Ein Scan mit dem Smartphone, ein kurzer Klick – und schon erklingt die Orgel der Kronacher Christuskirche. Mit dem Orgelkalender 2026 startet die Gemeinde eine Spendenaktion, die Bild, Musik und QR-Code verbindet. Hinter jedem Monat des Jahres 2026 verbirgt sich ein eigenes Musikstück, eingespielt von Dekanatskantorin Michaela Kerz. Der klingende Kalender soll helfen, die 1936 durch Steinmeyer/Oettingen als Opus 1629 erbaute Orgel, zu sanieren. Die Orgel ist einfach in die Jahre gekommen und droht zu verstummen.
Genau das wollen Pfarrer Achim Gerber, Dekanatskantorin Michaela Kerz und die Vertrauensfrau des Kirchenvorstands, Annalena Kestel, verhindern: dass eines Tages Stille herrscht, wo sonst die "Königin der Instrumente" den Gottesdienst trägt.
Musik, Bild und QR-Code: Der Orgelkalender 2026 verbindet Tradition und Technik
Zwölf Monatsblätter, zwölf Musikstücke und zu jedem Bild ein QR-Code, hinter dem sich ein eigens eingespieltes Orgelstück aus der Christuskirche verbirgt. Wer den Kalender aufhängt, bekommt ein Jahr lang Orgelmusik frei Haus – und hilft gleichzeitig, das Instrument zu retten.
"Es sind einige Sachen, die wirklich getan werden müssen", sagt Michaela Kerz. Über der Orgel hängen Planen als Schutz, weil von der Decke immer wieder etwas in die Pfeifen fallen könnte. "Der Zustand der Orgel ist eigentlich nicht schlecht", betont sie, "aber wir müssen sie mal überholen." Die Windbälge haben Risse, Pfeifen brauchen eine fachkundige Überarbeitung, vor allem aber ist die Elektrik nicht mehr zuverlässig. Noch funktioniert vieles, aber niemand will warten, bis eines Tages gar nichts mehr geht. Parallel dazu muss auch die Elektrik in der Kirche ertüchtigt werden, damit alles wieder sicher zusammenpasst.
Als klar war, dass eine Sanierung ansteht, stand die Gemeinde vor der klassischen Frage: Wie finanzieren wir das? "Ich sicherlich nicht", sagt Pfarrer Gerber lachend, wenn er nach der Ursprungsidee gefragt wird. Ratlos sei er gewesen, erzählt er. "Aber ich habe tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, einen großartigen Kirchenvorstand mit einer tollen Vertrauensfrau." Viele in der Gemeinde verbinden mit der Orgel eine persönliche Erinnerung. Aus dieser Runde heraus wuchs das Projekt: Vertrauensfrau Annalena Kestel brachte die Kalenderidee ins Spiel, Dekanatskantorin Michaela Kerz steuerte die Musik bei – und Kirchenvorsteher Steffen Keilhold kümmerte sich um die technische Seite mit den QR-Codes.
Damit stand die nächste Frage im Raum: Was zeigt so ein Kalender? Einfach zwölf Fotos vom Orgelprospekt sollten es nicht werden. Also sind Kestel und Kerz gemeinsam in die Orgel "hineingestiegen". "Das klingt vielleicht komisch, weil man von außen nur die großen Prospektpfeifen sieht", erzählt Kestel. "Aber man kann tatsächlich reingehen und sieht alle Register, große und kleine Pfeifen." Ein enger, verwinkelter Raum, voller Holz, Metall und Geschichte. Dort sind viele der Kalenderbilder entstanden: ungewöhnliche Perspektiven, Details, Strukturen. Die Orgel als eigener Kosmos.
Für Kerz lag parallel die musikalische Aufgabe auf dem Tisch: zwölf Stücke für zwölf Monate. "Die Kriterien sind so ausgewählt, dass sie jeweils zur Kirchenjahreszeit passen, aber auch zur Jahreszeit unseres Kalenderjahres", erklärt sie. Zum Ewigkeitssonntag wird ein eher nachdenkliches Stück zu hören sein, zu Ostern etwas Festliches, im Frühling ein hoffnungsvoller Klang. Und zwischendurch darf es durchaus auch überraschend werden: "Es wird auch mal ein Popstück sein, und ich will noch nicht zu viel verraten, aber irgendwo wird auch ein Kinderlied versteckt sein."
