8.04.2018
Gedenken

Nach Amokfahrt in Münster: Kirchen laden zu ökumenischem Gottesdienst

Nach der Amokfahrt von Münster laden die Kirchen am Sonntagabend zu einem ökumenischem Gedenkgottesdienst in den Münsteraner Paulusdom ein. Das Bistum Münster will ihn live im Internet übertragen.
St.-Paulus-Dom in Münster
Der St.-Paulus-Dom in Münster

Nach der Amokfahrt in Münster laden evangelische und katholische Kirche am Sonntagabend zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst im Münsteraner St.-Paulus-Dom ein. In dem Gottesdienst um 19.30 Uhr soll laut Einladung "für diejenigen gebetet werden, deren Leben durch die Vorfälle am Samstag auf so schreckliche Weise aus den Angeln gehoben wurde".

Am Samstagnachmittag hatte ein Mann einen Kleintransporter in eine Menschenmenge in Münster gesteuert und dabei nach Angaben der Polizei zwei Menschen getötet sowie Dutzende weitere Personen verletzt. Anschließend nahm er sich selbst das Leben.  

Bistum Münster überträgt Gottesdienst im Internet

In der gemeinsamen Gottesdienst-Einladung des Bistums Münster, des evangelischen Kirchenkreises, des Stadtdekanats und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Münster heißt es weiter: „Gemeinsam wollen wir als christliche Kirchen den betroffenen Menschen in Münster einen Raum bieten. Wir möchten, dass all die, die wie wir, fassungslos vor so viel Gewalt stehen, nicht alleine sind." An dem Gottesdienst nehmen neben Bischof Felix Genn und Superintendent Ulf Schlien auch der Münsteraner Weihbischof Stefan Zehkorn und Stadtdechant Jörg Hagemann teil. 

Das Bistum Münster kündigte an, den Gottesdienst live im Internet zu übertragen - auf der Website des Bistums sowie ihrer Facebook-Seite

 

Kirchenvertreter sprechen Mitgefühl aus

Die Polizei sucht derweil nach dem Motiv des laut Staatsanwaltschaft 48-Jährigen deutschen Täters. Bei einem Besuch am Tatort sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Sonntag, bislang gebe es starke Hinweise darauf, dass es sich um einen Einzeltäter handele. Einen islamistischen Hintergrund schlossen die Ermittler bereits früh aus.

Neben Vertretern von Politik und Gesellschaft sprachen auch Vertreter der Kirchen den Angehörigen der Opfer und den Verletzten ihre Anteilnahme aus. Die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, schrieb, aus buchstäblich heiterem Frühjahrshimmel habe sich die Gewalttat wie eine dunkle Wolke über die Menschen vor Ort gelegt: "Plötzlich sind dort, wo man eben noch gemeinsam in der Sonne saß, Tote, schwer Verletzte, Schockierte. Menschen in Lebensgefahr, in Angst, in Trauer", betonte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Gleichzeitig mahnte sie, "dass das Unbegreifliche uns nicht in Hass und Verachtung treibt".

Superintendent Ulf Schlien ruft zu Besonnenheit auf

Sein Mitgefühl äußerte auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx. Seine Gedanken und Gebete seien in diesen schweren Stunden bei den Opfern, den Verletzten und ihren Angehörigen, schrieb er.

Der Münsteraner Superintendent Ulf Schlien, der den Gedenkgottesdienst am Abend mitgestaltet, zeigte sich bestürzt und rief zu Besonnenheit auf: "Wir müssen das schlimme Ereignis in allen Facetten wahrnehmen und begreifen", teilte er auf der Website des Kirchenkreises Münster mit. "Dafür wollen wir als evangelische Kirche mit unseren ökumenischen Partnern Türen öffnen und laden zu verschiedenen Gottesdiensten und Andachten ein, damit Menschen nicht allein bleiben."

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