Wenn Lena Sponner heute durch die Flure des Evangelischen Forums Annahof geht, wirkt sie so selbstverständlich in ihrer Rolle, als sei sie schon immer Studienleiterin und pädagogische Leitung der Augsburger Erwachsenenbildung gewesen. Tatsächlich aber war ihr Weg hierher alles andere als geradlinig. 

Seit 2020, mitten im ersten Corona-Lockdown, hat die heute 42-Jährige die Aufgabe übernommen, Kirchengemeinden in Fragen der Erwachsenenbildung zu begleiten, zielgruppenspezifische Schulungen für Haupt- und Ehrenamtliche zu entwickeln und zugleich als Studienleiterin der Stadtakademie Bildungsangebote für die gesamte Stadtgesellschaft zu konzipieren: interreligiös, interkonfessionell und in enger Zusammenarbeit mit städtischen Einrichtungen. "Was genau ich hier tue?", sagt sie lachend. "Eine einfache Frage, aber keine einfache Antwort."

Was wie eine organisch gewachsene Berufung aussieht, beginnt im hessischen Vogelsbergkreis, in dem Sponner einen Teil ihrer Kindheit verbringt. Es folgen Umzüge quer durch Deutschland – Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg – bis die Familie im Allgäu landet. Dort, in Kempten, erlebt die Jugendliche ihre eindringliche Zeit in der evangelischen Jugend. Jugendausschuss, Jugendwerk, Freizeiten: "Die evangelische Jugend hat mich wahnsinnig geprägt", sagt sie. "Was Selbstbewusstsein angeht, was das Sprechen vor Menschen angeht. Da lernt man Demokratie im großen Stil."

Nach dem Abitur folgt ein FSJ, dann entscheidet sie sich für ein Lehramtsstudium an der Universität Erlangen: Englisch und Geschichte für Gymnasien. "Ich wollte Religion als Erweiterungsfach nehmen", erinnert sie sich. "Aber das Lehramtsstudium war mir zu theoretisch – und es führte vielleicht gar nicht dahin, wo ich hinwollte."

Der Weihnachtsgottesdienst, der alles veränderte

Der Wendepunkt kommt an Weihnachten – buchstäblich. Sponner sitzt im Gottesdienst in der vertrauten Johanneskirche in Kempten, gemeinsam mit ihrer Mutter. Eine Freundin aus Jugendzeiten liest die Weihnachtsgeschichte vor. "Und in dem Moment ist mir der Gedanke in den Kopf gekommen: Mensch, das will ich auch machen."

Sie beschreibt es als Bauchentscheidung, ausgelöst aus einer Mischung aus Unzufriedenheit und dem Gefühl, dass ihr Körper ihr längst Signale sendet: "Chronische Bronchitis, Schuppenflechte – manchmal teilt einem der Körper mit: Du bist nicht glücklich."

Noch vor der Zwischenprüfung bricht sie das Lehramtsstudium ab. Ein halbes Jahr arbeitet sie zur Überbrückung und bewirbt sich an der Evangelischen Hochschule Nürnberg für den Studiengang Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit. "Damals gab es noch mehr Bewerber als Studienplätze." Sie wird angenommen.

Heute sagt sie über diesen radikalen Schritt: "Ich würde es niemandem spontan empfehlen – aber für mich war es die richtige Entscheidung." Und die 42-jährige Lena würde der 22-jährigen Lena raten: "Bleib eingeschrieben, mach deine Zwischenprüfung – und wenn sie dich im Religionspädagogik-Studium annehmen, dann wechsel." Und zugleich: "Man muss auf sein Herz hören."

Praktikum in Augsburg, Vorbereitung in Buchloe, Berufung in Memmingen

Vier Jahre studiert Sponner in Nürnberg, inklusive eines Praxissemesters in Augsburg – damals in der schulbezogenen Jugendarbeit. Nach dem Abschluss folgt der Vorbereitungsdienst in Buchloe, wo sie Jugendarbeit und Religionsunterricht verbindet. Als dort die Stelle der Dekanatsjugendreferentin im Dekanat Memmingen frei wird, greift sie zu: "Für mich der Himmel auf Erden, weil es genau das war, was mich ins Studium gebracht hatte."

Aus dem geplanten kurzen Abschnitt werden acht Jahre – acht Jahre, die sie erfüllt haben, aber auch forderten. Wochenenden, Abende, unzählige Grundkurse, Convente und Freizeiten. "Ich möchte diese Zeit nicht missen", sagt sie. "Aber das Privatleben legt es schon ein Stück weit lahm."

Die Bewerbung aus dem Lockdown heraus

Als die Pandemie kommt, sitzt Sponner – wie viele – in digitalen Kirchenkonferenzen. In einer landesweiten Berufsgruppentagung erzählt Kirchenrat Jochen Bernhard von zwei unbesetzten halben Stellen in Augsburg: Studienleitung der Stadtakademie (0,5) und theologisch-pädagogische Leitung des Evangelischen Bildungswerks (0,5). "Er meinte: ‚Die gehen jetzt in die dritte Ausschreibung – und wenn sich niemand bewirbt, öffnen wir berufsgruppenübergreifend.‘"

Sponner wird hellhörig. "Religionspädagogen bewerben sich auf sowas einfach nicht", sagt sie. "Man denkt, dafür ist man nicht qualifiziert." Doch sie ruft an, lässt sich alles erklären – und bewirbt sich. "Warum eigentlich nicht?"

Seit 2020 arbeitet sie nun in Augsburg beim Evangelischen Forum Annahof – und seit der Beurlaubung des Kollegen Dr. Beck 2022 leitet sie das Evangelische Forum kommissarisch. Die offizielle Bestätigung soll im kommenden Jahr erfolgen; die neu entstehende zweite Leitungsstelle wird ausgeschrieben. "Es war ein schleichender Prozess", sagt sie. "Und gleichzeitig eine große Entlastung, dass bald jemand Neues dazukommt."

Für Sponner ist Erwachsenenbildung ein "riesiges Spielfeld". "Ich kann mich in alle gesellschaftspolitischen Themen reinwerfen", sagt sie. "Ich habe den besten Job der Welt: Alle Themen, die mich interessieren, kann ich hier aufgreifen und mit Menschen teilen, die es ebenfalls interessiert."

Für Kirchengemeinden organisiert sie digitale Fortbildungen, technische Schulungen, spirituelle Angebote. Für die Stadtgesellschaft konzipiert sie Vorträge, Workshops, Seminare – vom interreligiösen Dialog bis zur öffentlichen Debatte. "Außerdem gibt es kaum Grenzen außer gesundem Menschenverstand und Nächstenliebe."

Als Ratschlag an den Nachwuchs spricht sie Klartext: "Man muss ein dickes Fell und Lust auf trial and error haben." Wer in der Bildungsarbeit arbeiten wolle, müsse den Mut haben, "über sich hinauszuwachsen", sagt Sponner. Und: "Das Herz muss dafür schlagen. Den Rest kann man lernen."