Von der Orgelperspektive ins Musikstück: Kreativität hinter den Kulissen
Kerz geht es darum, die Vielfalt der Orgel hörbar zu machen. Leise, zarte Klänge stehen neben prächtigen Einzugsstücken, kurze neben etwas längeren, ohne dass jemand minutenlang vor dem Kalender stehen muss. "Ich würde kein Stück machen, das zehn Minuten dauert. Das ist einfach zu lang", sagt sie. Stattdessen zeigt sie, was das Instrument kann: klassische Kirchenmusik, barocke Konzertstücke, aber auch Bearbeitungen von Stücken wie "Viva la Vida" oder Melodien aus "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Orgel nur altmodisch? Kerz widerspricht entschieden. Für sie ist die Orgel "super modern", weil sie mit ihren Registern ganz unterschiedliche Klänge ermöglicht. In Kronach gab es bereits ein Konzert mit Orgel und Cello bei "Kronach leuchtet", mit Lichtinszenierung in der Kirche. Perspektivisch träumt die Kantorin sogar von Verbindungen mit Synthesizer oder Lichtinstallationen.
Trotzdem: Bei aller kreativen Energie bleibt die Realität der Zahlen. Die Gemeinde rechnet mit einem sechsstelligen Betrag für die Sanierung der Orgel. "Wir sind gerade am Eruieren, was nötig ist", sagt Gerber. Wenn die Elektrik der Kirche mit in den Blick genommen wird, könne "das ein ums andere noch mal draufkommen". Vielleicht läuft es auf eine Komplettsanierung hinaus, vielleicht lasse sich manches kleiner halten. "Manchmal habe ich schon gesagt: Die Brühe wird ja teurer als der Fisch", erzählt Annalena Kestel halb ernst, halb schmunzelnd.
Sanierung, Spenden und Zukunft: So soll die "Königin der Instrumente" erhalten bleiben
Umso wichtiger ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen – in der Gemeinde, im Dekanat und darüber hinaus. Der Kalender kostet 23 Euro. Er ist im Pfarramt der Christuskirche erhältlich, außerdem bei Optik Stöckert in Kronach, im Concept Store Galerie Meyer und in der Tourist-Information am Marktplatz, jeweils zu den regulären Öffnungszeiten. Wer nicht vor Ort ist, kann sich melden: Über die Internetseite kronach-evangelisch.de beziehungsweise orgel-christuskirche-kronach.de ist die eigens eingerichtete Spendenseite erreichbar. Dort finden sich Kontaktdaten, Infos zur Orgel und die Möglichkeit zu spenden – oder den Kalender aus der Ferne zu bestellen.
Die Reaktionen auf das Projekt sind ermutigend. "Es läuft alles an, läuft ganz gut an", sagt Gerber. "Es könnten natürlich noch immer mehr sein und auch ein bisschen zügiger losgehen." Er hofft auf eine Eigendynamik, die in Gemeinde und Dekanat entsteht. Und er erzählt eine Geschichte, die er von seinem Mentor übernommen hat: "Liebe Leute, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: Wir haben das Geld für unsere Sanierung. Die Schlechte: Das Geld ist noch in euren Geldbeuteln." Na dann…
Am Ende geht es nicht nur um Pfeifen, Register und Elektrik. Es geht um die "Königin der Instrumente", wie Gerber die Orgel nennt. "Sie weist uns über alles Irdische hinaus", sagt er. "Sie lässt die Herzen höher schlagen und bringt die inneren Glaubensdinge und Werte, die wir haben, ins Schwingen und ins Klingen." Damit die Orgel in der Christuskirche weiterhin genau das tun kann, braucht es jetzt viele, die mithelfen – mit einem Kalender an der Wand, mit einer Spende, mit einem Stück lokaler Verbundenheit.
Und irgendwann, wenn die Arbeiten getan sind, soll die Orgel wieder in voller Pracht erklingen. Auf die Frage nach einem Traum für das erste Konzert nach der Sanierung muss Michaela Kerz nicht lange überlegen. Sie stellt sich einen Abend vor, an dem die Vielfalt des Instruments hörbar wird – gemeinsam mit den Gruppen der Gemeinde. Ein Posaunenchor, ein Projektchor, rauschende Orgelklänge, starke Texte. Und am Ende bleibt man noch, stößt mit Saft oder Sekt an und feiert mitten in der Kirche.