sich aufzulösen. Der Text war voller Fehler. Es gab eine heftige öffentliche Kontroverse darüber. Arnold Angenendt ist in seinem Buch Punkt für Punkt diesen Fehlern nachgegangen, sodass Schnädelbach nicht umhin konnte zuzugeben, dass Angenendt ihm, wie er gewunden formulierte, »einige optische Verzerrungen« nachgewiesen habe. Weil ich das in meinem Buch zitiere, ist er nun wütend und organisiert offensichtlich eine Kampagne gegen mich. Sachlich hat er nichts beizutragen, da kritisiert er eigentlich nur, dass ich einen Bestseller schreiben wollte. Ich finde, das Buch müssen auch alle Atheisten lesen, die die Wurzeln dieser Gesellschaft verstehen wollen.

 

Zu diesen Wurzeln gehören auch die Kreuzzüge.

Lütz: Die Kreuzzüge waren ein Skandal, aber sie waren keine »Heiligen Kriege« zur Verbreitung des Glaubens. Die frühen Christen waren Totalpazifisten und wären – wie wir heute – entsetzt gewesen, wenn sie gewusst hätten, dass eines Tages im Zeichen des christlichen Kreuzes Krieg geführt würde. Die Absicht des ersten Kreuzzugs war die Verteidigung der östlichen Christen, die dringend um Hilfe gegen die anstürmenden Türken gebeten hatten.

 

Vor 400 Jahren begann der Dreißigjährige Krieg. Ein Religionskrieg zwischen Katholiken und Protestanten.

Lütz: Auch da muss man genauer hinschauen. Sicher ist dieser Krieg ohne die Kirchenspaltung nicht erklärbar. Ähnlich wie derzeit in Syrien hat sich dieser Krieg jedoch verselbstständigt, und Deutschland wurde zu einem chaotischen Schlachtfeld europäischer Machtinteressen. Die Religion trat dabei in den Hintergrund. Zum Beispiel war das katholische Frankreich aus politischem Interesse die meiste Zeit mit den Protestanten verbündet.

 

Spiritueller Wiederaufbruch durch die tieffromme Reformation

 

Ihre Kritiker werfen Ihnen vor, die Kirche reinzuwaschen.

Lütz: Warum sollte ich? Dann würde ich mich doch selber belügen. Es werden alle Skandale, die wirklich Skandale sind, rücksichtslos benannt, aber wo die Wissenschaft zu anderen Ergebnissen gekommen ist als die üblichen Vorurteile, da zitiere ich die neuste Forschung. Es geht schlicht um Aufklärung. Doch das scheint für manche Atheisten ähnlich schmerzhaft zu sein wie die Aufklärung von Christen darüber, dass es den heiligen Christophorus nie gegeben hat. Offensichtlich brauchen wir eine Entmythologisierung des Atheismus. Da gibt es Leute, die entsetzt sind, wenn ihre liebgewordenen Vorstellungen von Giordano Bruno (1548-1600) oder Galileo Galilei (1564-1642) sich als falsch herausstellen. Professionelle Geschichtswissenschaft heißt im Übrigen nicht, Schlimmes oder Schönes in der Christentumsgeschichte zu sammeln, sondern Wichtiges von Unwichtigem, Typisches von Untypischem zu unterscheiden. Deswegen habe ich das Buch von führenden Historikern Korrektur lesen lassen.

 

Wie erklären Sie sich die Abwehrhaltung gegenüber der Kirchengeschichte?

Lütz: Wenn man sich jahrelang mühsam seine eigene Weltanschauung zusammengebastelt hat, dann ist man wohl nicht so schnell bereit, eigene langgehegte Vorurteile so ohne Weiteres über Bord zu werfen. Dafür muss man Verständnis haben. Aber auch Christen selber nehmen nicht selten nur die Kritik wahr. Auch Sie haben mir so ziemlich alle beleidigenden Kommentare zu meinem Buch vorgehalten und alles andere ausgeblendet. Dagegen bin ich der Auffassung, dass die Christen auch mal wieder stolz sein könnten darauf, dass zum Beispiel das Mitleid eine christliche Erfindung ist. Natürlich gibt es auch Buddhisten und Moslems, die Mitleid haben. Aber da, wo das Christentum entstand, hatten die heidnischen Römer und Griechen eben kein Mitleid mit Behinderten. Die galten als von den Göttern geschlagen. Mit denen befasste man sich besser nicht, sonst wurde man auch von den Göttern geschlagen. Die Christen machten genau das Gegenteil: Sie stellten Behinderte und andere Menschen in Not in den Mittelpunkt, denn in denen konnte man Christus und damit Gott selbst begegnen. Deswegen sind Krankenhäuser christliche Erfindungen. Darauf könnten die Christen stolz sein, wenn sie es denn wüssten.

 

Gibt es ein Ereignis in der Kirchengeschichte, das Sie am liebsten rückgängig machen würden?

Lütz: Wer bin ich, mir eine Wunschgeschichte zusammenzubasteln? Ich glaube, dass Gott all das gut gefügt hat und dass auch das Mühsame und Leidvolle am Ende seinen Sinn haben wird. Die Kirchenspaltung ist heute noch schmerzhaft, aber ohne die tieffromme Reformation hätte die katholische Kirche wohl nicht wieder zu einem spirituellen Wiederaufbruch im 16. Jahrhundert gefunden. Wir sind alle in Gottes Hand.

Der Arzt, katholische Theologe und Bestsellerautor Manfred Lütz.
Der Arzt, katholische Theologe und Bestsellerautor Manfred Lütz.

MANFRED LÜTZ

Manfred Lütz, geboren 1954 in Bonn, ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und katholischer Theologe. Er studierte Medizin, Philosophie und Theologie in Bonn und Rom. Seit 1997 ist er Chefarzt des ­Alexianer-Krankenhauses in Köln, einem Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie.

Er ist einer der führenden Experten im Bereich Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche. Lütz, verheiratet und Vater von zwei Töchtern, ist Vatikanberater und Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben.

Mehrere Bestseller haben Lütz auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Sein bekanntestes Buch ist »Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen« (2009). Die Taschenbuchausgabe dieser »höchst vergnüglichen Entdeckungsreise durch die ganze faszinierende Psychowelt« (Eckardt von Hirschhausen) stand 106 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. Auch sein Buch »Bluff: Die Fälschung der Welt« (2012) schaffte es an die Spitze der Spiegel-Liste. Gelegentlich tritt Lütz, der als Student eine integrative Jugendgruppe von Behinderten und Nichtbehinderten gründete, auch als Kabarettist auf.

In seinem neuen Buch »Der Skandal der Skandale« über die Geschichte des Christentums stützt sich Lütz auf einen der profundesten Kenner der Materie, den Religionswissenschaftler und katholischen Theologen Arnold Angenendt. Dessen Mammutwerk »Toleranz und Gewalt – Das Christentum zwischen Bibel und Schwert« fasst er im Wesentlichen popularisierend zusammen.

BUCHTIPP

Manfred Lütz: »Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums«. Herder Verlag Freiburg, 2018. 288 Seiten, ISBN 978-3-451-37915-4, 22 Euro. Auch als Hörbuch und Audio-Download erhältlich.

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