Am Anfang war das Wort. Für Johannes Friedrich galt das sein Leben lang. In doppelter Hinsicht: für den Theologen mit einem ganz besonderen Verhältnis zur Heiligen Schrift; dann aber auch für die Person selbst.

Auf ihn konnte man sich verlassen. Sein Wort galt, er hielt Wort. Gottvertrauen und Menschenfreundlichkeit zeichneten ihn aus. Schon wenn er mit einem fröhlichen Pfeifen auf den Lippen nahte, wusste man, hier ist gute Laune, hier ist von Gott getragene Zuversicht im Anmarsch.

Diese ließ er sich als geschickter Vermittler auch bei kniffligen Fragen, auch bei verhärteten Positionen nicht so leicht verderben. Schwarz-Weiß-Malerei mochte er gar nicht.

Johannes Friedrich: Starke Überzeugungskraft, gute Vernetzung

Trotz mancher Unterschiede im Auftreten übernahm er die offene, lebensnahe und glaubensstarke Grundhaltung seines Vorgängers, des fränkisch-lutherischen Urgesteins Hermann von Loewenich. Beide ließen jeweils auf ihre Art erkennen, dass Gott "meine Füße auf weiten Raum stellt". (Psalm 31)

Johannes Friedrich verstand es schon als Dekan und Vorsitzender des Grundfragenausschusses der Landessynode, dank starker Überzeugungskraft und guter Vernetzung Mehrheiten für seine Anliegen zu gewinnen. Immer wieder erwies er sich als fairer Gesprächspartner. Nicht zuletzt war er auch ein politisch denkender Theologe – allerdings ohne die Scheuklappen von Par­tei­poli­tik und immer auf der Wertebasis des Evangeliums.

Sein Wirken in der Landessynode und später dann als Landesbischof kann indes nicht allein auf die großen theologischen Themen der Ökumene und des Verhältnisses von Christen und Juden reduziert werden. Auch zum Thema Kirche in der Gesellschaft bezog er immer wieder eindeutig Stellung, gab Impulse für die segensreiche Arbeit der Diakonie und setzte beim Themenbereich Ethik in Medizin und Biotechnik, beim Familienleitbild oder als Mitbegründer des Bayerischen Bündnisses für Toleranz deutliche Signale.

Kampf gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus

Als Erkenntnis aus der deutschen Historie gehörte für ihn der Kampf gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus zu seinen Kernanliegen. In Erinnerung bleibt mir seine tiefe Erschütterung bei einem gemeinsamen Besuch der Babyn-Jar-Schlucht in Kiew, wo das deutsche NS-Regime 1941 einen Massenmord an der jüdischen Bevölkerung beging.

Ob hierzulande oder bei seinen zahlreichen Auslandsreisen: Politik und Gesellschaft an unser christliches Menschenbild zu erinnern, das war für Johannes Friedrich bindend. Ebenso wie der Appell, unsere im Glauben gründende Freiheit in Verantwortung zu leben. Das spornte ihn an, und das bleibt als sein Erbe.